"Unsterblich #2 - Tor der Nacht" von Julie Kagawa, Jugendbuch
Copyright: Heyne

Im
vergangenen Jahr gab es ein ganz besonderes Buch, das mich sehr überrascht hat.
Überrascht, weil die Autorin mich mit ihren märchenhaften und seichten
Geschichten bislang nie erreichen konnte. Trotz einiger Vorurteile und vielen
Bedenken ließ ich mich auf Julie Kagawas düstere Vampir-Reihe ein und begab
mich in „Unsterblich – Tor der Dämmerung“ in ein atemraubendes Leseabenteuer.
Auch nach dem Lesen konnte ich diese Geschichte und ihre unfassbar guten Ideen,
nicht gänzlich loslassen. Nach fast einem Jahr erschien mit „Unsterblich – Tor der Nacht“ die Fortsetzung dieser Reihe.

Nach einer
schrecklichen Seuche, die viele Menschen getötet hat, ist das Leben auf der
Erde sehr schwierig geworden. Sie wird von Vampiren beherrscht, die die
Menschen wie Vieh hinter Zäunen in ihren Vampirstädten halten. Hier kann man
nur überleben, wenn man sich an gewisse Regeln hält und regelmäßig Blutzoll
schuldet. Seitdem Allison eine schwerwiegende und alles verändernde
Entscheidung für sich getroffen hat, sind diese Regeln, Verbote und das Leben,
das von Unterdrückung und Angst geprägt wurde, nicht länger Bestandteil ihres
Alltags. Doch eines hat sich für sie nicht geändert: der Wunsch sich ein Stück
ihrer Menschlichkeit zu bewahren. Auch wenn Allison viele Bedrohungen und bittere Umstände dank ihrer
neuen Fähigkeiten hinter sich lassen konnte, führt sie kein leichtes und
unbeschwertes Leben. In „Unsterblich – Tor der Nacht“, dem zweiten Band dieser
Reihe, muss Allison sich vielen neuen und schwierigen Herausforderungen und
Bedrohungen stellen. Die Seuche, die vor langer Zeit alles Leben auf der Erde
bedroht hat, ist erneut ausgebrochen und nur einer kennt die Wahrheit über den
Ursprung. Kanin, Allisons Schöpfer.
Mit hohen
Erwartungen und voller Neugier begann ich mit dem Lesen dieser Geschichte. Ich
sehnte mich förmlich nach den zurückgelassenen Figuren und wollte wissen, wie
dieses eher hoffnungslose Szenario weiter geht. Obwohl ein Jahr vergangen war,
erinnerte ich mich an viele literarischen Figuren und wichtige Ereignisse. Das hat
mir den Einstieg sehr erleichtert, auch dass Kagawa nahtlos dort ansetzte, wo sie im
vorherigen Band mit ihren Erzählungen endete. Durch diese Umstände und dank
eines sehr ausgereiften Schreibstils, konnte ich erneut in diese düstere und
sehr atmosphärische Welt abtauchen.
Mit Allison
war es wie mit einer Freundin, die man länger nicht gesehen hat. Sie hat sich
kaum verändert und ich fühlte mich sofort wohl an ihrer Seite und lauschte
ihren Erzählungen. Ihre Kämpfe sind dieselben geblieben und das Gefühl, ein
Fremdkörper in dieser Welt zu sein, ihr ständiger Begleiter. Allison fühlt sich
hin und her gerissen zwischen ihrem erwählten Schicksal und ihrer
Vergangenheit, die sie nicht loslassen möchte. Immer darauf bedacht, nicht
gänzlich ihre Menschlichkeit zu verlieren. Aber immer öfter treffen wir Leser
jetzt auf den Vampir und erleben schauerliche Szenen, wenn das Monster in ihr
nach Nahrung lechzt.   
 „Und doch, trotz der Schmerzen und des
tobenden Hungers realisiert ein Teil von mir, wie nah ich dem Abgrund bin, nur
noch einen Schritt davon entfernt, sich dem Wahnsinn zu ergeben, wenn der
Hunger letztendlich meinen Verstand zerschmettert und seinen Wirt unumkehrbar
in ein brutales Tier verwandelt. Wahnsinn, der – einmal erlangt – nicht wieder
abgestreift werden kann.“
  Seite 211
Es gibt
aber nicht nur bedrückende Passagen mit Allison. Ihre sehr unterhaltsamen inneren
Monologe und ihr sarkastischer Humor sorgen an den richtigen Stellen für etwas
Aufheiterung.
„Unsterblich– Tor der Nacht“ wirkte auf mich etwas ruhiger und nicht ganz so komplex wie
sein Vorgänger. Viele Episoden wurden sehr intensiv und ausgedehnt besprochen
und mit schier endlosen Dialogen bestückt. Auch wenn es einige aufregende
Ereignisse und blutige Kampfszenen gab, wurden diese etwas kürzer abgehandelt.
In diesem Buch liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Psychologie der sehr interessanten und
authentischen Protagonisten. Kagawa lässt den Leser direkt in die Köpfe ihrer
literarischen Figuren sehen. Aber Vorsicht! Es gibt viele sehr viele wandelbare Charaktere, die ihre
Mitmenschen (Mitvampire) an der Nase herumführen und falsche Tatsachen
vortäuschen. Auch wenn Julie Kagawa mich mit ihrem Händchen für
außergewöhnliche Figuren begeistern konnte, vermisste ich etwas Spannung in der
Handlung und leider stellte sich das Gefühl ein besonderes Buch zu lesen bei
mir nicht ein. Vielleicht kann sie es mit dem nächsten Buch wieder heraufbeschwören.

Titelübersicht:
Unsterblich #1 – Tor der Dämmerung
Unsterblich #2 – Tor der Nacht
Unsterblich #3 – Tor der Ewigkeit

Untserblich – Tor der Nacht von Julie Kagawa 
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten 
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2014
ISBN: 978-3453268692

13 Replies to “[Rezension] „Unsterblich #2 – Tor der Nacht“ von Julie Kagawa

    1. Danke dir! Die Reihe lohnt sich wirklich. Auch wenn ich mich dieser Teil nicht überzeugen konnte, warte ich gebannt auf den finalen Teil. Kagawa hat geniale Ideen zu diesem außergewöhnlichen Weltentwurf eingebautes wirklich gut umgesetzt.
      LG

  1. Hallo Kathrin,

    gebe dir vollkommen recht. Dieser zweite Teil war definitiv ruhiger. Allerdings habe ich mich total in die Reihe verliebt, schon, als mich der erste Teil völlig unerwartet umgehauen hat. Nun fiebere ich wirklich dem nächsten Band entgegen. Sehr schön beschrieben!

    Liebe Grüße

    Kay

    1. Ja, ich hatte mich auch in Band eins verknallt, vor allem weil man durch die zahlreichen Ereignisse kaum Zeit zum Luftholen hatte. Man wurde förmlich mitgerissen 🙂 Trotzdem warte ich gespannt auf den finalen Band. Hoffentlich dauert es nicht wieder ein Jahr.

      LG

  2. Oh Mann, ich will auch endlich weiterlesen. Hab das Buch ja schon hier, aber leider muss es noch ein wenig warten. Ich hoffe, ich komm bald dazu und mal sehen, ob ich dann der gleichen Meinung bin, wie Du 😉

    Liebe Grüße,
    Moni

  3. Hui, irgendwie ist die Reihe bisher an mir vorbei gegangen. Würdest du denn den ersten Teil empfehlen, obwohl der zweite jetzt eher lame ist? Oder sollte man Band drei abwarten und bei Besserung dann alles auf einen Schlag lesen?
    LG

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