Wenn ich den Name Kai Meyer höre, denke ich sofort an
geniale und fantastische Geschichten. An grandiose Kulissen, die er mit so
einer Wortgewalt beschreibt, dass der Leser förmlich mit ihr verschmilzt. Ich
denke an Charaktere, die ungewöhnlich sind, die auch Ecken und Kanten haben und
doch das Herz der Leser im Sturm erobern. Umso schöner war es für mich, sein
neues Werk „Asche und Phönix“ in den Händen zu halten, denn die zahlreichen
positiven Berichte versprachen noch vieles mehr. Also begann ich mit
Begeisterung zu lesen.

Wie sagt man so schön: Gegensätze ziehen sich an. Genauso
ist es bei Parker und Ash. Sie sind wie Feuer und Wasser. Er, der gutaussehende
Jungschauspieler, aus einem der erfolgreichsten Produktion, die Hollywood zu
bieten hat, badet in Ruhm und wird von Groupies umschwärmt. Ash dagegen ist
eher unscheinbar und introvertiert, nirgendwo zu Hause. Schon früh musste sie
lernen, sich alleine durch das Leben zu schlagen, denn ihre Mutter beschloss,
eine neue Familie zu gründen. Ohne Ash.

Ash und Parker beginnen den Tag ihrer Schicksalshaften
Begegnung völlig unterschiedlich: Parker hat den ganzen Rummel um seine Person
satt und rechnet vor laufender Kamera mit dem Menschen ab, dem er all seinen
Erfolg zu verdanken hat. Seinem Vater. Doch nun umgibt ihn ein noch größerer
Rummel, der ihn zwingt, vor den Paparazzi zu fliehen. Ash beginnt ihren Tag mit
einem Gelegenheitsjob als Dienstmädchen in einem noblen Hotel. Sie weiß genau
in welche Suite sie muss, um einen großen Coup zu landen. In Parkers Suite.
Doch manchmal kreuzen sich Schicksale von Menschen. Als Ash sich an das
„Aufräumen“ der Suite macht, wird sie von Parker überrascht. Parker, der nur an
seine Flucht denken kann, trifft ein Abkommen mit Ash. Sie soll ihm bei seiner
Flucht helfen. Einer Flucht, die sie nach Frankreich führt, wo sie nicht mehr
nur von Paparazzi und Fans gejagt werden, sondern auch von dämonischen Wesen…


„Asche und Phönix“ von Kai Meyer ist eine Geschichte, in der mehr
steckt als ein klischeehaftes Jugendbuch. Hier trifft zwar ein unscheinbares
Mädchen auf einen scheinbar unerreichbaren und verdammt gutaussehenden Jungen,
aber dieses Buch bietet dem Leser mehr als eine gewöhnliche Teenie-Lovestory.
Es verstecken sich einige aufregende und teuflische Details in ihr. Jedoch
konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen, weil ich weder zu den
Charakteren einen Zugang fand noch zu dieser dämonischen Geschichte. Die
Charaktere waren für meinen Geschmack etwas lieblos gestaltet. Dabei mochte ich
gerade Kai Meyers Art, den Charakteren eine Seele einzuhauchen. Ich konnte zu
keiner Zeit nachvollziehen, warum Ash und Parker sich verliebt haben. Sie
sprechen nicht viel über Gefühle und verschließen es auch vor dem Leser in ihr
tiefstes Inneres. Die häufigen Wechsel der Perspektiven waren für mich sehr
störend und auch die Handlung hätte etwas dichter sein können. In einigen
Szenen blieb mir jedoch die Luft weg. Zum Teil, weil es richtig spannend wurde,
aber auch weil es mich vor einigen sehr brutalen, dämonischen Taten ekelte. Meyers
sonst so lebendigen Orte und Landschaften blieben in dieser Geschichte starr,
weil sie nicht in die Handlung mit einbezogen wurden. Mir kam es so vor, als
würden die Protagonisten ohne Kulisse agieren. Beim Lesen hatte ich das Gefühl,
auf ein stummes Bild zu schauen.

„Asche und Phönix“ von Kai Meyer habe ich mit hohen
Erwartungen gelesen. Leider wurde es trotz der guten Ideen des Autors kein
hundertprozentiges Lesevergnügen.

Asche und Phönix von Kai Meyer 
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten 
Verlag: Carlsen 
Erscheinungsdatum: November 2012 
ISBN: 978-3551582911

4 Replies to “[Rezension] „Asche und Phönix“ von Kai Meyer

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