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Die Kinderkrimiserie „Ein Fall für Wells & Wong“ begleitet mich schon fast meine gesamte Bloggerzeit auf Kathrineverdeen. Auch den sechsten Band dieser bezaubernden, an alte Detektivromane angelehnten Reihe wurde von mir mit Spannung erwartet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Internatsschülerinnen Hazel Wong und Daisy Wells endlich einmal im Hongkong der 1930er Jahre ermitteln würden. Denn Autorin Robin Stevens führt die Mädchen regelmäßig an Orte außerdem der Deepdean Schule und ließ sie unter anderem schon einen Mord in Daisys Elternhaus aufklären.

Die Wong-Familie – viele Kinder, mehrere Frauen

Nach fünf Büchern, in denen sich Hazel oft als Außenseiterin in der britischen Gesellschaft fühlte, sollte man meinen, sie würde in ihrem Heimatland China endlich etwas zur Ruhe kommen. Alles andere ist der Fall: Hazel, die – begleitet von ihrer Freundin Daisy – wegen des Todes ihres Großvaters nach Hongkong kommt, muss zu Hause feststellen, dass sich einiges verändert hat. Ihr Vater hat mit seiner Zweitfrau Jie Jie nach drei Töchtern noch einen Sohn bekommen, der wie ein kleiner Prinz verwöhnt wird, was von der übrigen Familie und vom Personal zwiespältig aufgenommen wird. Speziell Hazels Mutter, Vincent Wongs Erstfrau, reagiert frostig auf die neue Familienkonstellation. Und dann sind da auch noch jede Menge verärgerte Geschäftsleute, die Vincent Wong gegen sich aufgebracht hat. Die „Katastrophe“ liegt sozusagen in der Luft und schon bald werden die Freundinnen in einen neuen Mord verwickelt.

Hongkong – Fremde traditionen

Gut hineinversetzen kann man sich als Leser*in dieses Mal vor allem in Daisy, der all diese exotischen Eindrücke, Gerüche, Geschmäcker, Traditionen und Strukturen ebenso fremd und neu sind, wie einem selbst. Allerdings: So faszinierend Robin Stevens‘ China auch wirkt, so eigentümlich erscheint hier manches. Dass Hazels Vater gleich mit zwei Frauen unter einem Dach lebt und mit beiden Kindern hat, ist für westliche Begriffe schon ungewöhnlich. Ich hätte es schön gefunden, wenn Robin Stevens, die im Nachwort vieles erläutert, auch diese (einst durchaus reale) Sitte aufgreift und genauer erklärt. Ausgerechnet diesen Punkt spart sie leider aus und lässt den einen oder anderen jungen Leser/junge Leserin sicher etwas verwirrt zurück.

Ausflug in die Unterwelt

Nicht ganz anfreunden konnte ich mich auch mit Hazels und Daisys Ausflug in die Welt der Triaden (die chinesische Mafia), der sich zwar fesselnd gestaltet, mir unterm Strich aber zu unwahrscheinlich vorkam und schon arg ins Reich der Mythen und Klischees abgleitet. Den Lesespaß hat das aber nur minimal getrübt. „Tödliches Spiel in Hongkong“ ist vielleicht nicht mein liebstes Buch der Reihe, liest sich aber – wie gewohnt – spannend, abenteuerlich und humorvoll. Zumal Daisy hier einen kleinen kulturellen Nachteil gegenüber Hazel hat und sich damit abfinden muss, nicht immer die erste Geige zu spielen. Sehr amüsant!

Die Frau in der Gesellschaft

Was der Serie wunderbar gelingt, ist, dem jungem Publikum die unterprivilegierte Rolle von Mädchen und Frauen in der Geschichte lebhaft vor Augen zu führen. In diesem Band leiden die Leser*innen besonders mit Daisy und vor allem mit Hazel. Nicht nur, weil Hazels Familie in ein Verbrechen verstrickt wird, sondern, weil die Verhältnisse innerhalb der patriarchalischen chinesischen Kultur so schreiend ungerecht erscheinen. Umso toller ist es, wie Daisy und Hazel wieder zusammenhalten und mit viel Fantasie heimlich an den Erwachsenen vorbei ermitteln. Damit bleibt die Serie weiterhin sowohl aufregende als auch lehrreiche Unterhaltung.

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Tödliches Spiel in Hongkong: Der sechste Fall für Wells & Wong von Robin Stevens
Original: A Spoonful of Murder
Übersetzung: Nadine Mannchen
Hardcover: 320 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungsdatum: 20. März 2019
ISBN: 978-3957282279
Altersempfehlung: 12 – 15 Jahre

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