"Elanus" von Ursula Poznanski, Jugendbuch
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Wenn ich beim Stöbern in den Neuerscheinungen den Namen
Ursula Poznanski entdecke, macht mein Herz jedes Mal einen kleinen Hüpfer. Seit
„Erebos“ gehört die Österreicherin für mich zu den wenigen Autoren/Autorinnen,
deren Jugendbuchveröffentlichungen ich blind kaufe, weil ich bislang noch nie
enttäuscht wurde. Zwar belegt „Erebos“ unangefochten den Thron meiner Poznanski
– Sammlung, aber in allen Büchern der Schriftstellerin stoße ich auf dieselben
Stärken: ein plastischer Schreibstil, ungewöhnliche Themen, gute Recherche und
das augenfällige Bemühen, intelligente Charaktere und unaufspürbare Auflösungen
zu schaffen.

In ihrem neuen Jugendroman „Elanus“ sind all diese
Markenzeichen wieder vorhanden. Ursula Poznanski widmet sich diesmal dem Thema
„Drohnen“ und hat hierzu einen ausgetüftelten Kriminalfall konstruiert. Mit
ihrem Protagonisten Jona stellte die Autorin mich allerdings vor eine kleine
Herausforderung.

Jona ist 16 Jahre alt, ein Mathegenie und das, was man als
sozial unterbelichtet bezeichnen könnte. So stößt Jona gleich an seinem ersten
Tag an einer noblen Eliteuniversität nicht nur seine Gasteltern vor den Kopf,
sondern verscherzt es sich mit Kommilitonen und einem Dozenten. Jonas
prahlerische Art kommt nicht gut an. Aber Einsicht ist nicht seine Stärke. Als
ihm auch die hübsche Linda eine deutliche Abfuhr erteilt, ist Jona so wütend,
dass er Linda nachts mit der selbst gebauten Drohne „Elanus“ hinterher
spioniert. Unerwartet bietet sich ihm die Gelegenheit, sich an der Studentin zu
rächen: Jona druckt Aufnahmen, die Linda in der Wohnung eines Liebhabers
zeigen, aus und steckt diese heimlich einigen Studierenden zu – zusammen mit
der Nachricht „Ich kenne dein Geheimnis“. Was nun folgt, hat Jona sich selbst
zuzuschreiben: Denn jemand findet diese Nachricht nicht nur extrem unwitzig,
sondern fühlt sich offenbar bedroht. Plötzlich gibt es einen Toten und Jona
fürchtet um sein Leben. Zum ersten Mal ist er auf Hilfe angewiesen und
überlegt, sich der eigenwilligen Marlene und Nachbar Pascal anzuvertrauen.

Ursula Poznanski schickt eine Hauptfigur ins Rennen, die
anfangs wenig sympathisch ist und es auch nicht sein soll. Eine Figur, die es
gewohnt ist, die Dinge mit sich selbst auszumachen und in ihrem jugendlichen
Überlegenheitswahn davon überzeugt ist, es besser zu machen als alle anderen,
in Wirklichkeit aber eine Eselei nach der anderen begeht.

Es hat lange gedauert, bis ich mit Jona, der nach und nach
eine Entwicklung zu mehr Aufgeschlossenheit durchmacht, warm geworden bin.
Poznanski wäre nicht Poznanski, wenn sie die Anlage ihrer Figur allzu schnell
aufgeben würde. Jonas eigenbrötlerisches Verhalten entspricht dessen
Persönlichkeit und die behält seine Erschafferin größtenteils bei.     
Das hatte Vor- und Nachteile. Einerseits
habe ich die durchgehend systematischen Überlegungen des intelligenten Jona
sehr genossen. Nach anfänglichen Dummheiten geht Jona im weiteren Verlauf
seinem jeweiligen Wissensstand entsprechend angemessen und methodisch vor. Das
Problem war wohl eher der Wissensstand. Da Jona zufällig und völlig ahnungslos
in einem Wespennest größeren Ausmaßes herumstochert, dauert es lange, bis er
alle Puzzleteile zusammen hat und die richtigen Schlüsse zieht. Weil ich mich
als Leserin ein wenig einsam innerhalb der Einblicke von „Elanus“ bewegt habe,
die Jona Tag für Tag ausschickt, um den Grund für die sich häufenden,
beängstigenden Vorgänge um ihn herum herauszufinden, hatte ich nicht nur einmal
das Gefühl, gemeinsam mit Jona auf der Stelle zu treten und nicht recht zu
wissen, was das eigentlich genau für eine Stelle ist.

