Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete von Otfried Preußler
Copyright: Thienemann Esslinger

Ist es besser, wenn man unvoreingenommen an Bücher herangeht?

Ich bin fest davon überzeugt, dass die eine oder andere Geschichte sehr davon profitiert. Besonders Kinderbücher erleben wir Erwachsenen ja oft anders, als die eigentliche Zielgruppe. Hinzu kommt, dass die Geschichten, die die eigene Kindheit bereichert haben, oft mit den moderneren verglichen werden. Doch haben Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ von Otfried Preußler überhaupt den Hauch einer Chance gegen die klassischen Vorgänger, die viele Leser ein Leben lang begleiten, weil sie die vergangene Kindheit und ein Stück weit heile Welt symbolisieren? Vermutlich nicht…

Man nehme ein Theaterstück eines bekannten Autors und wandle es in ein Vorlesebuch für Kinder um …

Was dabei herauskommt, darf man unter anderem in „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ von Otfried Preußler nachlesen. Dieses Kinderbuch hat, bezüglich der ersten Reaktionen, bereits einiges einstecken müssen. Oftmals wurde diese Geschichte – wie zu erwarten war – mit seinen Vorgängern verglichen. Wir durften jedoch ganz unvoreingenommen herangehen, denn weder mein Sohn noch ich haben jemals eine Geschichte von Räuber Hotzenplotz gelesen. Deswegen fieberten wir dem Ausbruch des Räubers entgegen.

Der berüchtigte Räuber Hotzenplotz ist aus dem Gefängnis ausgebrochen

Und da setzt die Handlung an. Wachtmeister Dimpfelmoser läuft aufgeregt umher, um den Geflohenen zu fassen. Tatkräftige Unterstützung bekommt er dabei von Seppel und Kasperl, denn diese beiden Burschen sind sehr kreativ und es scheint fast so, als würden sie sich nicht zum ersten Mal furchtlos gegen einen Räuber stellen, um ihm das Handwerk zu legen. Kurzerhand entwickeln sie einen Plan, um Hotzenplotz erneut hinter Schloss und Riegel zu befördern.

Ob und wie es Kasperl und Seppel mit einer List gelingen wird, den Räuber zu fassen, erfahren wir Leser auf den insgesamt 60 Seiten, die sich bestens zum Vorlesen, aber auch für die noch nicht allzu geübten Leser eignen. Für uns hatte diese Geschichte genau die richtige Mischung aus wortwitzigem Text und schwungvollen Illustrationen. Auch die Botschaften, die zwischen den Zeilen mitschwingen, sind klar: Das Gute siegt am Ende über das Böse. Nicht zuletzt, weil die Guten einfach schlauer und mutiger sind.

Mein 3-jähriger Sohn lauschte mit großer Neugierde, als ich ihm von dem berühmt berüchtigten Räuber vorlas, und hatte wirklich seinen Spaß daran. Eines ist mir beim Lesen jedoch etwas negativ aufgefallen. Schließlich hat ja jeder eine gewisse Vorstellung, was ein Räuber für sein Handwerk mitbringen muss. Da reicht es eben nicht aus, sich nur mit einer Pfefferpistole zu bewaffnen. Im Vorfeld hatte ich mir erhofft, dass Hotzenplotz etwas trickreicher und listiger wäre. Denn irgendwie kam mir der Prozess „Gut besiegt Böse“ viel zu einfach abgehandelt vor. Trotzdem hatte auch ich Spaß an diesem Kennenlernen.

Hat dieses Buch den Anspruch, die klassischen Geschichten fortzusetzen?

Vielleicht sollte man es doch lieber als eine eigenständige und etwas modernere Geschichte ansehen, die man gut zum Anlass nehmen kann, um die alten Geschichten des Räuber Hotzenplotz wieder hervor zu kramen. Oder wie wir – sie völlig neu zu entdecken.

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Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete von Otfried Preußler

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten

Verlag: Thienemann Verlag

Erscheinungstermin: 25. Mai 2018

ISBN-13: 978-3522185103

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 – 8 Jahre

4 Replies to “[Rezension] „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ von Otfried Preußler

  1. Liebe Katrin,
    in dem Fall ist es auf jeden Fall besser, wenn man die eigentlichen Hotzenplotz-Bände nicht kennt oder keine Verbindung zu ihnen und diesem Buch herstellt. Ich denke auch, dass die Altersempfehlung erheblich nach unten korrigiert werden sollte. Dann ist der Band ein toller Einstieg für alle zukünftigen Hotzenplotz-Fans.
    Viele Grüße
    Anna

  2. Dieses Buch schrieb nicht Otfried Preußler, sondern seine Tochter (und zugleich Nachlassverwalterin). Der Verlag sollte dies offen kommunizieren und den Namen der Urheberin auf den Umschlag schreiben, anstatt sie diskret im Impressum zu verstecken. Alles andere ist eine Irreführung des Kunden – offenbar aus Profitgründen eine durchaus beabsichtigte, so jedenfalls wirkt es.

    1. Hallo Salah,
      danke für deinen Kommentar. Vielleicht solltest du dich mit diesem Kritikpunkt einmal persönlich an den Verlag wenden? Denn nur der Verlag kann daran etwas ändern.

      Die Geschichte war ursprünglich ein Theaterstück aus Preußlers Feder, also stammt nicht alles von seiner Tochter. Natürlich hätte man es erwähnen. Ich denke aber, dass sich die Geschichte trotzdem gut verkauft hätte.

      Viele Grüße

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