Liebe Kürbisgeister, an dieser Stelle sollte eigentlich eine
schaurigschöne Rezension erscheinen. Es tut mir wirklich sehr leid, aber hier und heute gibt
es nur die ultimative Lobhudelei und eine sehr theatralische Liebeserklärung –
an den großartigen und fantastischen Jonathan Stroud!

Ich dachte immer, nichts und niemand könnte mich je dazu
bringen, mich auf das Ende des Sommers zu freuen. Falsch gedacht. Bereits im
vierten Jahr in Folge gibt es in diesem Herbst einen neuen Fall der
Geisterjägerdetektei „Lockwood & Co“ zu lesen, eine Serie, der ich
regelrecht verfallen bin. Man könnte wohl sagen, ich bin süchtig. Weil ich es
nicht abwarten kann, kaufe ich das Buch einige Wochen vor dem deutschen
Erscheinungstermin im Original, aktiviere die letzten versprengten Reste meines
angestaubten Schulenglisches (klappt übrigens erstaunlich gut), lege mir
anschließend die deutsche Übersetzung zu und kröne das Ganze mit dem Hörbuch.
Süchtig, ich sag’s ja. Spätestens ab Januar stöbere ich auf Internetplattformen
nach dem Veröffentlichungsdatum des nächsten Bandes. Und deshalb schreibe ich, was ich jedes
Jahr schreibe: Diese Reihe ist genial! Sie ist witzig, sie ist originell, sie
ist gruselig. Wer sie noch nicht gelesen hat, darf sich glücklich schätzen,
denn er/sie kann einen echten literarischen Schatz entdecken. Diese Serie hält
konstant ihr Niveau und der neue Band „The Creeping Shadow“ („Das flammende
Phantom“) ist jeden einzelnen Cent seines Preises wert!

"Lockwood & Co: The Creeping Shadow" von Jonathan Stroud
Copyright: corgi childrens

Mit einem sagenhaften Sprachfundus für unheimliche
Atmosphäre zelebriert Jonathan Stroud seine Geisterjagden, baut leisen Grusel
auf, lässt den Leser zwischendurch erleichtert aufatmen, um sofort wieder eine
Gänsehaut entstehen zu lassen. So dicht wie bei Stroud wabert der Nebel
nirgendwo sonst. Ektoplasma ist nirgends eisiger und rostige Ketten klirren
nirgends schauriger. Diese Passagen sind umwerfend. Ich habe sie klar vor
Augen, ich spüre die Kälte, höre das leise Wispern von Stimmen und rieche den
Tee, den „Lockwood & Co“ regelmäßig kochen, um sich die Zeit bis zur nächsten
paranormalen Erscheinung zu vertreiben. Da sich die einzelnen Fälle immer sehr
gemächlich entwickeln, könnte man meinen, das alles würde irgendwann langweilig
werden. Wird es aber nicht. Niemals!
Der Charme der
Reihe aber entsteht (wie schon bei „Harry Potter“ oder den „Drei Fragezeichen“)
durch eine Kombination aus Spannung und Witz. Minutenlang kann man die Augen
nicht vom Papier lösen, vergisst das Blinzeln, vergisst das Atmen und im
nächsten Moment löst sich die ganze Spannung in einem Kichern auf. Herrlich!

