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Die Kinderbuch-Reihe um die beiden Detektivinnen Daisy Wells und Hazel Wong geht in die fünfte Runde. Und auf den fünften Band, „Mord unterm Mistelzweig“, hatte ich mich ganz besonders gefreut. Ich bin seit jeher ein unverbesserlicher Weihnachtsfan, mit allem drum und dran. Keksen. Kitsch. Und Kerzenschein.

Diskriminierung unterm Mistelzweig

Die Geschichte ist auch genauso winterlich gemütlich, wie ich gehofft hatte. Es gibt köstlichen Kuchen, geschmückte Weihnachtsbäume, kleine Teestuben und wildes Schneegestöber. Richtig schön kuschelig ist das. Aber natürlich nicht nur… denn erneut werden die Mädchen in einen eiskalten Mord verstrickt.

Angesiedelt ist die Handlung im Cambridge der 1930er Jahre. Damals größtenteils männliches Territorium. Frauen konnten zwar studieren, aber keinen Abschluss machen. Als Wells und Wong über Weihnachten Daisys Bruder Bertie besuchen, erleben sie die Benachteiligung am eigenen Leib. Unter den Studenten gibt es bald einen Toten, die Untersuchung erweist sich allerdings als echte Herausforderung. Zu vielen Orten haben Daisy und Hazel als Mädchen nämlich keinen Zutritt. Ein Deal mit Alexander und seinem Freund George, die unter dem Namen Junior Pinkertons ebenfalls Verbrechen aufklären, bietet ihnen die Chance, den Spuren unbehelligt nachzugehen. Der forschen Daisy passt die Einmischung der konkurrierenden Detektei allerdings herzlich wenig in den Kram.

Zwischen Teestuben und Nachtklettern

Es folgt eine abenteuerliche Ermittlung, bei der nächtliche Kletteraktionen ebenso eine Rolle spielen wie seltsame Unfälle, Gift und eine von Geldgier und Konkurrenz bestimmte Brüderbeziehung.

Mir hat der neue Fall genauso gut gefallen, wie alle anderen Fälle. Hazel und Daisy lassen den Leser wie gewohnt an allen Schritten und Überlegungen teilhaben. Dadurch kann man super miträtseln und das Lesen ist durchweg spannend und unterhaltsam. Der Mörder scheint mir zwar etwas blauäugig an die Sache heranzugehen, da es doch eher unwahrscheinlich ist, dass er nicht irgendwann auffliegt. Aber ein bisschen „Konstruktion“ gehört zum klassischen Whodunit dazu.

Daisy und Hazel werden von Buch zu Buch etwas älter. Inzwischen sind sie fast 15 Jahre. Robin Stevens trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie ihre Charaktere und die Themen, mit denen diese sich beschäftigen, liebevoll weiterentwickelt. Unterm Mistelzweig gibt es daher nicht nur einen Mord, sondern auch – es deutete sich schon an – Verliebtheitsgefühle. Und auch über ihre weitere Zukunft und ihre beruflichen Möglichkeiten machen sich Daisy und Hazel vereinzelt schon Gedanken. Es ist aufregend, das alles zu verfolgen.

Wie immer streut Robin Stevens Gedanken zu Gleichberechtigung und Vorurteilen ein. Als Asiatin im England der 30er Jahre nimmt Protagonistin Hazel solche besonders deutlich wahr und führt dem Leser vor Augen, wie unsinnig es ist, zu glauben, Menschen seien anders, nur weil sie anders aussehen. Diese Einsicht ist zeitlos, wie man aktuell wieder sieht und wirkt in den Geschichten zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt.

Fazit: Von dem nostalgischen Touch der Bücher sollte man sich nicht täuschen lassen. Sie stehen zwar ganz in der Tradition alter Ermittlungskrimis, werden aber trotzdem lebhaft, spannend und humorvoll erzählt und sind völlig unaffektiert gespickt mit wertvollen Botschaften. Nach nunmehr fünf Bänden bin ich sozusagen wellsifiziert bzw. wongifiziert – denn der neue Fall ist (nicht nur für Kinder) wieder total amüsant!

 

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Mord unterm Mistelzweig: Der fünfte Fall für Wells & Wong – ein spannender Mädchenkrimi aus England von Robin Stevens
Originaltitel: Mistletoe and Murder
Übersetzung: Nadine Mannchen
Hardcover: 288 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungsdatum: 20. September 2018
ISBN: 978-3957281258
Altersempfehlung: 12 – 15 Jahre

One Reply to “[Rezension] „Mord unterm Mistelzweig. Der fünfte Fall für Wells & Wong“ von Robin Stevens”

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