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1577. Die Hexen-Verfolgung ist in vollem Gange. Nachdem ihre Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden ist, schlägt sich die 14jährige Alyce alleine nach London durch. Entschlossen, einen versiegelten Brief zu übermitteln. Der letzte Wunsch ihrer Mutter und ihre einzige Hoffnung auf Hilfe. Wie dringend sie Beistand wirklich benötigt, ahnt Alyce jedoch nicht: Wie könnte sie auch von der Intrige wissen, die Maria Stuart gegen Elisabeth I. spinnt. Und auch die zwei üblen Gestalten, die ihr dicht auf den Fersen sind, bemerkt sie zunächst nicht.

Nicholas Bowling erzählt eine magische Mysterygeschichte für junge Leser mit ein paar realistischen Elementen. Zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. gab es tatsächlich einen langen Machtkampf und auch die Hexenverfolgung war im 16. Jahrhundert noch ein Thema, obwohl ihr Zenit in Wirklichkeit schon eine Weile überschritten war.

Lesen, rätseln, warten

Was die Magie betrifft… sie steht bei Bowling nicht unbedingt im Vordergrund. Auch eine Liebesgeschichte gibt es nicht, allenfalls eine kleine Verliebtheit. In erster Linie geht es um ein Geheimnis, das gelüftet werden will. Der Leser erlebt das Geschehen aus der Perspektive eines personalen (Er-/Sie-)Erzählers. In den meisten Kapiteln befindet man sich an der Seite der jungen Alyce und ihres Freundes Solomon, ab und zu nimmt man die Sichtweise der Verfolger ein.

Zweidrittel des Buches war ich wirklich angetan. Alyce gerät in einige gefährliche Situationen, findet Verbündete, sucht den Adressaten des Siegelbriefes und entdeckt eine besondere übernatürliche Begabung. Alles ist sehr düster und undurchsichtig, aber auch fesselnd. Der Autor hat ein Händchen für atmosphärische Spannung. Ich mochte seinen Schreibstil und habe es genossen, mitzurätseln.

Weiter warten

Als ich nach mehr als 200 Seiten jedoch immer noch keine konkrete Ahnung hatte, warum Alyce verfolgt wird, wie genau die Sache mit der Magie funktioniert und was es mit der Verschwörung auf sich hat, wurde ich langsam aber sicher ungeduldig. Die Protagonisten wirkten verhältnismäßig planlos und denken kurz vor Schluss ernsthaft darüber nach, London mit einer Schauspielgruppe zu verlassen, statt weiter nachzuforschen. Das Gefühl ziellos mit den Figuren durch die Geschichte zu treiben stellte sich bei mir ein. Und damit leider der Lesefrust.

Hinzu kam, dass einige Vorgänge so schnell abgehandelt wurden, dass ich regelrecht verwirrt war und manches tatsächlich völlig falsch gedeutet habe, wie ich im Nachhinein feststellen musste. Das betraf keineswegs nur Kleinigkeiten, sondern durchaus elementare Entwicklungen. Wurde das Buch für die Zielgruppe gekürzt? Konnte sich der Autor nicht klar ausdrücken? Ist es ein beabsichtigtes Stilmittel, um eine Aura des Mysteriösen aufrecht zu erhalten? Ich weiß es nicht.

Hexen hexen… spät

Die Auflösung quetscht Bowling dann vollständig in die letzten Kapitel, in denen extrem viel, extrem plötzlich passiert. Nachdem es lange so gut wie kein Vorwärtskommen gab, war das ein bisschen viel des Guten. Schade!

Fazit: Magische Fantasy, der noch der letzte Schliff fehlt. Die Geschichte beginnt spannend und kann die Spannung auch eine Weile halten. Aus meiner Sicht hätte aber schon früher mehr kommen müssen. Die Figuren decken zu wenige Geheimnisse auf, sie führen den Leser nicht nah genug an die Hintergründe heran. Dadurch wirkt das Buch im letzten Drittel seltsam richtungslos und mein Interesse ebbte analog ab. Soviel ich weiß, ist „Witchborn“ ein Einzelband. Für mich ist die Geschichte auch abgeschlossen. Nicht wenige Frage bleiben aber offen, eine Fortsetzung wäre also denkbar. Würde ich einen zweiten Teil lesen? Ich denke schon. Es ist ein Debüt und man merkt dem Autor sein Potenzial deutlich an. Ausgeschöpft hat er es in „Witchborn“ noch nicht.

 

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Witchborn – Königin der Düsternis Gebundene von Nicholas Bowling
Originaltitel: Witchborn
Übersetzung: Eva Riekert
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: Chicken House
Erscheinungsdatum: 31. Mai 2018
ISBN: 978-3551521057
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

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