Der Leseflow hat mich leider etwas verspätet gepackt, und
obwohl ich das Buch gerne gelesen habe, hat mich die Geschichte so richtig erst
gegen Ende mitgezogen, als die Zusammenhänge klarer werden, Jona sich dem
chaotischen Pascal und der pfiffigen Marlene anvertraut und dazu übergeht zu
handeln, statt zu beobachten. Hier schöpft Ursula Poznanski auch noch einmal
alle Möglichkeiten aus, die das Thema „Drohne“ bietet, und schafft
Spannungsspitzen, die sie meiner Meinung nach früher und ausgiebiger hätte
ausschlachten können.

Im finalen Finale laufen – wie nicht anders zu erwarten –
alle Fäden zusammen, mit der einen oder anderen kleinen Ungereimtheit und Überstürztheit,
insgesamt jedoch so stimmig, dass ich das Buch befriedigt zuklappen konnte.

Schlussendlich kann ich „Elanus“ als weiteren gelungenen
Jugendkrimi aus der Feder von Ursula Poznanski empfehlen. Ob Euch die
Geschichte so richtig packen kann, hängt aber wohl davon ab, wie gut Ihr Euch
mit einem ziemlich gewieften aber sehr eigensinnigen Protagonisten anfreunden
könnt!

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Elanus von Ursula Poznanski 
Broschiert: 416 Seiten 
Verlag: Loewe 
Erscheinungsdatum: 22. August 2016 
ISBN: 978-3785582312 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

4 Replies to “[Rezension] „Elanus“ von Ursula Poznanski

  1. Hallöchen!

    Vielen Dank für die Rezension. Ich habe "Erebos" und "Saeculum" damals förmlich verschlungen und war begeistert. Seitdem habe ich U. Poznanski allerdings nicht weiter verfolgt (außer "Fremd"!)… Vielleicht schaue ich mir "Elanus" auch einmal an, obwohl ich mich langsam zu alt (naja… 20) für Jugendbücher fühle 😀

    Ganz liebe Grüße
    – Peter von PetersBuecherkiste

  2. Huhu,
    auf dieses Buch freue ich mich auch schon! Mir haben nicht nur die Jugendthriller gefallen, die für Erwachsene fand ich sogar noch einen Ticken besser. Aber da scheint es momentan gar nichts zu geben…
    Liebe Grüße
    Jasmin

  3. Habe mit Elanus heute auch aus der Buchhandlung mitgenommen und freu mich schon auf's Lesen.
    Bin ebenso ein großer Ursula Poznanski Fan, mein absoluter Favorit ist Saeculum, aber auch ihre Krimis finde ich sehr spannend und lesenswert.
    LG Judith

  4. @Peter: Wenn du mit Jugendbüchern abgeschlossen hast, dann empfehle ich dir "Fünf" von Ursula Poznanski aus der Kaspary-Reihe. Blutig, aber sehr gut!
    @Jasmin: Von Beatrice Kaspary und Wenniger scheint es tatsächlich erstmal nichts Neues zu geben, im September erscheint allerdings eine weitere Gemeinschaftsarbeit von UP mit Arno Strobel: "Anonym" – bin schon sehr gespannt. Denn die Erwachsenenbücher von Poznanski lese ich auch gerne. 🙂
    @Judith: Ich bin gespannt, wie Dir "Elanus" gefällt – wie gesagt, für mich hatte es Stärken und Schwächen, auf jeden Fall aber einen interessanten Protagonisten.

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