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Politisch aufrührerische Zeiten waren es in den 1830er
Jahren, als es den erst 18 jährigen Georg Büchner von Darmstadt ins
politisch freiere Straßburg verschlug. Vorrangig wegen des Medizinstudiums,
politische-freiheitliche Ansichten ergaben sich dort zwangsläufig aus der Liebe
zur Philosophie. Eine andere Liebe fand der junge leidenschaftliche Büchner in der
3 Jahre älteren Tochter seiner Vermieter: Wilhelmine Minna Jaeglé,
eine hübsche, kluge junge Frau, die nichts lieber getan hätte, als die
Naturwissenschaften zu ihrem Thema zu machen. Doch zur damaligen Zeit war das
in keinem Fall denkbar.

Minna teilt Büchners Liebe zur Wahrheit, zur Freiheit und
unterstützt ihn in seinem Tun. Sie liebt es, wenn er mit ihr über die Dinge
spricht, die Frauen sonst nicht zu Ohren bekommen. 

„ … Hört auf mit diesem Prüfungsstand, der das Leben sein
soll. Dann wäre das Leben nur ein Mittel. Aber es ist der Zweck selbst. Die
Entwicklung ist der Zweck des Lebens, es ist Entwicklung. … „
Seite 28

1832 kommt es zur heimlichen Verlobung, eine Heirat wird es
nie geben, Minna bleibt auf ewig Büchners Braut. Georg Büchner stirbt 1837,
24-jährig, in Zürich an Typhus. Minna hat sich, ganz die Seine, den Weg zu
ihrem sterbenden Geliebten hart erkämpft und trifft ihn zwar noch lebend, doch
schon nicht mehr unter den Lebenden weilend, an. Dabei hatte sie immer nur um
eines gebetet: 

„ … Und lasse mich nichts im Leben aushalten müssen …“ Seite 63

Zuviel musste ihre Mutter aushalten, zu früh ist diese daran
gestorben. Und leider wird auch Minna einiges in ihrem Leben aushalten müssen.
Sie wird gezwungen, sich den eigenen Lebensunterhalt als Gouvernante oder
Erzieherin fremder Kinder zu verdienen und erfährt mehr Anteil an ihrer
Situation, als ihr manchmal lieb ist. Diese Lebensgeschichte könnte auch von
Jane Austen erdacht worden sein …

Bücher über bedeutende Schriftsteller haben meist die
Schriftsteller selbst zum Mittelpunkt. Büchners Braut ist nicht nur in
diesem Punkt erfrischend anders. Beate Klepper gelingt es in ihrer
einfühlsamen Romanbiographie, Georg Büchner durch die Augen seiner Verlobten
lebendig werden zu lassen. Hier wird ein leidenschaftlicher, politischer Mensch
gezeichnet, der nicht anders kann, als seine Schriften zu veröffentlichen. Ob
es daran liegt, dass er als geliebter Mensch beschrieben wird, das mag sein.
Sicherlich liegt es aber auch daran, weil Büchner in seiner Beziehung zu einer
klugen und wissbegierigen Frau gezeigt wird. Frauen dieser Zeit waren sonst
eher schmückendes Beiwerk, versorgten Haus und Hof, kümmerten sich um die
Erziehung der Kinder, hatten aber kaum Zugang zu Forschung und Wissenschaft. Dass
Büchner hier als emanzipierter Mann gezeigt wird, der auf Augenhöhe mit seiner
Geliebten lebt, mit ihr diskutiert und sie einbezieht in seine Gedanken, das
macht dieses Buch zu einem Lesegenuss.

Sprachlich wunderbar in der Zeit, liest sich Büchners Braut flüssig und leicht, obwohl so viel Inhalt darin steckt. Und so viel
Recherche und Liebe zum Thema.

Nach der Romanbiographie geht es weiter mit Büchners eigenen
Werken – dank Beate Klepper aus einem neuen, anderen Blickwinkel, der
mir den aufrührerischen jungen Mann näher gebracht hat, als jede Schulstunde
oder jedes Seminar. 

„ … Weiß Gott, mag sein, die ganze Welt ist zu klein
für mich. Hoffentlich wachse ich nicht noch. Es muss unerträglich sein
in einer Welt, in der alles zu klein ist, wenn man über das normale Maß
hinauswächst, wie bedrängt man von den kleinen Dingen und Menschen sein
muss.
Über sich hinauswachsen, dachte er, und hockte sich mit einem Schwung
auf die Bettkante. …“
Seite 91


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Büchners Braut von Beate Klepper 
Taschenbuch: 318 Seiten 
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2013 
ISBN: 978-3746629483

3 Replies to “[Rezension] „Büchners Braut“ von Beate Klepper

  1. und schon gekauft und gelesen 😉 – könnte es dir ja auch leihen *gg*. Gerne, immer wieder gerne, denn gute Bücher müssen ihren Weg zu den Lesern finden … und auf diesem schönen Blog haben sie die besten Chancen. LG, Bri

    1. Nein noch nicht, aber im Kopf ist es definitiv. Aber da schwirren so viele Bücher rum…ich werde arm. 🙁
      Irgendwann wird dieser Schatz in meinem Regal landen.
      Danke für das Kompliment, aber du trägst mit deinen schönen Rezensionen immer dazu bei 🙂
      LG

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