Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler, Kinderbuch
Copyright: Thienemann Verlag

Wie alles begann

Otfried Preußler hat uns Leser mit vielen wunderbaren Geschichten begeistert und viele wichtige Preise dafür erhalten. Einige seiner Bücher gelten längst als Klassiker der Kinder- und Jugendbuchliteratur und haben einen Kultstatus erlangt. Wie der Räuber Hotzenplotz, der seit 1962 die Kinderzimmer unsicher macht. Obgleich es immer Berührungspunkte mit Otfried Preußlers Geschichten gab, wilderte der Räuber Hotzenplotz bis vor Kurzem noch nicht in unserem Bücherregal. Doch dann zog „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ bei uns ein und wir bekamen viele unterschiedliche Reaktionen auf unsere Buchbesprechung. Nicht alle waren positiv. Neben einigen zustimmenden Kommentaren gab es auch etwas kritischere Stimmen, die beteuerten, dass die älteren Geschichten vom Räuber Hotzenplotz viel besser seien. Für mich waren diese Reaktionen sehr spannend, weil ich bisher ja nur den „neuen“ Hotzenplotz kannte. Ein Grund mehr, um in den Buchladen zu gehen und die älteren Geschichten auszugraben, die allein die Handschrift von Otfried Preußler tragen.

Räuber Hotzenplotz im Wandel der Zeit

Im Geschäft gab es zwei verschiedene Ausgaben von „Der Räuber Hotzenplotz“ – die ursprüngliche Ausgabe mit Illustrationen von F. J. Tripp, die in Schwarz-Weiß gestaltet wurden, und eine neuere Auflage, bei der man die Bilder passend und stimmig nachkoloriert hat. Ich griff zur farbigen Auflage und begab mich kurzerhand in den Garten zum Lesen. Bevor ich mit den ersten Seiten begann, kam mir die Frage in den Sinn, ob die Geschichte „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ von Otfried Preußler überhaupt den Hauch einer Chance gegen diesen klassischen Vorgänger hat, weil dieser viele Leser ein Leben lang begleitet hat und er deren vergangene Kindheit und ein Stück weit heile Welt symbolisiert. Vermutlich nicht. Aber nun konnte ich mir bald selbst ein Bild davon machen.

Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler, Kinderbuch
Copyright: Thienemann Verlag

Trotz vieler Gemeinsamkeiten so verschieden

Eigentlich möchte ich diese beiden Titel gar nicht miteinander vergleichen, weil sie trotz vieler Gemeinsamkeiten so verschieden sind. Angefangen beim Autor. Jetzt werden sich einige fragen, warum ich beim Autor anfange. Schließlich steht auf beiden Büchern der Autorenname Otfried Preußler. Das stimmt. Beide Geschichten entsprangen Otfried Preußlers Fantasie, jedoch hat er „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ als Theaterstück verfasst und seine Tochter Susanne Preußler-Bitsch hat dieses Stück nun in ein Kinderbuch umgewandelt.

Zwei Autoren, zwei Handschriften

Obgleich beide Bücher die bekannten literarischen Figuren beherbergen, nimmt man beim Lesen durchaus die verschiedenen Handschriften wahr. Im Vergleich habe ich feststellen können, dass „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ eine jüngere Leserschaft anspricht. Die Handlung ist nicht sehr komplex und sprachlich einfach gehalten und viele Seiten sind großzügig koloriert. Der Räuber Hotzenplotz kommt in dieser Geschichte etwas harmlos rüber.

In „Der Räuber Hotzenplotz“ gibt es von allem etwas mehr: Mehr Handlung mit spannenden und interessanten Ereignissen, mehr literarische Figuren, mehr Magie und Humor. Ich möchte behaupten, dass ich erst mit dem Lesen des alten Werkes von Otfried Preußler den Räuber Hotzenplotz wirklich habe kennenlernen dürfen. Denn in der neueren Version war ich etwas enttäuscht von dem so berüchtigten Räuber. Er wirkte so ideenlos, fast etwas dumm. In der klassischen Geschichte ist er so, wie man sich einen Räuber vorstellt: wild, gefährlich und unberechenbar. Alles scheint ein wenig runder und exakter, wie auch die Sprache.

Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler, Kinderbuch
Copyright: Thienemann Verlag

Die Illustrationen beider Bücher sind überaus gelungen. Die unverkennbaren Zeichnungen von F. J. Tripp sind unerreicht und passen mit ihrem urigen und robusten Stil so wunderbar zu den Erzählungen Otfried Preußlers. Die Zeichnungen von Thorsten Saleina aus „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ wirken ein bisschen runder, gradliniger und moderner.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Manche Geschichten, wie die von Otfried Preußler, sind, obgleich sie viele alte Begrifflichkeiten enthalten, zeitlos und erlangen zurrecht Kultstatus. Schwierig wird es dann, wenn man diesen Geschichten einen neuen Anstrich verleihen möchte und damit meine ich nicht die Kollorationen. Aus diesem Grund sollte man Bücher wie „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ als eigenständiges Buch oder als eine kleine, moderne Begegnung mit den geliebten Helden aus der Welt vom berühmt berüchtigten Räuber Hotzenplotz ansehen.

 

WERBUNG
Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung

Der Räuber Hotzenplotz

Gebundene Ausgabe: 120 Seiten

Verlag: Thienemann Verlag

Erscheinungsdatum: 19. Juli 2012

ISBN-13: 978-3522183192

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 – 8 Jahre

 

Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten

Verlag: Thienemann Verlag

Erscheinungstermin: 25. Mai 2018

ISBN-13: 978-3522185103

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 – 8 Jahre

 

Wenn euch das Thema gefallen hat, findet ihr weitere Artikel bei folgenden Bloggern:

Bianca von www.bibiotta.de

 

3 Replies to “Der Räuber Hotzenplotz im Wandel der Zeit

  1. Das find ich ja mal klasse, dass du dir extra noch den Original Hotzenplotz geschnappt hast – deine Vergleiche bzw. Erläuterungen sind perfekt getroffen.
    Ein wirklich toller Beitrag 😉

    LG Bibilotta

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