"Ambers magischer Augenblick" von Crystal Cestari, Jugendbuch
Copyright: Fischer Verlage

Amber hat es nicht leicht: Während ihre Mutter – ganz in der Tradition der Familie – eine waschechte Hexe ist, hat Amber lediglich ein einziges Talent: Sie kann die wahre Liebe sehen. Trifft sie einen Menschen, kennt sie den für ihn bestimmten Partner. Und so hat sie bereits viele Seelenverwandte zusammengeführt. Trotzdem ist Amber nicht glücklich: Zum einen kann sie ihre Gabe nicht auf sich selbst anwenden, zum anderen hat sie totale Minderwertigkeitskomplexe. Denn mal ehrlich: Was ist so eine kleine Liebesbegabung schon im Vergleich zu echten Hexenkräften? Besonders nützlich erscheint Amber ihre Veranlagung nicht, schon gar nicht, als es darum geht, ihrem Schulfreund Charly bei einem ganz speziellen Familienproblem zu helfen. Schlimmer noch: Was tun, wenn man weiß, dass der Junge, der einem gefällt, eigentlich für eine andere bestimmt ist?

„Ambers magischer Augenblick“ – das Debüt von Crystal Cestari – ist genau das, was das Cover verspricht: Eine zuckersüße Teenielovestory. Das Buch trifft das Lebensgefühl junger Mädchen, die noch nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, die befürchten, nicht genug Talente zu besitzen und außerdem eine Heidenangst vor der ersten großen Liebe haben. Die Antworten darauf lauten eigentlich immer gleich: Du bist okay, wie du bist. Also nur Mut, einen Schritt nach dem anderen.

Bis zu dieser Erkenntnis ist es für Amber noch ein gutes Stück Weg. Sie findet es schrecklich, keine echte Hexe zu sein und glaubt, ihre Mutter sei über ihre mangelnde Begabung ebenso enttäuscht, wie sie selbst. Kein Wunder also, wenn sich Amber in der magischen Welt nur wie ein ganz kleines Licht fühlt. Ihre Erzählstimme schwankt deshalb auch immer ein wenig zwischen Unzufriedenheit, Unsicherheit und nach außen hin präsentierter Coolness. Für ein Mädchenbuch dieser Altersgruppe ist das absolut passend. Ich selbst hätte mir zwar manches Mal einen konstant-positiveren Ton gewünscht, aber meine Tochter, die das Buch zurzeit ebenfalls liest, sieht das anders. Was in meinen Ohren recht deutlich wie Jammerei klingt, ist für sie schlichtweg völlig berechtigte Kritik am Leben im Allgemeinen und Ambers Situation im Speziellen. Sie findet Amber klasse. Offenbar ist die Protagonistin also nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch des Alters der jeweiligen Leserin. Um das Buch mögen zu können, sollte man auf jeden Fall Amber mögen, da ihre Persönlichkeit im Mittelpunkt steht.

Alle weiteren Elemente kreisen mal intensiver, mal etwas flüchtiger um die Protagonistin herum. Dadurch bleibt manches oberflächlich, gleichzeitig gestaltet sich das Lesen sehr abwechslungsreich. Der magische Anteil bringt Witz und Leichtigkeit in die Geschichte, Ambers Selbstzweifel und die problematische Mutter-Tochter-Beziehung eine gute Portion Realismus und die Lovestory einige  sehr gefühlvolle Momente. Schön auch, dass das Thema „Liebe“ nicht durchweg rosarot eingefärbt, sondern durchaus humorvoll angegangen wird. Beispielsweise, wenn Ambers Freundin Amani zum ersten Mal auf den für sie vom Schicksal vorherbestimmten Partner trifft. Was habe ich gelacht!

