Copyright: Carlsen

Es ist immer furchtbar schade, wenn man sich von einem Buch viel erhofft und am Ende enttäuscht ist, weil Aufmachung und Inhalt qualitativ so weit auseinander gehen. „Hotel der Magier“ ist wunderhübsch gestaltet, das Konzept klang noch dazu großartig: Eine magische Detektivgeschichte! Ich las in anderen Rezensionen, sie erinnere an Agatha Christie und Harry Potter. Nein! Von der Idee her mag das stimmen, aber der Unterschied ist: Bei Christie und Rowling sind Plot und Charaktere sehr gründlich entworfen.

Erzählen ist eine Kunst…

Ich weiß, Kinder und Erwachsene lesen unterschiedlich. Testweise habe ich das Buch daher der zehnjährigen Tochter einer Freundin gegeben, die aber schnell das Interesse daran verloren hat. Es war ihr zu chaotisch und die Namen zu verwirrend. Sie meinte, sie konnte der Handlung manchmal gar nicht folgen. Mir ging es ganz ähnlich.

Ausgangssituation ist folgende: Seth ist Küchenjunge im abgelegenen Hotel „Zur letzten Chance“, wo er seit seiner Kindheit lebt und für die unsympathischen Besitzer – die Familie Bunn – kocht. Als eine Gruppe Gäste zu einem wichtigen, geheimnisvollen Treffen eintrudelt, bereitet er ein himmlisches Dessert für Ehrengast Dr. Thallomius zu, der kurz darauf vergiftet wird, so dass der Verdacht auf Seth fällt. Gemeinsam mit Inspektor Zinnkrug, der Seth aus mir unerfindlichen Gründen sofort für unschuldig hält, obwohl tatsächlich einiges gegen ihn spricht, macht er sich an die Aufklärung des Falles.

Viele Magier, wenig Magie

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Die Autorin versucht sich an der Erschaffung einer magischen Welt und platziert darin ein Locked-Room-Geheimnis. Leider bekommt sie beides nicht ganz unter einen Hut. Die Geschichte liest sich äußerst wuselig. Das liegt gar nicht mal unbedingt an den vielen extravaganten Namen (Penelope Papperspuk, Darinder Dunster-Dunstable, Wich Wracht), die sie sich ausgedacht hat, sondern vielmehr daran, dass zu wenig über die Figuren erzählt wird, so dass ich immer wieder überlegen musste, wer nun eigentlich wer ist und wer welche Motive verfolgt. Es gibt Charaktere, die für die Geschichte überflüssig erscheinen (Henri) und solche, über die man gerne mehr erfahren hätte (viele!, aber vor allem Zinnkrug, die Katze Nachtschatten, Seths‘ Eltern). Alles plätschert recht oberflächlich, mit einem überspitzten, teilweise grotesken Humor vor sich hin. An einigen Stellen wird durchaus Spannung aufgebaut, aber leider nicht durchgehend gehalten.

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Der Titel verspricht ja gewissermaßen ein magisches Vergnügen. Und tatsächlich wird immer mal wieder über Magie und magische Verschwörungen gesprochen. Gezeigt und erlebt wird aber kaum etwas davon. Außerdem wundert es, dass Seth, der schon sein Leben lang in dem Hotel wohnt, diese magische Seite überhaupt nie entdeckt haben soll. Er lernt sie quasi zusammen mit dem Leser kennen, schnappt hier was auf und dort was auf – ein deutliches Bild will nicht so recht im Kopf entstehen. So folgt man dem ahnungslosen, von den Hotelinhabern harrypotterartig gegängelten, Seth durch die Seiten, fühlt sich dabei aber oft zu wenig an die Hand genommen.

Die Geschichte endet relativ offen und soll damit direkt zum nächsten Band führen. Mir persönlich war der Auftakt zu schwach, als dass ich die Serie weiter verfolgen wollen würde. Inhaltlich hätte ich mir so viel mehr davon versprochen. Allen anderen empfehle ich die Leseprobe, da man hier einen guten Eindruck vom Stil der Autorin gewinnt und vielleicht feststellt, dass man Lust auf mehr bekommt. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

 

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Hotel der Magier von Nicki Thornton
Original: The Last Chance Hotel
Übersetzung: Barbara König
Hardcover: 288 Seiten
Verlag: Chicken House
Veröffentlicht: 30. August 2019
ISBN: 978-3551521163
Altersempfehlung: 10 – 14 Jahre

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