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Diese Reihe ist in meinen Augen immer noch etwas unausgereift. Aber alles in allem geht es mit dem dritten Teil wieder deutlich bergauf. Was ich nicht verstehe ist allerdings, warum William Ritter DIESES Buch nicht im Anschluss an seinen Reihenauftakt „Jackaby“ veröffentlicht hat. In Teil drei, „Der leichenbleiche Mann“, greift er nämlich genau die Fragen auf, die der Leser nach dem ersten Band im Kopf hatte, die in „Die verschwundenen Knochen“ aber stur ignoriert worden sind.

Hat sich noch jemand außer mir gefragt, was es mit dem Geist von Jenny Cavanaugh auf sich hat? Wieso Jackaby das Übernatürliche wahrnehmen kann? Sonst aber niemand? Inwiefern der Redcap relevant war? Dieser dritte Teil gibt etliche Antworten.

Tote und Vermisste

Nach ihrem (öden!) Ausflug an den archäologischen Fundort Gad’s Valley, sind Jackaby und Abigail Rook wieder zurück in New Fiddleham, wo die Leichen mehrerer Wissenschaftler entdeckt werden. Ein Zusammenhang zu dem zehn Jahre zurückliegenden Mord an Jenny Cavanaugh wird deutlich. Jackaby und Abigail nehmen die Ermittlungen auf und geraten tiefer und tiefer in einen Strudel paranormaler Verschwörung hinein. Hinweise über Hinweise. Alle scheinen zu einem geheimnisvollen Stadtprojekt zu führen, das vor langer Zeit begonnen wurde.

Endlich mehr Jackaby

Jackaby lernt man in diesem Buch von einer anderen, ernsten Seite kennen. Man erfährt einiges über die Vergangenheit des Detektivs, was der launischen Figur gut tut und sie dem Leser näher bringt.

Jenny entwickelt sich zu einem wichtigen Teil der Geschichte. Auch ihre Vergangenheit wird klarer und damit einige Vorgänge in der Gegenwart. Hier wird ein Bogen gespannt, der entscheidend für das Gesamtbild ist. Unabhängig davon ist Jenny aber einfach eine wunderbare Figur. Als Geist hat sie ein paar interessante Fähigkeiten und ist sozusagen das Ass in Jackabys Ärmel.

Die Dynamik zwischen den Protagonisten ist soviel besser als in Teil zwei. Jackaby und Abigail tauschen sich wieder mehr aus, was im „Knochen“-Band zu kurz gekommen ist. Es wäre toll, wenn sie ihre Spuren noch öfter besprechen würden. Ist das nicht das Schöne an klassischen Ermittlungskrimis? Dieses ganze systematische Durchexezieren? Das fehlt leider zu großen Teilen, wodurch das Netz aus Indizien ab und zu etwas unübersichtlich wird.

Bergauf und bergab

Ritter erzählt ansonsten spannend, düster, leicht humorvoll und kreativ. Damit greift er auf die Stärken des ersten Bandes zurück. Was mich ab und zu irritiert, ist das Tempo. Manchmal passiert sehr viel auf einmal, dann wieder zu wenig. An einigen Stellen schweift der Autor unnötig ab. Und schließlich gibt es noch die Stellen, bei denen man deutlich spürt, dass er in Erklärungsnot ist und Informationen nachliefert, die er bisher schuldig geblieben ist. In den letzten Kapiteln bekommt man als Leser erschlagend viel Info-Dumping und neue, knapp umrissene Figuren um die Ohren gehauen. All das hätte man besser auf die einzelnen Bände verteilt. Schlussendlich fehlt mir immer noch das letzte Fitzelchen Gespür für Jackabys Welt. 

Das klingt nach viel Kritik. Ganz zufrieden bin ich tatsächlich nicht. Aber insgesamt laufen die Fäden ganz gut zusammen. Viel besser jedenfalls, als in dem meiner Meinung nach komplett überflüssigen zweiten Teil.

Fazit: Nach einem enttäuschenden zweiten Band habe ich die Geschichte argwöhnisch begonnen zu lesen und hoffnungsvoll beendet. Ich habe viele Erklärungen bekommen und eine ungefähre Vorstellung von der Richtung der Reihe. Leider verschwindet der Blick für’s Wesentliche immer mal wieder hinter (zu vielen oder zu sparsamen) Erläuterungen, unnötigen Nebenhandlungen oder sich überschlagender Action. Band vier – ich bin gespannt auf dich!

 

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„JACKABY – Der leichenbleiche Mann“ von William Ritter
Original: „JACKABY #3 – Ghostly Echoes“
Übersetzung: Dagmar Schmitz
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2018
ISBN: 978-3570311813
Altersempfehlung: ab 13 Jahren

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