Abgesehen von der obligatorischen Highschoolzicke, sind die Charaktere – vor allem Ambers Freundin Amani und Lovepart Charly – angenehm normal dargestellt. Kein Bad Boy weit und breit, was von mir einen dicken Pluspunkt gibt. Auch Amber selbst mochte ich (trotz ihrer etwas nörgeligen Art) im Grunde recht gerne, weil sie eine klare Meinung hat und diese offen vertritt. Schade also, dass die Ideen zeitweise etwas unausgegoren wirken. Vor allem in die paranormale Welt wäre ich gerne tiefer eingetaucht. Neben einigen gelungenen Magieszenen, bleibt es größtenteils bei der Erwähnung von Werwölfen, Vampiren, Trollen und Drachen. Näher auf diese Wesensarten eingegangen wird jedoch nicht.

Fazit: Coming-of-Age trifft Lovestory und Magie. „Ambers magischer Augenblick“ ist eine leichte Geschichte für junge Mädchen, die sich mit den Themen „erste große Liebe“, „Zukunftsangst“ und „Selbstzweifel“ teilweise wunderbar normal lesen lässt und einige witzige paranormale Ideen auf Lager hat. Mit der manchmal etwas mauligen Erzählstimme konnte ich mich zwar nicht durchgängig identifizieren, meine Tochter dafür umso mehr. Für die Zielgruppe ein schöner Schmöker!

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Ambers magischer Augenblick von Crystal Cestari
Übersetzung: Maren Illinger
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Fischer

Erscheinungsdatum: 27. Juli 2017
ISBN-13: 978-3733502379
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren 

9 Replies to “[Rezension] „Ambers magischer Augenblick“ von Crystal Cestari

  1. Vielen Dank für deine tolle Lesemeinung. Leider habe ich keine Tochter mehr in dem Alter, um eventuell mehr Verständnis für das ewige Hin und Her von Amber aufzubringen☺ Aber ich bin schockverliebt in das Cover und liebe eh viele Bücher, die sich um Hexen und Drachen usw zu tun haben.
    Liebe Grüße Hanne

  2. Hey Hanne,
    ja, das Cover ist Zucker! Genau wie du, liebe ich Hexengeschichten (vielleicht, weil mein erstes selbstgelesenes Buch mit 7 Jahren von einer Hexe handelte?) 😉 Von diesem Buch hier hätte ich mir allerdings ein klein wenig mehr erwartet. Die Ideen sind hübsch, aber die Magie selbst rückt immer mal wieder an den Rand, erschien mir teilweise eher wie Beiwerk. Trotzdem, nett.
    Sei ebenfalls gegrüßt
    Alex

  3. Hallo Alex,
    ja diese zuckersüße Verführung. Oh wie toll, mit den Hexen bin ich bei dir.
    Kennst du "Aventurine – Das Mädchen mit dem Drachenherz"? Das habe ich auch vom Verlag erhalten… oh das ist soooooo süß… Ich schwärme hier wie ein Teenager☺ Genau deine Kritik war auch meine, nur (y) du hast das super in Worte gepackt.
    Liebe Grüße – ich bin dann jetzt erst mal weg
    Hanne

  4. Oh. "Aventurine" ist völlig an mir vorbei gegangen. Das klingt ja echt sehr süß. Die Altersempfehlung ist noch etwas niedriger als bei "Amber", aber … hey… das Buch landet sofort auf der WuLi.
    Danke für den Tipp. 🙂

  5. Gegen ruckzuckdurch spricht absolut gar nichts! Schokolade? Na, jetzt bin ich neugierig. Gibt es jemanden auf dieser Welt, der keine Schokolade mag?
    Stille! Ich höre nichts. 😉

  6. Halli hallo! Also, ich bin so Jemand, der keine Schokolade mag 😛 dafür mochte ich "Aventurine" umso lieber 😉 stimme Hanne also zu.

    Nun wollte ich Dir aber eigentlich nur ein Lob für Deine ausgewogene Kritik aussprechen. Hier kriegt man wirklich ein Gefühl dafür, was einen erwartet.

    Liebe Grüße

    Rica

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