Copyright: cbj

Kennt ihr Krinks Kritik zu „LÚM – Zwei wie Licht und Dunkel“? Nein? Dann bitte HIER entlang! Es lohnt sich. Für mich war Krinks begeisterte Rezension 2014 ein Grund, „LÚM“ zu lesen, das vielversprechende Debüt von Eva Siegmund.

Jetzt hat die Autorin ein neues Buch herausgebracht: „H.O.M.E. – Das Erwachen“. Eine Jugenddystopie, die sich mit dem Klimawandel und  daraus resultierender Wasserknappheit beschäftigt. Ein ziemlich aktuelles Thema also. Egal, wo „H.O.M.E“ in letzter Zeit auftauchte – man hörte nur Gutes darüber.

Welt (FAST) ohne Wasser

Eva Siegmund denkt einige Jahrzehnte in die Zukunft und skizziert eine Welt, in der Wasser nach verheerenden Dürren knapp geworden ist. Handlungsort der Geschichte ist Berlin und man merkt, dass die Autorin hier studiert hat und auch jetzt wieder lebt. Der Charme der Stadt ist (Dystopie hin oder her) auf vielen Seiten spürbar.

Heldin der Geschichte ist die 17-jährige Zoë, die in der Akademie H.O.M.E. für eine spezielle Mission ausgebildet wird. Welche das ist, erfährt man zunächst nicht, liest aber, dass Zoë zu den Klügsten ihres Jahrgangs zählt. Kampfsport und Sprachen beherrscht sie aus dem effeff. Dann wacht sie auf und alles ist anders: Sie liegt in einem Krankenhauszimmer. Menschen, die sie nicht kennt, behaupten sie wären ihre Familie und Zoë hätte zwölf Jahre im Koma gelegen. Die Welt ist nicht so vollkommen, wie Zoë es bisher angenommen hatte – überall herrscht Wassernot.

Langsam tastet sie sich in ihr neues Leben. In ihrem Bruder Tom findet sie schnell einen Vertrauten. Auch dessen Kumpel Kip entwickelt sich zu einer wichtigen Stütze. Beide glauben Zoës Geschichte von der Akademie und so beginnt die Suche nach der Wahrheit.

Tempo!

Wir erleben die Geschichte vor allem nach Zoë Aufwachen aus dem Koma, kommen mit ihr gemeinsam in der kleinen, schimmligen Wohnung ihrer Eltern an, erfahren, dass die Menschen Wasser hamstern, wo immer es möglich ist. Streifen mit ihr gemeinsam durch die Straßen von Berlin, forschen in der Stadtbibliothek und im Krankenhaus.

Zoës Zeit an der Akademie kommt dabei nur in Form kleinerer Erinnerungsfetzen in der Geschichte vor. Die Idee dahinter ist nicht bahnbrechend neu. Ich fand sie allerdings interessant und war bis zum Schluss neugierig auf die Auflösung.

Schade, dass sich einige Entwicklungen so schwerfällig anbahnen. Alleine 100 Seiten braucht es, bis jemandem (leider nicht einmal Zoë selbst) auffällt, das da etwas nicht stimmen kann, wenn ein Mensch angeblich mit fünf Jahren ins Koma fällt und zwölf Jahre später als belesener Erwachsener, der sich u.a. hervorragend mit Sprachen und Wissenschaft auskennt, wieder aufwacht. Als miträtselnde Leserin wurde ich anfangs auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

Reden? Wozu? Hau drauf!

Ein paar kleinere Kritikpunkte fallen für mich nicht so sehr ins Gewicht. Es ist eine Jugenddystopie, da dürfen die Bösewichte auch mal klischeehaft sein. So nach dem Motto: Reden? Wozu? Besser Knarre ziehen und draufhauen! Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es im nächsten Band leider auch das übliche Love-Triangle… aber da lasse ich mich gerne noch eines Besseren belehren.

Zuguterletzt habe ich beim Worldbuilding den letzten Anstrich vermisst. Einiges wirkt hier widersprüchlich. Auf der einen Seite lange Schlangen vor dem Krankenhaus, die Erwähnung verdurstender Kinder, auf der anderen Seite ein fast normales Stadtbild. Bei all der Wassernot: Wie ist es möglich, dass soviele Autos fahren? In der Autoindustrie wird nicht unerheblich viel Wasser verwendet. Warum scheint es weder an Papier, noch Kleidung zu mangeln (ebenfalls hoher Wasserverbrauch in der Produktion)? Der dystopische Blick verrutscht an einigen Stellen, wird nicht konsequent genug gehalten.

Flüssig geschrieben, mit viel Einfühlungsvermögen für ihre Figur Zoë, hat mich Eva Siegmund trotzdem bis zum fiesen Cliffhanger am Ende recht unterhaltsam durch die Seiten geführt – auch wenn Zoë in diesem Auftaktband viel Zeit verbummelt und nur langsam zur Wahrheit vordringt.

Fazit: Schön geschriebene Jugenddystopie, mit einem aktuellen Aufhänger. Leider hält das Erzähltempo mit dem spannenden Thema nicht ganz mit. Und die Figuren könnten ein bisschen mehr auf Zack sein. Neugierig, wie es weitergeht, bin ich aber. Alleine schon wegen des gemeinen Cliffhangers.

 

WERBUNG

Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung

H.O.M.E. – Das Erwachen (Band 1) von Eva Siegmund
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2018
ISBN: 978-3570312308
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

2 Replies to “[Rezension] „H.O.M.E. – Das Erwachen“ (Band 1) von Eva Siegmund

  1. Guten Morgen =)

    vielen DAnk für diesen Eindruck! Ich habe das Buch schon hier liegen, bin aber noch nicht wirklich dazu gekommen, es in Angriff zu nehmen. Ständig kommt was dazwischen. Das ist mein erstes Buch der Autorin und ich bin gespannt, ob sie mich mit ihrer Dystopie begeistern kann.
    Klingt auf jeden Fall recht vielversprechend.

    LG
    Anja

    1. Wie das so ist, mit dem Stapel der Ungelesenen. Mich schauen hier auch ein paar Bücher gaaaaanz böse von der Seite an *liesmichendlich* *liesmich* ;-)))

      Ich bin total gespannt, wie dir das Buch gefällt. Ich hatte ja ein bisschen was zu meckern, obwohl ich es gegen Ende besser fand. Es lässt sich gut lesen, hab es innerhalb von 24 Stunden beendet. Ich halt die Augen offen nach deiner Rezi!

      Liebste Grüße,
      Alex

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere