H3 { margin-bottom: 0.08in; }P { margin-bottom: 0.08in; }A:link { }

„Wie ein leeres Blatt“ von Pénélope Bagieu, Comic
Copyright: Carlsen

Trüb
– trüber – Januar. Überall herrscht Neujahrsstimmung, die
Menschen sind überfressen von den Feiertagen und sehnen sich nach
Bewegung und Abenteuer. Weil sich das schlecht mit dem
Arbeitsalltagsleben verbinden lässt, habe ich mich zu einem
fiktionalen Kurztrip nach Paris entschlossen – weil es mir dort das letzte Mal so gut gefallen hat. Reiseleiterin ist abermals die
umwerfende Zeichnerin Pénélope
Bagieu, dieses
Mal in Begleitung von Autor Gilles
Roussel
a.k.a.
Boulet,
und
zwar mit ihrem Erstlingswerk Wie ein leeres Blatt

Eloise
kommt
zu Beginn der Geschichte auf einer Parkbank in Paris zu sich. Sie
erinnert sich weder an ihren Namen noch an ihre Adresse, geschweige
denn an ihren derzeitigen Aufenthaltsort – alle Informationen, die
mit ihr und ihrer Identität zusammenhängen,
sind ausgelöscht. Sie beginnt zu ermitteln und hangelt sich über
kleine Hinweise, wie den Inhalt ihrer Handtasche, zu ersten
Schlussfolgerungen. Dabei überlegt sie immer wieder, was ihr
widerfahren
sein könnte und welche abenteuerliche Existenz sie entdecken wird,
wenn sie erst einmal ihr Gedächtnis zurück erlangt hat.
Am
Ende ihrer packenden
Suche
nach
sich selbst,
nach zahlreichen Enttäuschungen, Überraschungen und
zwischenmenschlichen Absonderlichkeiten, hat
Eloise etwas sehr viel Wichtigeres und Aufregenderes gewonnen
als alles,
was sie sich in ihnen kühnsten Tagträumen ersonnen hat: eine
eigene
Persönlichkeit.

Die
Graphic Novel überzeugt wieder einmal auf ganzer Linie. Vor allem
transportiert die pointierte Botschaft am Ende einen
rührenden
und tiefsinnigen
Kerngedanken,
der
die
melancholisch-heitere Geschichte wirkungsvoll
abrundet. Der
(viel zu rasch nahende) Schluss ist es auch, der den Leser noch lange
begleiten wird. Was mit Leichtigkeit und Spannung daher kommt,
offenbart sich als existentielle Suche
nach dem eigenen Ich. Und die beschäftigt schließlich uns alle.
Oder? Wenn man sich bisher noch nicht gefragt, wie die eigene
Existenz eigentlich von außen wirkt und ob man selbst diese Person,
die man zu sein scheint, überhaupt mag und sein möchte – dann
wird man es spätestens nach dieser Lektüre tun.

Abgestimmt
und
angenehm
unkonventionell
sind
auch
Lettering,
Zeichenstil und Seitenarchitektur. Die Zeichnungen, die auf den
ersten Blick verspielt und mädchenhaft-simpel
wirken, entpuppen sich oftmals als detaillierte,
vielschichtige
Spiegelungen der Handlungsebene. Graphisch tadellos, gibt es nichts
am Gewand dieses Comics auszusetzen. Auch das vieldiskutierte
Flexocover liegt
griffig in der Hand,
vor allem weil der Tagebuch-ähnliche Gummizug Stabilität verleiht
und praktischerweise das Lesezeichen ersetzt. 

Auch
die Übersetzung sollte lobend erwähnt werden, denn einer der besten
Übersetzer von französischen Comics, Uli Pröfrock,
hat
seine Sache wieder einmal gut gemacht und zeichnet
sich für einen
unverkrampft-leichten
Ton verantwortlich.

Zur Zeichnerin: Die
1982 geborene Pariserin Pénélope
Bagieu, Tochter
korsischer und baskischer Eltern,
ist
Illustratorin und Cartoonistin. Ihr Comic-Blog Ma vie est tout à fait fascinante,
auf
dem sie auf humorvolle Weise aus ihrem Alltagsleben berichtet,
erlangte
über
die Szene hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Ab
September 2014 soll er bei Carlsen auf Deutsch publiziert werden.
Eine dreibändige Comic-Reihe,
„Joséphine“, wird
gerade verfilmt.

WERBUNG
Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung



Wie ein leeres Blatt von Bagieu/Boulant
Flexocover mit Spot und
Gummiban
d: 208 Seiten
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum:
März 2013
ISBN:
978-3-551-75109-6

9 Replies to “[Rezension] „Wie ein leeres Blatt“ von Pénélope Bagieu

  1. Ich darf deine rezis einfach nicht mehr lesen 🙂 Ich will es sofort haben, denn es hört sich richtig gut an. Obwohl ich bei der Inhaltsangabe sofort an " Lauf Jane lauf" denken musste. Kennst du es? Es beginnt ähnlich.
    LG

    1. Du bist so ein Schatz! Wenn du willst, leihe ich es dir gerne. "Lauf, Jane, lauf" kenne ich nicht – ich habe noch gar nichts von Fielding gelesen – eine Schande. Lohnt sich das Buch? Dann werde ich es mal bald nachholen. LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.