"Überlebensgroß" von Mark Watson, Roman
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„Überlebensgroß“, der Titel von Mark Watsons neuem Buch,
brachte mich schon vor dem Lesen ins Grübeln. Überlebensgroße Abbildungen
kannte ich. Im Bezug auf Menschen, also Überlebensgroß als Eigenschaft, darüber
musste ich mir ein paar Gedanken machen. Überlebensgroße Menschen… ob ich ihnen
schon begegnet bin? Für mich sind das Kämpfer, die über sich hinaus wachsen und
fast unmögliches leisten, also zu großen Taten fähig sind. Unsere Gesellschaft
möchte überlebensgroße Menschen haben, ja eigentlich möchte jeder einen
überlebensgroßen Freund haben von dem er lernen kann. Doch sind diese Menschen
wirklich glücklich oder besser gefragt: Gibt es sie wirklich? Nun Dominic, der
Hauptprotagonist von „Überlebensgroß“ erzählt von einem überlebensgroßen
Menschen…

Jedes Wochenende ist Dominic umringt von glücklichen
Menschen, denn er ist Hochzeitsfotograf und darf somit die glücklichsten Tage
der Brautpaare festhalten. Für ihn persönlich scheint das Glück stets bei Anderen
Halt zu machen. Er empfindet sich als den typischen Loser, der immer in der letzten
Reihe sitzt und immer als letzter wahrgenommen wird und immer im Schatten
anderer steht. Einzig seine Schwester wird für ihn ein sicherer Halt, denn sie
begegnet ihm auf Augenhöhe und lässt ihn teilhaben an ihrem aufregenden
Lebenswandel.

Am Anfang dieser Geschichte durfte ich Dominic ein Stück
durch seine Kindheit begleiten und habe erfahren, was und wer ihn prägte. Er
ist in einer sehr konservativen Familie groß geworden. Probleme und Gefühle
wurden totgeschwiegen. Man sprach einfach nicht darüber. Der Leser erfährt, wie
es dazu kam, dass Dominic ein Leben im Hintergrund führt, stets geleitet von
Konventionen.

Es ist auch eine Liebesgeschichte, die auf den ersten
Blick sehr ungewöhnlich und verstörend ist. Aber je mehr der Leser von Dominic
erfährt, umso klarer wird auch sein Handeln und Lieben.

„Überlebensgroß“ von Mark Watson kommt ein wenig
schwermütig daher. Dominic kann in meinen Augen sein Glück nicht wahrnehmen und
definiert es über andere Menschen. Er verpasst es regelrecht und verbaut sich
viele Chancen darauf.

Wenn ich eine Liebesgeschichte lese, dann möchte ich die
schönen Seiten auskosten. Den Herzschmerz und jede Gefühlsregung am eigenen
Leib spüren. Jedoch Dominics Liebesleben war sehr verstörend für mich, nicht
nur wegen einiger Tabuthemen. Seine zum Teil lethargischen Züge haben mich
regelrecht verstimmt, provoziert und sehr negative Gedanken heraufbeschworen.
Er hat einfach alles über sich ergehen lassen, was im Nachhinein verständlich
ist, weil er es einfach nicht anders gelernt hat. Hinzukam kam seine nicht
enden wollende Zerrissenheit. Es war immer so, als strebe er ständig nach dem
Glück, doch wenn es vor ihm stand, konnte er es nicht sehen. Auch
die weniger dichte Handlung war ein Grund, warum ich mit dieser Geschichte
nicht warm wurde. Sie ist in einigen Kapiteln sehr zäh, in anderen sehr
sprunghaft und verwirrend. Mark Watson schaffte es trotzdem, mit seinem
ungewöhnlichen Stil, mich als Leser zu halten, denn ich war gespannt darauf, ob
Dominic es schafft, sich weiter zu entwickeln.

Mark Watson hat mit „Überlebensgroß“ keinen schlechten
Roman geschrieben. Er wird sicher einige Fans finden. Ich persönlich mochte den
Charakter dieser Geschichte einfach nicht, es war mir alles ein wenig zu grau
und pessimistisch.

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Überlebensgroß von Mark Watson
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten 
Erscheinungsdatum: 12. November 2012 
ISBN: 978-3453437128

5 Replies to “[Rezension] „Überlebensgroß“ von Mark Watson

  1. Pessimistische Bücher lese ich eigentlich nicht so gerne, weil ich sowieso schon oft negativ denke 😉 Trotzdem hat auch mich die Rezension neugierig gemacht. Vielleicht ein schwieriger und undurchsichtiger Charakter, der einem aber doch irgendwie gefällt?
    Auch der Titel und das Cover sind sehr interessant! Das Buch wird erstmal vorgemerkt!

    LG Anni

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