"Sag nie ihren Namen" von James Dawson, Thriller
Copyright: Carlsen

James Dawson hat sich viel vorgenommen: Er wollte nicht weniger schreiben, als das gruseligste Horrorbuch für junge Erwachsene aller Zeiten! Dabei heraus gekommen ist „Sag nie ihren Namen“, eine Neuinterpretation der alten Legende von Bloody Mary.

Vielleicht kennt ihr sie ja: Bloody Mary ist ein blutrünstiger Geist, um den sich viele Sagen ranken und der weltweit auf Partyspielen beschworen wird. Dazu ist nichts anderes notwendig, als sich vor einen Spiegel zu stellen und dreimal den Namen Bloody Mary zu sagen.

Und genau so beginnt auch Dawsons Roman. Während eines nächtlichen Lagerfeuers, lassen sich die Internatsschülerinnen Bobby und Naya zusammen mit dem gutaussehenden Caine zu eben jener Mutprobe hinreißen: Dreimal sprechen sie Marys Namen vor einem Spiegel aus. Fast unmittelbar geschehen unheimliche Dinge im alten Mädcheninternat Piper’s Hall. Bobby und ihren Freunden läuft die Zeit davon. Wenn sie nicht herausfinden, wie die Beschwörung zu brechen ist, wird schon bald etwas Fürchterliches geschehen, da sind sie sich sicher.

Dawson spult die Geschichte wie einen klassischen 80er-Jahre-Horrorfilm ab ‚ einen verdammt guten (!) 80er-Jahren-Horrorfilm, in der entschärften Jugendvariante ab 14 Jahren versteht sich. Dabei greift er auf die gängigen Kniffe und Tricks zurück, die immer (aber auch wirklich immer!) funktionieren ‚ von Nachrichten auf beschlagenen Spiegeln bis zum einsamen nächtlichen Bad ist alles dabei.

Gut, dass Protagonistin Bobby sich dabei etwas klüger anstellt, als so manche ihrer ‚Vorgängerinnen‘ aus früheren Jahrzehnten. Eine Verfolgungsszene, in der Bobby kurz vor der rettenden Haustür der Schlüssel aus der Hand fällt, gibt es jedenfalls nicht. In den allermeisten Szenen ist sie besonnen und mutig. Atemlos habe ich mich zusammen mit ihr auf die Jagd nach den Hintergründen des Bloody-Mary-Fluches begeben, immer die von Dawson als grandioser Anheizer geschaffene Deadline im Nacken‘ nur wenige Tage, um wieder aus der Sache herauszukommen, nur wenige Tage, die über Leben oder Tod entscheiden.

Die große Frage ist daher: Hat James Dawson sein Ziel erreicht? Hat er wirklich das gruseligste Jugendbuch aller Zeiten geschrieben? Ich würde sagen: Es gehört auf jeden Fall in die Top 3! Ich fand die Geschichte klasse und habe mich ganz wunderbar mit dem alten Internat, seinen Geheimgängen, dem tosenden Meer und zerfallenden Gräbern gegruselt.

Die Auflösung ist teilweise ab der Hälfte vorhersehbar, die Fäden laufen am Ende aber trotzdem so glatt zusammen, dass man das Buch zufrieden und mit einer ordentlichen Gänsehaut zuklappen kann.

Irgendwelche Kritik? Ich habe mich einige Male gefragt, ob das Buch in der Ich-Perspektive noch eindringlicher wäre. Dawson erzählt aus Bobbys Sicht, aber in der dritten Person und das bewirkt ein ums andere Mal eine gewisse Distanz zu den Ereignissen. Einige Dialoge kamen mir außerdem etwas altbacken vor: Mit Schätzchen und Darling habe ich meine Freunde zu Jugendzeiten nämlich eher nicht angesprochen. Aber ehrlich gesagt, begebe ich mich mit meiner Kritik bereits in den Bereich der Haarspalterei.

Am Ende ist „Sag nie ihren Namen“ eine richtig gute Gruselgeschichte, die den Spagat zwischen Jugendbuch und konventionellem Horror meistert. In diesem Sinne: 1,2,3 – Mary kommt vorbei. Traut euch, es lohnt sich!

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Sag nie ihren Namen von James Dawson 
Originaltitel: Say Her Name
Übersetzer: Frank Böhmert
Taschenbuch: 336 Seiten 
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 2. Juli 2015 
ISBN: 978-3551314192 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

3 Replies to “[Rezension] „Sag nie ihren Namen“ von James Dawson

  1. … wenn ich ganz leise bin, kann ich krinks Hände tatsächlich schon hören. 😉
    LG und falls du irgendwann einmal Lust bekommst das Buch zu lesen liebe Kath: keine Angst, so richtig fies wird es nicht!

  2. Fertisch! Habe die Hände gerieben bis es bei mir im Briefkasten lag und dann nochmals bis ich endlich im Urlaub war und am Zeltlagerfeuer loslegen konnte… Eine perfekte Grusellektüre für Jugendliche. Für mich hätts noch etwas grausiger sein können, aber die Umsetzung ist echt gelungen. Danke für den Tipp, Lex!

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