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Es heißt Abschied nehmen: Der vierte ist der letzte Band der Mangareihe „Chiisakobee – Die kleine Nachbarschaft“ und sie endet, wie sie begonnen hat – leise und elegant. Eine Reise geht zuende. Das spürt man schon mit den ersten Bildern. Shigeji und Ritsu zeigen sich ungewohnt nachdenklich. Sie wirken einander zugewandt, in Gesten und Gedanken. Keine geballten Fäuste, kein stures Ausweichen.

Diese zarten Nuancen setzen sich fort. Zum allerersten Mal schleicht sich ein Lächeln in Ritsus Gesicht, Shigeji blinzelt hinter seinem Vorhang aus Haaren hervor. Die Störungen von außen sind längst nicht mehr so drastisch, wie zu Beginn. Beruflich hat sich die Situation für Shigeji entspannt. Und auch die aufsässigen Waisenkinder sind innerlich mehr bei sich.

Manga mit Stil und tollem Storytelling

Nachdem im dritten Teil eine Art emotionaler Knoten geplatzt ist, widmet sich dieser letzte Band ganz der Beziehung zwischen Shigeji und Ritsu. Wie diese endet, nimmt das Cover augenscheinlich vorweg. Dennoch ist es faszinierend, sich von den Bildern das letzte Stück des Weges tragen zu lassen. Es ist nach wie vor erstaunlich, wie kraftvoll und doch schlicht Zeichner Minetaro Mochizuki Gefühle transportiert. Er zoomt heran und wieder weg, inszeniert Details und Körperhaltungen, legt sein Augenmerk auf beiläufige Momente, die der Geschichte und den Personen Lebendigkeit einhauchen. Es fesselt, diese Bilder zu betrachten. Sie führen mit einem Minimum an Text und einfachen, klaren Strichen ausdrucksstark durch die Handlung.

Rückschau ohne reue

Der Abschluss einer Reihe, das letzte Mosaikstück, bietet immer die Möglichkeit, ein Werk in seiner Gesamtheit zu beurteilen: Und da zeigt sich wenig Kritik. Persönlich finde ich, hätte man einen Band einsparen können. Die ruhige Erzählweise macht diese Reihe so einzigartig, doch kleine Kürzungen hätten der Qualität nichts anhaben können. Bisweilen hat man den Eindruck, dass die Handlungsfäden sich zu schwach entwickeln.

Kritisiert hatte ich in einer früheren Rezension das Frauenbild: Und ja, ich bin kein Fan von dem Klischee, dass wir Frauen vom männlichen Geschlecht gerettet werden müssen. Dieses Eindrucks kann man sich hier leider nicht ganz erwehren. Ob es nun an der Roman-Vorlage aus den 1950er Jahren liegt, oder an überholten Rollenbildern, die sowohl in unseren Köpfen, als auch in der Realität weiterhin – und nicht nur in Japan – zu finden sind.

Abgesehen davon ist Chiisakobee ein angenehm reifer, bodenständiger Manga mit starken und sensiblen Charakteren und einer authentischen Entwicklung, ohne künstliches Drama oder vor Kitsch triefender Romantik, vor allem aber ein großer visueller Genuss.

 

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Chiisakobee 4 – Die kleine Nachbarschaft von Minetaro Mochizuki
Taschenbuch: 244 Seiten
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2018
ISBN: 978-3551720986
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

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