Hinzu kommt eine außerordentlich liebevolle Zeichnung der
Charaktere, die jedes Jahr genauer wird. Die kleine Lockwood-Familie ist mir im
Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen – ich sorge mich um jeden Einzelnen von
ihnen und habe in diesem Teil mit ihnen gelitten wie nie zuvor. Dabei handelt es sich um einen
ziemlich unperfekten Haufen. Die Agenturmitglieder könnten unterschiedlicher
nicht sein, haben aber gelernt, die Stärken der jeweils anderen zu schätzen und
wechselseitig das Beste aus sich herauszuholen. Was sie auszeichnet, ist Mut
und Toleranz und im entscheidenden Moment füreinander da zu sein.
Im Mittelpunkt stehen
der exzentrische Chef der Detektei, Anthony Lockwood, Erzählerin Lucy, die mit
einem besonderen Talent des Geisterhörens ausgestattet ist und das verfressene
Recherchegenie George. Das Team ist jedoch nicht statisch, es wächst und
verändert sich und auch das ist ungewöhnlich und zeichnet die Reihe aus. Nach
dem phänomenal-zynischen, sprechenden Schädel, ist die unerträglich perfekte
Holly Munro zur Portland Row 35 dazugestoßen; dieses Mal gibt es für die
Agentur eine weitere überraschende Unterstützung.

Was man unbedingt über den neusten Band „The Creeping Shadow“ wissen sollte: Die losen Fäden der ersten drei Bände verweben sich nun
langsam. Das ist gut, weil man merkt, dass Stroud nicht ins Blaue hinein
schreibt. Es gibt in diesem Buch außerdem einige umwerfend eindrucksvolle
Schauplätze. Es geht tief unter die Erde in eine alte U-Bahn-Station hinein und
in ein heimgesuchtes Dorf. Die Kombination von Realem/Alltäglichen mit einer
völlig aus den Fugen geraten Geisterwelt sorgt auch dieses Mal für diesen
ungewöhnlichen Kontrast, dem ein ganz besonderer Zauber innewohnt.

Ach ja … hat Lucy nicht letztes Jahr der Detektei den Rücken
gekehrt? Jep! Hat sie. Wie Stroud dieses Problem löst, werdet ihr selbst sehen.
Denn wer die Serie bis hierher verfolgt hat, der wird, der muss (!) den neuen
Teil lesen, den meiner Meinung nach besten der Reihe. Aber das sage ich jedes
Jahr. Und obgleich ich weiß, dass diese herausragende Serie irgendwann enden
wird … bitte, bitte lieber, wunderbarer Jonathan Stroud, lassen Sie dies nicht
allzu schnell geschehen. Lassen Sie uns noch viele großartige Abenteuer mit
„Lockwood & Co“ erleben. Denn wie soll ich sonst künftig den ekelhaft
kalten, nassen Herbst verkraften? Wie habe ich das nur vor „Lockwood & Co“
geschafft? Gab es je eine Zeit vor „Lockwood & Co“? Kann es eine Zeit nach
„Lockwood & Co“ geben? Es schüttelt mich. Denn ehrlich gesagt: Die
Vorstellung, dass ich in diese fantastische Welt voll böser Geister und
knuspriger Kekse irgendwann nicht mehr werde eintauchen können, ist das
Allerallergruseligste an dieser tollen Reihe überhaupt!

Daher weigere ich mich entschieden zu glauben, dass es nur
noch einen weiteren Teil geben wird. Jonathan Stroud hatte ursprünglich vier
Bücher angekündigt. Inzwischen hat er auf fünf erhöht. Dem Verlag liegen
tatsächlich keine Informationen zu weiteren Büchern der Reihe vor. Ich finde, Flexibilität
ist eine lobenswerte Eigenschaft und hoffe, dass Stroud sich diese bewahrt.
Sechs ist doch auch eine schöne Zahl … oder sieben …oder acht oder …

WERBUNG
Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung

Lockwood & Co: The Creeping Shadow von Jonathan Stroud 
Taschenbuch: 560 Seiten 
Verlag: Penguin/Corgi Childrens 
Erscheinungstermin: 15. September 2016
Sprache: Englisch 
ISBN: 978-0552573153 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 – 11 Jahre

2 Replies to “[Rezension] „Lockwood & Co: The Creeping Shadow“ von Jonathan Stroud

  1. Mir hat bei Band drei auch etwas die Entwicklung Richtung Zielgerade gefehlt. Trotzdem liebe ich jedes einzelne Buch der Reihe so sehr. Möchtest du den vierten Teil haben, krink?
    LG

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