"Shotgun Lovesongs" von Nickolas Butler, Roman
Copyright: Klett-Cotta

There’s only one place they call me one of
their own
 

Soundtracks gibt es viele, auch für mich – den
Soundtrack meiner Jugend, der mir zum Teil heute etwas peinlich ist, mich zum
anderen Teil aber um ca. 20 Jahre jünger macht. Dann gibt es den Soundtrack für
glückliche beschwingte Zeiten, der mich das Glück, das ich innerlich empfinde
doppelt so stark fühlen lässt. Der Soundtrack der zu den schwierigen
Situationen in meinen Leben passt, besteht aus Songs, die ich höre, weil sie
entweder genau das ausdrücken, was ich fühle oder mich von diesem Gefühl
wegbringen, mich Lösungen für die schwierigen Situationen finden lassen. Und
dabei kommt es neben der Musik selbst, ganz stark auf die Texte an. Texte, die
Assoziationen erwecken zu Situationen in meinem Leben. Ich muss mich
wiederfinden können in einem Lied. Genauso wie in einem Buch.

Ich glaube, jeder kennt das – und wenn man das Glück hat,
sich seine Gefühle auch noch durch das Schreiben von Texten oder komponieren
von Liedern entweder von der Seele schreiben oder bewusster machen zu können,
dann ist man meiner Meinung nach in einer besonders glücklichen Lage.

Es gibt wenige Bücher, bei denen ich eine komplette
Playlist, einen Soundtrack mitgeliefert bekomme. Shotgun Lovesongs ist
nicht nur aus diesem Grund ein rares Stück. Die Songs, die man sich über einen
Link auf der Buchseite des Verlages anhören kann, passen wunderbar zu dem
Eindruck, den die Lektüre hinterlässt: Weite, Atmosphäre, teilweise hartes
Leben.

Was die Personen des Buches angeht, habe ich einen ganz
eigenen Soundtrack, der aus nur einem einzigen Lied besteht: „Who
says you can’t go home“
von Bon Jovi. Zu jedem der einzelnen Protagonisten
scheint es für mich eine eigene Strophe in diesem Lied zu geben. Der Titel
selbst ist ein Teil der Quintessenz der Geschichte um fünf Menschen, die
zusammen in Little Wing, Wisconsin aufwuchsen und seither befreundet sind.

Im Zentrum der fünf steht einer, Leland, der Musiker. Vor
Jahren nahm er ganz alleine in einer Hütte in Wisconsin sein Erfolgsalbum Shotgun Lovesongs auf. Wer sich in der Welt der amerikanischen Folkszene auskennt,
erkennt hier die Parallele zum Bon Iver Sänger Justin Vernon. 

Fünf Menschen, die über lange Zeit, durch alle Phasen
ihres Lebens miteinander verbunden und befreundet sind. Man trifft sich auf
Hochzeiten und nimmt teil am Leben der anderen. Hat keine Geheimnisse
voreinander oder glaubt zumindest, dass es so ist. Eine untrennbare Verbindung
fürs Leben, die nichts erschüttern kann? Weit gefehlt … 

Nickolas Butler erzählt
in Shotgun Lovesongs sehr
einfühlsam und warmherzig von allem, was das Leben wirklich ausmacht.
Leidenschaft und Liebe, Freundschaft und Verantwortungsgefühl, Wahrheit und
Hass – und manchmal auch Zwang. Denn manche Dinge passieren nur dann, wenn man
– so würden die Amerikaner sagen – das Gewehr im Rücken spürt. Bei uns heißt
das wohl eher: mit dem Rücken zur Wand steht, nicht mehr anders kann oder zu
können glaubt. 

Souverän spielt er mit den Perspektiven der
einzelnen Protagonisten und zeichnet so ein lebendiges Bild des Lebens in einem
der härtesten Landstriche Amerikas. Nicht immer handeln seine Protagonisten
logisch, doch das macht sie nur umso authentischer, umso
identifikationsreicher.

Kapitel für Kapitel lassen uns die einzelnen Hauptprotagonisten
am Leben in Little Wing und anderswo teilhaben. So wurden sie für mich fast zu
Freunden, die ich nicht verlassen wollte. Vielleicht kam mir der Schluss auch
deshalb etwas überhastet und konstruiert vor. Dem gesamten Lesevergnügen tat
das allerdings keinen Abbruch.
Denn ich weiß, ich kann ja jederzeit wieder zurückreisen,
nach Little Wing, Wisconsin und sei es nur in Gedanken.

„ …  It doesn’t
matter where you are, doesn’t matter where you go
If it’s a million miles away or just a mile up the road
Take it in, take it with you when you go … “
 

*Who says you can’t go home (Bon Jovi, 2005) 

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Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler 
Gebundene Ausgabe: 424 Seiten 
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 23. September 2013 
ISBN: 978-3608980080

3 Replies to “[Rezension] „Shotgun Lovesongs“ von Nickolas Butler

    1. Ja! Ich habe das Buch schon gelesen und war total begeistert von der Erzählweise und den Charakteren.

      Und ich meinte auch den "kompletten" Soundtrack der auf der Website zum Buch verlinkt war. So etwas habe ich vorher noch nie gefunden und es hat das Buch für mich wirklich besonders gemacht. Dein "alternativer" Soundtrack, also der Bon Jovi Song, ist aber auch ziemlich passend 🙂

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