Ursula Poznanski ist zurzeit mit ihrem Buch „Erebos 2“ unterwegs. Wie es dazu kam, dass ich eine ihrer Lesungen besuchte?

„Du, in der Mayerschen ist nächste Woche Ursula Poznanski“, sagte ich kürzlich zu meinem Sohn und rechnete mit einem genervten Augenrollen, das ich immer dann ernte, wenn er etwas furchtbar peinlich findet oder total überflüssig. Was mehrmals täglich vorkommt, seitdem er 14 Jahre alt ist. Dementsprechend platt war ich, als er wie aus der Pistole geschossen entgegnete: „Da gehen wir hin, oder?“

Wie? Die Wienert ja gar nicht? 

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass mein Sohn ein ausgewachsener Lesemuffel ist. Wenn überhaupt, hört er nur Hörbücher. Und nur ganz wenige können ihn wirklich begeistern. „Erebos“ von Ursula Poznanski hat es geschafft. Er liebt die Geschichte. Auch Band 2 mochte er gerne.

Wer schon länger diesen Blog besucht, weiß, dass ich ebenfalls ein Fan der Autorin bin. Auch, wenn ich immer mal wieder Kritik übe, mag ich ihre Ideen, ihren Stil und die Art, wie sie sich in ihre Figuren hineinversetzt. Ich habe fast alle ihre Bücher gelesen. So kam es, dass wir uns einige Tage später auf den Weg zu unserer ersten gemeinsamen Buchlesung machten.

Es war voll in der Mayerschen. Das Publikum war gut gemischt. Viele Jugendlichen waren gekommen, 20-30jährige, auch ältere Leser. 20 Minuten vor Beginn schlenderte Ursula Poznanski schon mal lässig in Jeans und Lederjacke zum Mikro und machte einen kurzen Tontest. Dabei gab es für mich die erste Überraschung: Nanu, die Wienerin wienert ja gar nicht?! Nur ein leichter österreichischer Dialekt klang durch. Gut so! Ich hätte mir Nick Dunmore (Hauptfigur aus Erebos) auch nur schlecht mit österreichischem Slang vorstellen können.

Poznanski – Auf den Punkt

Pünktlich ging es los. 45 Minuten lang las Ursula Poznanski zunächst die ersten Kapitel aus „Erebos 2“. Da ich das Buch bereits kannte, war ich vermutlich nicht ganz so gefesselt, wie manch anderer Zuhörer. Gedanklich bin ich schonmal abgeschweift und habe stattdessen die rot-blonde Lockenmähne der Autorin bewundert und ihre Stimme, die tief, souverän und selbstbewusst ist.

Richtig interessant wurde es in der anschließenden Fragerunde, die Ursula Poznanski mit dem Hinweis einläutete, wir könnten sie generell alles fragen, sollten aber nicht spoilern, denn dann müsse sie leider mit Sachen werfen. Die erste Frage war natürlich, ob sie von Anfang an geplant habe, eine Fortsetzung zu „Erebos“ zu schreiben. Das verneinte sie: „Ich bin relativ oft gefragt worden, ob ich eine Fortsetzung schreiben will und habe immer gesagt, nein, auf keinen Fall, kommt überhaupt nicht in Frage (…) und das habe ich auch ernst gemeint, denn die Geschichte war einfach vollkommen abgeschlossen für mich. Und der einzige Grund, warum ich jetzt doch Teil zwei geschrieben habe, ist, dass sich die Technik so extrem weiterentwickelt hat.“ Vieles aus dem ersten Teil sei inzwischen überholt.

Oft Falsch verstanden

Ich selbst wollte unbedingt auch eine Frage loswerden und bekam kurz darauf die Gelegenheit dazu: „Steht ein pädagogischer, kritischer Gedanke hinter „Erebos“?“ Da gab es kein Zögern seitens Ursula Poznanski: „Also pädagogisch gar nicht! Ich finde Pädagogik in Jugendbüchern wahnsinnig deplatziert.“ Vor allem Lehrer hätten in der Vergangenheit öfter zu ihr gesagt: „Jaja und sie haben ja jetzt ein Buch geschrieben, das sich gegen Computerspiele wendet.“ Da habe sie dann immer klar stellen müssen: „Nein überhaupt nicht. Absolut nicht. Es geht nicht um gefährliche Computerspiele, sondern um Manipulation. Das Computerspiel ist nur Mittel zum Zweck.“ Genauso wenig finde sie Handys böse. Sie spiele allerdings gerne mit dem Gedanken, was passiert, wenn die Technik nicht mehr in unserem Sinne funktioniere.

Gib ihr keine Drohne!

Geduldig und ausführlich beantwortete die Autorin Frage um Frage, gab Tipps, wie man es schafft, selbst ein Buch zu schreiben (viel lesen! viel ausprobieren!), erzählte, dass sie eigentlich gar nicht so technikaffin sei und sich in ihre Themen immer erst reinrecherchieren müsse. („Ich habe noch nie eine Drohne gesteuert. Das wäre auch sehr traurig für die Drohne. Die hätte eine kurze Lebenserwartung.“)

Ihre größte Schreibmotivation sei übrigens die Angst vor der Deadline. („Die hilft irrsinnig!“) Denn sie habe Verträge bis 2022. Niemand wisse, was sie in der Zeit noch alles schreiben werde, sie selbst inbegriffen. Aber die Abgabetermine stünden nunmal bereits fest.

Was wohl viele Fans wissen möchten: Wann kommt „Erebos“ denn nun eeeeeendlich auf die Kinoleinwand? Tja. Tatsächlich seien schon alle ihre Bücher mindestens einmal für eine Verfilmung optioniert gewesen, meinte Ursula Poznanski. Optionieren bedeutet, dass eine Produktionsfirma Interesse anmeldet und sich die Rechte an einem Buch für eine gewisse Zeit sichert. Nur ist darüber hinaus bisher leider noch nichts passiert. Heißt: Wir müssen weiter hoffen!

Schreiben und geniessen

So verging die Zeit wie im Fluge. Es machte Spaß, meinen Sohn so gefesselt zu sehen. Irgendwann kündigte Ursula Poznanski an, dass man nun langsam zum Ende kommen müsse. Immerhin wolle sie noch Bücher signieren. Und so standen wir kurz darauf am Ende einer langen Schlange (der Fluch derjenigen, die ganz vorne sitzen – die kommen nämlich zuletzt raus!:-) und warteten zwischen gut gelaunten Menschen, bis wir an die Reihe kamen. Unermüdlich schrieb die Österreicherin Widmungen und lächelte in Smartphone-Kameras. Auch mein Sohn wollte sich unbedingt mit der Erfinderin seiner Lieblingsgeschichte fotografieren lassen. Am Ende war er stolz und erzählte während des gesamtes Heimweges, wie toll er den Abend fand. Und ich dachte mir: Das muss ich aufschreiben! Denn so schnell werde ich ihn wohl trotz allem nicht mehr zu einer Buchlesung kriegen! 🙂 

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