"#Skandal" von Sarah Ockler, Jugendbuch
Copyright: cbt

Endlich ist er da, der Moment, von dem du seit Jahren
träumst: Der Junge, in den du schon so lange verliebt bist, hält dich fest in seinen Armen und küsst dich. Du
lässt dich berauschen von den Gefühlen und dem Verlangen, die dieser Kuss in
dir wecken. Genießt seine Wärme und die Nähe und wünschst dir, dass dieser Moment
nie endet. Doch irgendwann erwacht etwas ganz anderes in dir. Etwas Klebriges, Dickes,
das wie schwarzes Pech an deine Neuronen haftet. Plötzlich erwachst du aus
deinem Gefühlsrausch und erstarrst bei dem Gedanken: Was habe ich nur getan? Er
ist der Freund meiner besten Freundin!

Muss man in einer Freundschaft wirklich alles miteinander
teilen, oder darf man kleine Geheimnisse für sich behalten? Selbst wenn man
sich Hals über Kopf in den Freund seiner besten Freundin verknallt hat und ihn
heimlich küsst? Es gibt Ereignisse, die man vielleicht lieber für sich behält
und unter den Tisch kehrt. Was passiert, wenn man gerade bei dieser geheimen
Eskapade stille Beobachter hat, die die brisante Knutscherei mit ihrem Handy
fotografieren und sie anschließend im Internet verteilen, erfährt Lucy am
eigenen Leib. Seitdem hat sie keine ruhige Minute mehr und wird fortwährend durch
ihre Mitschüler schikaniert und beleidigt.
 
Die Grundidee zu „#Skandal“ von Sarah Ockler erinnerte mich ein wenig „Gossip Girl“ nur ohne die reichen, glamourösen Mädchen der Upper East Side. In
dieser Geschichte animiert eine anonyme Person mit dem Namen „Miss Behave“ ihre
Follower, ihr pikantes Material aus dem Alltag einer Highschool zuzusenden, um
diese anschließend als #Skandal im sozialen Netzwerk zu verbreiten. „#Skandal“
wirkt aufgrund des Settings jedoch viel bodenständiger, greifbarer und dieses aktuelle
Thema lässt sich wunderbar auf den ganz normalen Alltag übertragen. Denn es
gibt nur wenige Menschen, die man nicht in den sozialen Netzwerken finden kann.
Die ersten Kapitel von „#Skandal“ habe ich als sehr aufregend,
tiefgründig und interessant empfunden. Bereits in den ersten Passagen versetzt
die Autorin ihre Leser direkt und ohne große Erklärungen mitten ins Geschehen.
Man erfährt, wie es zu dem skandalösen Kuss kommt und welche gravierenden
Folgen er nach sich zieht. Der Leser wird aufgrund der spärlichen Informationen
dazu gezwungen, die verschiedenen Geschehnisse und Personen miteinander zu
verknüpfen und Vermutungen anzustellen. Nach dem ersten Drittel wird das
Handlungsgerüst etwas fragiler. Es finden viele Gespräche statt, in denen es
darum geht, den Urheber der brisanten Fotos auszumachen. Wirklich viel passiert
indessen nicht. Da hilft es wenig, dass Sarah Ockler eine weitere Geschichte
mit einwebt. Denn jetzt werden nicht nur die Ereignisse um Lucy besprochen,
sondern auch noch die ihrer Schwester, die plötzlich aus dem nichts auftaucht.
Diesen Erzählstrang hätte sich die Autorin sparen können, denn diese
zusätzliche Geschichte nimmt sehr viel Raum ein und ist meiner Meinung nach
völlig überflüssig. Im letzten Drittel wird die Handlung wieder dichter und
interessanter, um den Leser mit einem runden Ende zu belohnen.
Sarah Ocklers Schreibstil war anfangs für mich sehr
erfrischend und ich freute mich auf die folgenden Kapitel. Ihre Figuren haben
es mir jedoch etwas schwerer gemacht, denn diese werden von der Autorin nicht
stimmig gestaltet. Sie bekommen Namen, aber von ihrem Äußeren und ihrer
Persönlichkeit erfährt der Leser nur wenig oder gar nichts. Es blieb bei den
Namen und ich konnte diese Vielzahl an Figuren kaum auseinanderhalten. 
Die literarische Hauptfigur Lucy ist kein typisches Opfer,
das sich selbst mit negativen Gedanken quält. Ihr defensives Verhalten war für mich
jedoch nicht immer nachvollziehbar. Lucys Persönlichkeit wirkt manchmal etwas widersprüchlich.
Ihre Leidenschaft für Zombies und Computerspiele wird zwar oft angesprochen, aber
da die Handlung überwiegend in Lucys Schule stattfindet, erlebt man nie, wie
sie ihre Passion auslebt.
Man kann „#Skandal“ von Sarah Ockler sehr unterschiedlich
erleben und man findet viele unterschiedliche Meinungen im Netz. Mich konnte
diese Geschichte trotz des sehr interessanten und aktuellen Themas nicht
vollends überzeugen. Trotzdem werde ich sicher wieder zu einem Buch der Autorin
greifen, denn gerade in den ersten Kapiteln hat mir der Schreibstil sehr
gefallen. 

#Skandal von Sarah Ockler  
Originaltitel: Scandal
Aus dem Englischen
von

Katrin

Weingran
Hardcover: 416 Seiten  
Verlag: cbt / Randomhouse
Erscheinungstermin: 25. Mai 2015
ISBN: 978-3-570-16298-9
Altersempfehlung: ab 14

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