"Verletzlichkeit macht stark" von Brené Brown, Sachbuch
Copyright: Goldmann

Geschichten als beseelte Daten

2013 war ein Jahr, das ich persönlich nicht als
schrecklich oder katastrophal bezeichnen würde, aber dennoch war es ein anstrengendes
und ungewöhnliches. Für mich selbst am erstaunlichsten war die
offensichtliche Neuausrichtung bzw. Umorientierung vieler
Menschen in meinem Umfeld. Extrem viele schöne Momente haben mir 2013 einen
Energieschub verschafft, der mich auch in unangenehmen oder dunklen Momenten nicht
wirklich verzweifeln lässt – Keeping the faith
Einher geht damit ein neues Gefühl größerer Freiheit, Freude
und Verbundenheit – grundsätzlich notwendig nicht nur für mich, um ein authentisches
Leben
führen zu können.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb sprach mich ein
Buchtipp der besonderen Art an, da sich die Autorin vor allem der Frage nach
der Möglichkeit eines Lebens aus vollem Herzen – wie es so schön in
einem meiner geliebten und viel zitierten Lieblingssongs von Bon Jovi
heißt my heart is like an open highway – widmet. Aber keine Angst, wir
driften hier nicht in die esoterische Ecke ab, der ich zwar nicht ganz
abgeneigt bin, aber Brené Brown, die sympathische Autorin von Verletzlichkeit macht stark, ist in ihrem Metier höchst anerkannt und geht sehr
professionell zu Werke.

Sie ist Wissenschaftlerin – aus vollem Herzen
und mit der Messlatte in der Hand, als sie sich auf die Suche nach dem
Ursprung vieler Ängste und Probleme in unserer von der Kultur des Mangels geprägten
Gesellschaft macht. Sie nimmt sich vor, ein Jahr für die Erforschung dieser
Ursachen zu investieren. Aus diesem einen Jahr werden sechs. Die Ursache ist
bald erkannt und benannt: Scham. Das Gefühl, nicht zu genügen,
abgeschnitten zu sein vom Leben, keine Zugehörigkeit zu empfinden. Also etwas
das wohl jeder und jede schon einmal in irgendeiner Art und Weise kennengelernt
hat. Verhindern kann man ein solches Empfinden kaum, aber man kann sich dagegen
wappnen. Auch das hat Brown herausgefunden und sich die Interviews mit den
Menschen, die eine hohe Schamresilienz entwickelt haben – also
Möglichkeiten gefunden haben, mit Situationen, die ein solches Gefühl
hervorrufen, möglichst gut umzugehen – ganz genau analysiert. Für Menschen mit
einer hohen Schamresilienz ist eines klar: sie sind verletzlich
und nehmen diese Verletzlichkeit sehenden Auges an.

Genau das ist es, was die Sozialforscherin mit der Messlatte
aus der Bahn wirft. Verletzlichkeit ist ihr ein Gräuel. Sie erleidet
nach ihren eigenen Aussagen einen Nervenzusammenbruch, sucht sich eine
Therapeutin und knobelt ein Jahr an diesem Problem. In diesem Jahr zieht sie
sich aus der Forschung zurück und kommt danach wieder, um weiter aus vollem
Herzen über Scham, Verletzlichkeit und die Notwendigkeit, die Verletzlichkeit
durch Selbstwertgefühl anzunehmen, zu forschen.

Brené Browns Verletzlichkeit macht stark ist
ein Buch, das aus vollem Herzen gelebt und geschrieben wurde. Ein wichtiges
Buch, um Rollen in Beziehungen zu hinterfragen, Liebe und Mitgefühl in unser
Leben zu bringen oder sie dort zu halten, Menschlichkeit einzufordern, egal ob
im privaten oder beruflichen Bereich. Jeder fühlende Mensch, der authentisch
leben möchte, ohne sich zu verbiegen, wird sich in diesem Buch mehr als einmal
wiederfinden und dankbar sein, für die warme Anteilnahme, die sachliche und
trotzdem nie kühle Darstellung und die menschliche Art Forschungsergebnisse für
das Leben zu übersetzen.

Dankbar bin ich für diesen wahren Augenöffner,
der immer sanft und einfühlsam mit dem Leser umgeht. Wege aufzeigt aus
unangenehmen Situationen, keine Schuld zuweist, nie wertet, sondern nur
annimmt. Als Mutter eines bald Fünfeinhalbjährigen, der frei und offen, ohne
Ängste und nicht in einer zu klein werdenden Kiste aufwachsen soll,
werde ich dieses Buch sicherlich immer wieder in die Hand nehmen, um meinen
Standpunkt jeden Tag aufs neue auszurichten. Auszurichten auf ein Leben, das
keine Sicherheiten geben kann, das man aber mit Sicherheit aus vollem Herzen
besser lebt.

Empfehlen will ich dieses wunderbare Buch jedem, ohne
Ausnahme. Denn es bereichert und plädiert auf allen Ebenen dafür, den Menschen
einfach nur dadurch ihre Würde wiederzugeben, indem man sie erkennt und ihnen
in die Augen sieht, wenn man mit ihnen spricht. Denn wir Menschen sind
Beziehungswesen – und haben wir einen Tag, an dem wir „ … nicht die Energie
oder Zeit dafür haben, sollten wir zu hause bleiben.“
S. 180

In diesem Sinne, lasst uns Ich-Du-Beziehungen schaffen und
die Ich-Es-Beziehungen aufgeben und damit unsere Spiritualität erkennen und
nähren.

WERBUNG
Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung



Verletzlichkeit macht stark von Brené Brown 
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten 
Verlag: Kailash
Erscheinungsdatum: 26. August 2013 
ISBN: 978-3424630794

One Reply to “[Rezension] „Verletzlichkeit macht stark“ von Brené Brown”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.