"Wo war ich noch mal?" von John Cleese, Autobiografie
Copyright: Karl Blessing Verlag

Das Leben des John

Vorab: Ich bin bekennender Monty Python Fan. Vom Flying
Circus
über Das Leben des Brian zu den Rittern der Kokosnuss:
Auch wenn ich sie alle schon gefühlte tausend Mal gesehen habe, kann ich mich
immer wieder aufs Neue und wie beim ersten Mal über den scharf beobachtenden,
die Absurditäten des Alltags ins Unermessliche überspitzten, total schrägen
Humor der Pythons amüsieren. Was heißt amüsieren? Kaputt lachen! Vor allem John
Cleese fand ich mit seiner sehr natürlich wirkenden Korrektheit und dem meist
etwas steif daherkommenden Verhalten, das durch seine geniale Mimik und die
schrägen Handlungen noch dazu karikiert wurde, umwerfend komisch. Wie schön,
dass ein Mensch, der wahrscheinlich eher britisch-traditionell aufgewachsen
war, so verrückt sein konnte. Immerhin war er während des Zweiten Weltkriegs
aufgewachsen und in etwa die Generation, die ich mit solchen Verrücktheiten,
wie zum Beispiel dem Ministry of Silly Walks niemals in Verbindung
bringen würde.

Dank der heutigen Technik ist es möglich, solche
Glanzleistungen der Komik immer und immer wieder zu genießen, und das zu jeder
Zeit. Die Hoffnung auf etwas Neues der nun doch schon betagteren Herren hatte
ich jedoch aufgegeben. John Cleese hatte sich, wie auch die anderen Pythons,
beruflich zu anderen Ufern aufgemacht und durchaus Interessantes dabei
hervorgebracht. So setzt er sich zum Beispiel so nachhaltig für den Schutz von
verschiedenen Lemuren Arten ein, dass sogar eine nach ihm benannt wurde.
Im Mai 2014 allerdings gab es eine kleine Sensation: Die
Pythons wollten sich noch einmal auf die große Bühne der O² Arena in London
wagen. Ein, höchstens zwei Abende sollten es sein. Als die Karten für den
ersten Abend aber bereits nach sagenhaften 45 Sekunden – ganz recht, Sekunden!
– ausverkauft waren, wurde klar, es mussten 10 Abende sein. Als Krönung sollte
die letzte One down, five to go – Live (mostly) Show in vielen Kinosälen
überall auf dem Planeten mitzuerleben sein. Auch in Berlin! Die Euphorie der
Fans kannte kein Ende und überrollte die Pythons mit ungeahnter Wucht. Jahre, nachdem
die Presse sie bereits ad acta und verstaubt zur Seite geschrieben hatte, waren
sie wieder da. Live! Und wie! Und ich war dabei.
Was wäre ein besserer Zeitpunkt für eine Autobiografie, als
dieser? John Cleese hat das mal wieder messerscharf erkannt und gehandelt. Wo war ich noch mal? muss mit
seinen 480 Seiten natürlich schon vorbereitet gewesen sein, denn so schnell
kann auch Mr. Silly Walk kein solches
Werk aus dem Hut zaubern – oder vielleicht doch?
Gewohnt eloquent und erheiternd führt Cleese sich zunächst
selbst ein. Das Leben mit einer eher fremden Mutter und einem hoch geschätzten
und geliebten Vater in England während des Zweiten Weltkrieges schildert er
detailreich, authentisch und lebendig. Seine Gedanken zu den damaligen
Ereignissen und die Erinnerungen daran lässt er mäandernd aber nicht chaotisch
einfließen. Äußerst unterhaltsam erlesen wir uns das Leben eines der genialsten
Unterhalter unserer Zeit.
Und nebenbei lässt Cleese den Leser ganz nah an sich heran.
Eher zurückhaltend und schüchtern ist er. Auffällig durch seine körperliche Größe,
die sich schon bald zeigt und die damit wohl für die anderen Jungs so gar nicht
zu vereinbarenden Zurückhaltung was zum Beispiel Schulhofkämpfe angeht,
versucht er diesen aus dem Weg zu gehen – also sowohl den anderen Jungs als
auch den Kämpfen – was auch beinahe immer klappt. Wenn es denn sein muss, kann
er sich aber auch den nötigen Respekt verschaffen und wird fortan in Ruhe
gelassen. Er hat quasi „das Feuchte hinter den Ohren verloren“.
Ein kluger Junge, der seine Warmherzigkeit vom Vater ererbt
oder erlernt wissen will. Einem Mann, dessen Lieblingsbuch Jerome K. Jeromes Drei
Männer im Boot
ist. Wenn das nicht schon wegweisend zu nennen ist …
Während des Jurastudiums in Cambridge lernt er zunächst
Graham Chapman kennen und später auch Terry Jones, Eric Idle, Terry Gilliam und
Michael Palin. Die Truppe des Flying
Circus
ist nunmehr komplett und kommt bei den Zuschauern ungemein gut an.
Das ist etwas, womit niemand so richtig gerechnet hatte. Nun heißt es am Ball
bleiben. Die Truppe funktioniert basisdemokratisch, was sich noch als etwas
problematisch erweisen wird.
Geschwätzig könnte man sie nennen, die Autobiografie, aber
im positivsten Sinn des Wortes, zeigt sie uns doch einen liebenswerten, meist
an der Qualität seiner Arbeit zunächst zweifelnden, hochintelligenten Menschen,
der viele angenehme Charakterzüge vereint. Wichtig ist ihm aber auch, seine
Vorstellung von Arbeit und Komik genügend umgesetzt zu wissen. Wenn das nicht
mehr gegeben ist, dann geht er andere Wege. So verlässt er schließlich den
Flying Circus, arbeitet aber an anderen Python-Produktionen weiterhin mit.
Auch sein Privatleben lässt Cleese nicht aus. Doch schildert
er es immer aus einem distanziert – ironischen und gerade deshalb so
sympathischen Blickwinkel. Auch die unangenehmen Seiten des Lebens verschweigt er
nicht und hier zeigt sich ganz deutlich, dass er im Grunde genommen ein sehr
ernsthafter Mensch ist.
480 Seiten lang pure Unterhaltung, kein bisschen Langeweile,
wunderbare Einblicke in das Seelenleben eines genialen Künstlers und
verehrungswürdigen Menschen – das ist es, was Wo war ich noch mal? zu
einem unbedingten Must-Have für jeden Monty Python / John Cleese Fan macht.
Aber auch wenn man das nicht ist, sollte man dieses Buch lesen. Alleine die
Fotos und deren umwerfende Unterschriften sind es wert. Und die Tatsache, dass
man auch älter geworden genauso verrückt sein kann, wie ehedem, was für mich
eine wunderbare Entdeckung war. Dieses Buch bekommt einen Ehrenplatz in meinem
Regal, damit ich es immer mal wieder in die Hand nehmen und darin blättern
kann.

Und nicht
vergessen: Always look on the bright side of life …

Wo war ich noch mal? von John Cleese
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten 
Verlag: Karl Blessing Verlag 
Erscheinungstermin: 30. März 2015
ISBN: 978-3896675057

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