"Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsmann, Roman
Copyright: Bastei Lübbe

„Wohlfühllektüre“, „Frauenroman“, „Sommerschmöker“… Ihr
kennt diese Bezeichnungen, die alles und nichts sagen, die ganz gut die
Richtung angeben, aber eine ernorme Spannweite haben und damit einfach zu viele
unterschiedliche Bücher in einer einzigen Schublade versenken. Obwohl ich diese
Worte selbst sicher auch schon gewählt habe, mag ich sie eigentlich nicht
besonders. Vielleicht geht es Euch ähnlich. Irgendwie verbindet man damit auch
anspruchslos, seicht und kitschig und deshalb schrecke ich vor sogenannten
Wohlfühlbüchern immer etwas zurück.

Diesmal hat es aber doch ein (grrrr!) Sommerschmöker in mein
Urlaubsgepäck geschafft. „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ von Petra
Hülsmann geistert ja schon seit Langem durch die Internetplattformen bis hoch
in die Spiegel-Bestsellerliste und wird mit Lob überschüttet. Es ist übrigens
der erste deutsche Frauenroman (ups!), der seit Kerstin Gier in meinem
virtuellen Bücherschrank gelandet ist. Kerstin Gier hat in puncto Humor und Erfindungsreichtum
schlicht Maßstäbe in dem Genre gesetzt, an die nur schwer heranzukommen ist. Petra Hülsmann werde ich allerdings im Auge
behalten. Ihr und mein Humor schwingen auf derselben Frequenz. Noch dazu
erzählt die Autorin eine wirklich zauberhafte Geschichte, die mir trotz einiger
Klischees einen Urlaub im Urlaub verschafft hat.
In „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ geht es um Isabelle,
die als Floristin in Hamburg arbeitet und sehr heikel mit ihren Gewohnheiten
ist. Jede Abweichung ist vor allem eines: schlecht! Und so betritt Isa mit
einem ganz miesen Gefühl das neue Restaurant, das gegenüber dem kleinen
Blumenladen, in dem sie arbeitet, ihren heiß geliebten Vietnamesen samt seiner Nudelsuppe
vertrieben hat! Mangoldpesto? Schokoladenmalheur? Diesen hippen Unsinn kann Isa
ungegessen für sich ausschließen und versucht stattdessen Koch Jens sehr
energisch davon zu überzeugen, Nudelsuppe auf die Speisekarte zu setzen. Da ist
sie bei dem unwirschen Jens gleich an der richtigen Stelle! Denn der schaltet
auf stur und so kommt es, wie es kommen muss: Vor Isa steht alsbald eine große
Portion Mangoldpesto!    
Mit Jens beginnt
eine Spirale von Veränderungen in Isas Leben, die weit über Pesto hinausgehen.
Da ist Jens’ schwierige Tochter Merle, die sich an Isas Fersen heftet, der
verrockte Knut, der plötzlich Liebestipps von Isa haben möchte, Chefin
Brigitte, die seit Neuestem seltsam bedrückt wirkt und natürlich Jens selbst,
der Isa mit seinem rauen Charme mehr beschäftigt, als sie sich selbst
eingestehen möchte.
Also gut, okay, ich gebe es zu … es ist (!) ein
Wohlfühlbuch. Ich habe mich immer wie eine Schneekönigin gefreut, wenn auf
unserem Campingplatz mal wieder zufällig die Hängematte frei war (was selten
genug der Fall war), ich mich verkrümeln und in die Geschichte abtauchen
konnte. Dann bin ich unter blauem Himmel hin- und hergeschaukelt, habe vor mich
hingekichert und geseufzt, wenn im Buch wieder einmal lecker und
außergewöhnlich gekocht wurde (denn was ist der Klassiker der Campingküche?
Schnödes Mirakuli!).    

Gefreut habe ich mich besonders über die vielen kleinen Ideen, die Petra Hülsmann unterbringt. Im
Roman schaut Isa beispielsweise gerne von einem versteckten Platz nahe der
Startbahn Flugzeugen nach, erfindet Fantasieziele und Flugnummern. Außerdem hat
sie ein Glücksmomenteglas. Immer, wenn sie etwas Schönes erlebt, schreibt sie
es auf und wirft den Zettel dort hinein. Eine tolle Erinnerung an schöne Zeiten,
vor allem wenn das Leben mal wieder ein Schweinehund ist.

Ich finde es furchtbar zu behaupten, ein Buch hätte keinen
Anspruch: Der Anspruch dieses Buches ist es, aus einem Haufen Gestalten mit
Marotten eine Liebes- und Lebensgeschichte zu erzählen, die einerseits leicht,
andererseits aber nicht allzu seicht ist. Das ist Petra Hülsmann gelungen. Die
Idee, eine Lovestory mit gutem Essen zu füllen, ist vielleicht nicht überragend
neu (man denke an „Bella Martha“ und „Zusammen ist man weniger allein“), die
Charaktere sind genretypisch auf ihre hervorstechenden Eigenschaften zusammengeschrumpft
und das Ende mag etwas uninspiriert sein, aber hey… was bleibt, ist eine
Geschichte fast ohne Kitsch und Knutscherei. Stattdessen mit viel gutem Essen, witzigen
Dialogen, lauen Sommernächten und Träumereien von der großen, weiten Welt.
P.S.: Jetzt habe ich es doch nicht geschafft, ein paar ungeliebte
Vokabeln zu vermeiden, euch aber hoffentlich trotzdem Lust auf ein schönes
Frauenbuch gemacht!

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Glück ist, wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsmann 
Taschenbuch: 416 Seiten 
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2016 
ISBN: 978-3404173648 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

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