
Nach der Lektüre von „Hotel Ambrosia“ war mir Katie Kento positiv im Gedächtnis geblieben. Trotz kleinerer Schwankungen im Erzähltempo überzeugten mich das atmosphärische Setting und vor allem der frische Humor der Autorin.
Deshalb stand für mich schnell fest, auch ihr neues Buch „Missing Page“ zu lesen – erneut ein Jugendthriller. Gesagt, getan. Leider zeigten sich aus meiner Sicht ähnliche Schwächen.
Die 17‑jährige Toni reist nach Schottland, um an einem Schreibworkshop im abgelegenen Herrenhaus des exzentrischen Schriftstellers Richard Giffard teilzunehmen. Vor Ort die Überraschung: Giffard eröffnet den sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass er sein Vermögen dem begabtesten Nachwuchstalent unter ihnen vererben will. Doch das literarische Kräftemessen nimmt bald eine tödliche Wendung.
Mysteriös, teilweise unfreiwillig
Wo anfangen? Vielleicht mit dem Positiven: Katie Kentos Schreibstil ist gewohnt locker und humorvoll, sodass man eigentlich nur so durch die Seiten fliegen müsste – würde man nicht immer wieder von den Mängeln der Geschichte ausgebremst.
Da wären zunächst die Figuren. Ich hatte große Schwierigkeiten, die jugendlichen Charaktere auseinanderzuhalten. Meiner Ansicht nach werden sie zu oberflächlich eingeführt, um wirklich greifbar zu werden.
Auch die Schlafwandler‑Problematik, mit der sich die Protagonistin plagt, konnte mich nicht ganz überzeugen. An sich ein spannender Einfall, der hier jedoch eher für zusätzliche Verwirrung sorgt und die ohnehin schwer durchschaubare Handlung noch nebulöser wirken lässt.
Hinzu kommt Tonis Motivation für die Teilnahme am Workshop. Ohne zu viel zu verraten: Ihr Antrieb erschien mir schlicht zu schwach für die teils drastischen, sogar kriminellen Anstrengungen, die sie im Verlauf der Geschichte unternimmt.
Am problematischsten war für mich allerdings die Auflösung. Gegen Ende wird man regelrecht von Informationen erschlagen. Ein Miträtseln ist kaum möglich, da vieles lange zurückgehalten wird und entscheidende Hinweise erst sehr spät miteinander verknüpft werden.
Insgesamt hätte man deutlich mehr aus dieser Geschichte machen können, gerade weil das Setting mit seinem abgeschiedenen Herrenhaus ein wunderbar passendes Cluedo‑Flair für einen Thriller mitbringt. Ich war etwas enttäuscht, würde aber dennoch wieder zu einem Buch von Katie Kento greifen, da mir ihr Stil grundsätzlich sehr gefällt.
„Missing Page – Tödliche Worte“ von Katie Kento
Verlag: ONE
Erschienen: 30. März 2026
E-Book: 464 Seiten
ISBN: 978-3846603024
Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
