Die Spinnennetze sind gespannt, Kürbisköpfe geschnitzt und ein ansehnlicher Berg von Schokoriegeln und anderem Zuckerkram wartet darauf, bei Einbruch der Dunkelheit von Scharen kleiner Gespenster geplündert zu werden. Mit anderen Worten: Es ist Halloweeeeeeen!

Wie jedes Jahr hauen wir pünktlich zum Geisterfest ein paar buchige Empfehlungen raus, mit denen ihr euch heute und in den kommenden, dunklen Herbstwochen gruselnderweise die Tage vertreiben könnt. Auf geht’s, die Zeit drängt! Wir legen direkt los.

 

Moore, Mörder, Mississippi

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Tipp Nummer 1: An Mut mangelt es der 12-jährigen Evangeline nicht. Schließlich ist sie der Spross einer waschechten Familie von Geisterjägerinnen. Und auch, wenn ihr noch der passende Tiergefährte fehlt, nimmt sie es an den nebeligen Gewässern des Bayou gemeinsam mit ihrer Großmutter tapfer mit Banshees, Schattenbeißern und anderen Kreaturen auf. Als ein Auftrag aus New Orleans eintrifft, hofft Evangeline endlich beweisen zu können, was in ihr steckt und offiziell zur Geisterjägerin ernannt zu werden. Nichtsahnend, dass sie es mit den Mördern ihrer Mutter zu tun bekommt.

„Evangeline und die Geister des Bayou“ von Jan Eldregde ist ab der Hälfte ein bisschen zu vorhersehbar und auch die geheimniskrämerische Art der Großmutter verstimmt bisweilen. Das macht die Sache für Evangeline nämlich unnötig kompliziert und gefährlich. Aber hey… bei einem Kinderbuch wollen wir nicht überkritisch sein. Zumal die Geschichte ansonsten wirklich großartig und stellenweise richtig gruselig ist. Ein tolles Abenteuer, bei dem sich wunderbar mitfiebern und oft schmunzeln lässt. Für alle Gruselfans ab 10 Jahren, die sich nicht so leicht schrecken lassen, ein großer (Spuk-)Spaß!

Ein Duo startet durch

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Tipp Nummer 2: Noch sehr viel schauriger geht es in „Lupus Noctis“ zu, einem Jugendthriller ab 14 Jahren, der gerade erst erschienen ist. Sechs Jugendliche treffen sich zum Werwolf-Rollenspiel in einem alten Bunker, um den perfekten Nervenkitzel zu erleben. Aber etwas ist seltsam. Sind sie wirklich allein? Oder mischt ein ungeladener Gast in der Dunkelheit mit? Als der Schlüssel zum Ausgang verschwindet, bekommen es die Jugendlichen mit der Angst zu tun.

„Lupus Noctis“ war im Oktober DAS Highlight für mich. Ich hatte mir bei Audible das Hörbuch runter geladen und war total gefesselt von der unheimlichen Stimmung, der Dynamik zwischen den Figuren und auch von Sprecher Julian Horeyseck, der so atmosphärisch liest, dass man nur äußerst ungern Pausen einlegt. Die Geschichte beginnt harmlos und entwickelt sich zu einem klaustrophobischen Drama, das bis auf kleine Längen absolut stimmig ist. Im deutschsprachigen Raum war Ursula Poznanski in Sachen Jugendthriller bisher nahezu konkurrenzlos, aber Achtung… das Autorinnenduo Melissa C. Hill und Anja Stapor schwenkt auf die Überholspur ein.

Really a ghoststory, Riley?

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Tipp Nummer 3: Riley Sager alias Todd Ritter ist ein amerikanischer Journalist und Grafiker, der unter Pseudonym erfolgreich Thriller schreibt. Mit „HOME – Haus der bösen Schatten“ versucht er sich an einer Spukhausgeschichte, von der lange nicht klar ist, ob sich hier tatsächlich Übersinnliches zuträgt oder alles logisch erklären lässt. Ich hatte keine großen Erwartungen und wurde positiv überrascht. Um anspruchsvolle Literatur handelt es sich selbstredend nicht, aber um eine unterhaltsame, gar nicht so leicht zu durchschauende Mysterystory. Erzählt wird sie auf zwei Ebenen von der Unternehmerin Maggie und ihrem Vater, ein Schriftsteller, der mit seinem Buch über ein Spukhaus einen Bestseller gelandet hat. Eben jenes Spukhaus, aus dem die ganze Familie Hals über Kopf geflohen ist, als Maggie ein Kind war. 25 Jahre später erbt sie das Haus. Kaum ist sie wieder dort, geschehen unerklärliche Dinge. Ist Maggie in Gefahr?

