"Was ich dich träumen lasse" von Franziska Moll, Jugendbuch
Copyright: Loewe

Ich denke jeder hat bestimmte Wünsche, die er sich im Laufe
seines Lebens erfüllen möchte. Was geschieht aber, wenn man nur davon träumt,
sich diese Wünsche zu erfüllen oder wenn man irgendwann keine Zeit mehr um sie
zu verwirklichen?

Elena hat ihre erste große Liebe gefunden, nachdem sie schon
fast den Glauben ans Glück verloren hatte. Rico hat alles, was sie sich bei
einem Freund erträumt hat. Dieses junge Glück wird jäh zerstört durch einen
Autounfall, bei dem Rico schwer verletzt wird. Von nun an müssen andere um sein
Leben kämpfen, denn er ist seit diesem tragischen Unfall in ein tiefes Koma
versunken.
So ein Schicksal kann Menschen verändern und lässt sie auf
sehr unterschiedliche Weise agieren. Die einen zerbrechen an ihrer scheinbar
ausweglosen Situation und ergeben sich ihrer Hoffnungslosigkeit. Andere kämpfen gegen dieses Schicksal und
klammern sich mit Zuversicht an jede noch so kleine positive Veränderung. Auch
Elena will die Hoffnung um Ricos Leben und ihre Liebe nicht aufgeben. Sie
versucht die Schwärze seines Komas zu durchbrechen, indem sie ihm vertraute
Dinge zuflüstert, seine Lieblingsmusik vorspielt, ihn berührt, und nicht als
eine leblose Hülle sieht. Eines Tages findet Elena eine Liste mit zehn Dingen,
die Rico vor seinem Tod erleben wollte. Diese Liste bringt ihr Innerstes in Aufruhr,
denn endlich muss sie nicht mehr nur um Rico bangen. Sie hat durch diese Liste
eine Aufgabe bekommen und setzt alles daran jeden seiner Wünsche abzuarbeiten
und Rico von dem Erlebten zu berichten.
Wir Leser werden erst einmal völlig ahnungslos in diese
Geschichte eingeführt und dürfen für kurze Zeit das Glück von Rico und Elena
erleben. Bis zu dem tragischen und alles verändernden Moment. Und obwohl Elenas
Leben in diesem Augenblick fast zerbricht und sie sich wünscht die Welt würde
aufhören sich zu drehen, berichtet sie uns Lesern sehr tapfer und eindringlich
von ihrer Beziehung zu Rico. Sie lässt uns teilhaben an vielen glücklichen
Erinnerungen und so lernen wir sie und die Geschichte ihrer großen Liebe
kennen.
Die Charaktere in dieser Geschichte wurden sehr
nachvollziehbar gezeichnet und runden die Handlung ab. Bei einer Figur musste
ich mich jedoch wirklich Fragen, wieso die Autorin sich ausgerechnet einen
Menschen mit dieser beruflichen Qualifikation ausgesucht hat. Es gibt Menschen,
die sehr hart wirken und kein Blatt vor den Mund nehmen. Sie verletzen andere
ohne es wirklich zu bemerken und oft bezeichnen sie sich als Realisten. Diese
Rolle nimmt hier ausgerechnet ein Krankenpfleger ein. Ich muss erwähnen, dass ich
selbst in der Krankenpflege tätig bin und somit etwas voreingenommen bin und
ich möchte mit meiner Kritik nicht andeuten, dass dieser extravagante Charakter
Tim nicht in die Handlung passt. Nein, er ist mit seiner pessimistischen und
unverfrorenen Art ein starker Kontrast und sehr hilfreich, denn er lockt Elena
oft aus ihrer Traumwelt. Einzig der Beruf rief Zweifel an seiner Person hervor,
denn diesen Beruf wählt man nicht ohne Bedacht oder aus einer Laune heraus. Man
muss schon gewisse Ideale mitbringen, um diesen Beruf auszuüben und ich
zweifele daran dass Tim, so wie er hier beschrieben wird, sich diese
anspruchsvolle Arbeit ausgesucht hat. 
Der lakonische Schreibstil der Autorin passte gut zur
Grundstimmung dieser bewegenden Geschichte. Kurz gehaltene Kapitel mit noch
kürzeren und stockenden Sätzen, kombiniert mit einer etwas sprunghaften
Erzählweise, die mich manchmal dazu verleitet hat, über die Zeilen zu fliegen.
Franziska Moll hat sich in ihrem neuen Jugendbuch „Was ich dich träumen lasse“ einem sehr sensiblen und schwierigen Thema angenommen und
gut umgesetzt. Auch wenn diese Geschichte sehr bewegend und manchmal auch sehr
traurig ist, erkennt man deutlich die Botschaft die Franziska Moll in ihren
Zeilen verewigt hat: Lebe deine Träume, sonst ist dein Leben ein verlorenes
Gut…

Was ich dich träumen lasse von Franziska Moll 
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten 
Verlag: Loewe  
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2014  
ISBN: 978-3785578452

7 Replies to “[Rezension] „Was ich dich träumen lasse“ von Franziska Moll

    1. Jetzt grübele ich schon eine ganze Weile was du mit enger Bindung meinst. Ich fand die beiden hatten schon eine sehr innige Bindung vor diesem Unfall. Ihre Beziehung war meiner Meinung nach sehr reif und intensiv. Meinst du vielleicht die Bindung nach diesem Ereignis?
      LG

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