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Bevor ich meine Gedanken zu Simon Masons „Hey, Sherlock“ sammelte, musste ich erst einmal fix die Suchmaschine bemühen und nachschauen, wann genau ich den ersten Teil dieser britischen Jugendkrimi-Reihe rezensiert hatte: Mein Beitrag zu „Running Girl“ („Zu schön, um tot zu sein“) ist nämlich insofern etwas Besonderes, als dass er mein allererster Post überhaupt für „Kathrineverdeen“ war. Er erschien exakt am 14. Mai 2016 und damit sage und schreibe vor fast genau vier Jahren. Ich kann’s kaum glauben. So lange bin ich schon dabei.

Ups and downs

„Hey, Sherlock“ ist der dritte Teil der Garvie-Smith-Serie. Und mir fällt auf, dass ich den zweiten Band hier auf dem Blog gar nicht besprochen habe. Vermutlich, weil er ziemlich klar in die Kategorie „Flops“ fällt. Die Geschichte war wirr und die Charaktere verhielten sich übertrieben bis komplett irrational. Eine Riesenenttäuschung nach dem tollen ersten Band.

Glücklicherweise ist der neue Fall deutlich besser und strukturierter als sein Vorgänger. Das freut mich, denn die Reihe ist unter den Jugendkrimis etwas Besonderes: Ein bisschen kantig, rauh, unkonventionell. Sie stellt Außenseiter in den Mittelpunkt und bringt Themen wie Drogenmissbrauch, Mobbing, Vernachlässigung etc. auf den Tisch. Die Protagonisten sind keine Sympathieträger, aber geradeheraus; Typen, die quatschen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Mir gefällt das.

Hey, Sherlock … Bitte kein Hormonchaos

Garvie hat die Schule inzwischen abgebrochen und verdient sich gemeinsam mit seinem Freund Smudge Geld mit dem Bau von Zäunen. Wirklich geeignet ist Garvie für die Arbeit nicht. Sein wahres Talent ist die Mathematik. Und das Lösen rätselhafter Fälle. Wie das so ist in Garvies Leben muss er nicht lange auf eine neue Herausforderung warten. Arzttochter Amy Roecastle ist verschwunden. Inspector Singh ermittelt und Garvie greift ihm wie üblich auf zweifelhafte Weise unter die Arme. Welche Wendung der Fall dann aber nimmt, damit hätte keiner von beiden gerechnet.

Es ist nicht so, dass mir das Buch bis ins kleinste Detail gefallen hätte. Vor allem die Lovestory, die Mason konstruiert fand ich nicht überzeugend. Schon im zweiten Band hatte er den einzelgängerischen, verbissenen Garvie in eine höchst seltsame Liebesgeschichte verstrickt. Ich habe den Eindruck, dass Garvie sich immer sehr dramatisch in mega gut aussehende Mädchen verliebt. Das kommt einfach zu oberflächlich und unnatürlich rüber.

Mehr Feinheiten für garvie

Davon abgesehen rollt Mason den Fall solide auf. Vor allem die erste Hälfte ist durchweg dicht und spannend. Eine weitestgehend schlüssige Auflösung versöhnte mich mit kleinen logischen Patzern während der zweiten Halbzeit.

Schön auch, dass die Figurenzeichnung feiner ausfällt. Zwar teilen die Protagonisten ihre Gedanken immer noch zu selten mit dem Leser, doch der oft bis zur Nervigkeit coole Garvie wirkt in diesem Teil stellenweise wenigstens etwas nachdenklicher, verantwortungsvoller. Und die Beziehung zwischen ihm und Singh entwickelt sich in eine interessante Richtung. Da darf gerne noch mehr kommen!

Fazit: Die „Garvie Smith“-Reihe ist sicher nicht jedermanns Sache, punktet aber mit coolen, eigenwilligen Typen und unbequemen Themen. Die Serie vermittelt Verständnis für Menschen, die anders sind oder am Rande der Gesellschaft leben, indem sie Zusammenhänge aufzeigt und wertfrei bleibt. Last but not least ist der neue Fall wieder deutlich spannender und dichter als Band zwei. Ich bin gespannt, ob noch mehr Garvie-Bücher erscheinen. Das Ende klingt ein wenig nach Abschied. Vielleicht geht es aber auch weiter mit Garvie und Inspector Singh… ich würde mich freuen.

 

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Hey, Sherlock! (Garvie Smith, Band 3) von Simon Mason
Original: Hey, Sherlock!
Übersetzung: Karsten Singelmann
Hardcover: 400 Seiten
Verlag: Rowohlt
Veröffentlicht: 10. März 2020
ISBN: 978-3499001314
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

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