Fantastisches Finale

Tipp Nummer 4: Zweimal habe ich an der leichtsinnigen Art von Cassidy Blake herumgenörgelt – endlich, im letzten Teil von Victoria Schwabs „City of Ghosts“-Reihe, ist Cassidy die scharfsinnige, warmherzige, mutige Protagonistin, von dem man immer ahnte, dass sie in ihr steckt. Unfassbar schade, dass die Serie nun zu Ende ist. „Der Bote aus der Dunkelheit“ ist

Copyright: cbj

zweifellos der stärkste der drei Bände, konstant spannend, mit viel Humor und einem tollen Zusammenspiel der Figuren, denen sich im Finale auch Lara aus Schottland wieder anschließt. Die Reise führt uns dieses Mal nach New Orleans, wo Cassidys Eltern neue Folgen ihrer Spukshow drehen und Cassidy sich mit einem gruseligen Skelettmann herumplagt, der zu einer echten Bedrohung wird. Jazz, Paraden, Friedhöfe, fantastisches Essen, geheime Gesellschaften, wunderbare Freundschaften, gespenstige Szenen und ein dramatischer Höhepunkt machen diesen Band zu einem absoluten Lieblingsbuch. Ein durch und durch stimmiges Ende.

Hallo, Hallo… Halloween

Tipp Nummer 5: Mehr als 40 Jahre lang trug Agatha Christies 60ster Kriminalroman in Deutschland den Titel „Die Schneewittchen-Party“, bis er – wohl der wachsenden Halloween-Popularität geschuldet – seinen Originaltitel zurückbekam: Die Halloween-Party.

Copyright: Atlantik Verlag

Wobei, wenn man ehrlich ist, sich die Handlung auch an Weihnachten, Ostern oder am Pfingstmontag zutragen könnte. Halloween wird exakt zweimal  erwähnt. Das eindrucksvoll halloweenig gestaltet Cover lässt da etwas mehr erhoffen. Immerhin kommen noch ein geheimnisvoller Garten, eine Dorfhexe und Satan persönlich ins Spiel, wenn auch eher mit einem kleinen Augenzwinkern. Angesichts des spannenden Plots und der herrlich ironischen Bemerkungen des belgischen Superhirns Hercule Poirot lässt sich darüber allerdings milde hinwegsehen. Poirot ermittelt im Fall einer ermordeten 13-jährigen, die während einer Party in einem Eimer ertränkt wurde. Kurz zuvor berichtete sie von einem Mord, den sie angeblich beobachtet haben will. Poirot und seine Freundin Mrs. Oliver wittern einen Zusammenhang und nehmen uns Leser*innen zu einem Rundgang durch den Ort Woodleigh Common mit, wo (wie immer!) sämtliche Verdächtige in die Zange genommen werden und wir uns aus viel Dorfklatsch die richtige Lösung zusammenreimen dürfen, was ausnahmsweise tatsächlich einmal möglich ist. Nur die allerletzte kleine Enthüllung scheint arg unwahrscheinlich. Sei’s drum: Wer sich für klassische Whodunnits begeistert, wird von der Queen of Crime auch zu Halloween fabelhaft unterhalten.

Pick-a-boo(k)

Und bevor wir uns mit einem enthusiatischen HAPPY HALLOWEEN verabschieden, noch der Hinweis: Schaut euch gerne weiter auf dem Blog um. Unter dem Suchbegriff „Halloween“ findet ihr jede Menge Tipps, die wir über die Jahre für euch zusammengetragen haben. Auch bei den aktuellen Beiträgen werdet ihr fündig. „Der kleine Geist, der sein Buh verlor“ von Elaine Bickell und Raymond McGrath: oder „Witches of Brooklyn – Total verhexte Tanten“ von Sophie Escabasse passen perfekt zum Thema und eignen sich auch für nicht ganz so furchtlose Leser*innen.

In diesem Sinne jetzt also: HAPPY HALLOWEEN!

 

WERBUNG
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Evangeline und die Geister des Bayou von Jan Eldredge
Original: Evangeline of the Bayou
Illustrationen: Isabelle Hirtz
Übersetzung: Inge Wehrmann
Verlag: Thienemann
Erschienen: 27. Juli 2021
Hardcover: 320 Seiten
ISBN: 978-3522185295
Empfohlenes Lesealter: ‎ab 10 Jahren

Lupus Noctis von Melissa C. Hill und Anja Stapor
Verlag: Dressler / Oetinger Audio
Erschienen: 15. Oktober 2022
Hörbuch: 11 Std. 54 Min. (Audible)
Gelesen von: Julian Horeyseck
Empfohlen: ab 14 Jahre

HOME – Haus der bösen Schatten von Riley Sager
Original: Home Before Dark
Übersetzung: Christine Blum
Verlag: dtv
Erschienen: 16. Februar 2022
Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN: 978-3423219884

City of Ghosts – Der Bote aus der Dunkelheit von V. E. Schwab
Original: ‎ City of Ghosts #3 – Bridge of Souls
Übersetzung: Tanja Ohlsen
Verlag: cbj
Erschienen: 13. Oktober 2022
Hardcover: ‎ 304 Seiten
ISBN: ‎ 978-3570179406
Empfohlenes Lesealter: ‎ ab 10 Jahren

Die Halloween-Party: Ein Fall für Poirot von Agatha Christie
Original: Hallowe’en Party
Übersetzung: Hiltgunt Grabler
Verlag: Atlantik
Erschienen: 4. Oktober 2018
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-3455004625

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