"Fangirl" von Rainbow Rowell, Jugendbuch
Copyright: Hanser

Zwillingen – besonders den eineiigen – wird nachgesagt, dass
sie ein ganzes Leben lang eine besondere Bindung haben. Sie umschlingt ein
unsichtbares Band, das sie auf eine bestimmte gemeinsame Gefühlsebene versetzt,
die niemand sonst erreichen kann. Schmerzhaft wird es für ein Zwillingspaar,
wenn sie sich während der Pubertät nicht nur von ihren Eltern abnabeln müssen,
sondern auch voneinander, um ihren eigenen Platz im Leben zu finden. Die Zwillinge
Cath und Wren sind auch durch ein stabiles Band verbunden. Doch nun beginnt für
beide mit dem College ein neuer Lebensabschnitt. Wren scheint nun andere
Interessen zu entwickeln und entfernt sich zunehmend von ihrer Schwester. Für
Cath sind diese Entwicklungen ein harter Schlag und machen ihr Angst. Anstatt
sich diesen Ängsten zu stellen und sich in das für sie neue College-Leben zu integrieren,
kehrt sie lieber der realen Welt den Rücken und verliert sich beim Schreiben
von Fanfiction in einer magischen Welt – wo es keine bösen Überraschungen gibt,
weil Cath die Fäden zieht und alle Ereignisse bestimmt. Doch irgendwann muss sie
auf schmerzliche Weise lernen, dass die wichtigen Schritte außerhalb der
eigenen Komfortzone gemacht werden.

In ihrem neuen Roman „Fangirl“ beschreibt Rainbow Rowell in
einem sehr eindringlichen Stil die Veränderungen in der besonderen Beziehung zwischen den
Zwillingen Cath und Wren – obgleich Wren für den Leser eher im Hintergrund agiert. Die Geschichte von Cath dem Fangirl gleicht meiner Meinung nach
einer sehr intensiven Charakterstudie eines jungen Menschen, der sich nach
vielen schmerzlichen Erfahrungen eine eigene Welt erschaffen hat, um den
eigenen Schmerz nach zahlreichen Verletzungen abzumildern. 
Als Leser
erfährt man mit jeder gelesenen Passage, wie Caths bisheriges Leben verlaufen ist
und was sie angetrieben hat eine virtuelle der realen Welt vorzuziehen.
Man erlebt, wie Cath nach und nach gezwungen wird sich weiterzuentwickeln, um
aus ihrer Komfortzone auszubrechen, sich echten Menschen öffnen und an sich
selbst zu glauben. Und was könnte verlockender sein, als die Liebe?

„Fangirl“ von Rainbow Rowell ist ein Buch, das seine Leser
durch ruhiges Fahrwasser dahintreiben lässt. Die Geschichte entwickelt sich erst
nach und nach, dann aber stetig. Cath wird mit jedem neuen Kapitel etwas
offener und berichtet auf eindringliche Weise über die vielen Brennpunkte in
ihrem Leben.
Ein für mich uninteressanter Brennpunkt war Caths Leidenschaft für Simon
Snow. Genauer gesagt nicht ihre Leidenschaft für die literarische Figur – jeder
sollte für etwas brennen -, sondern die Vielzahl an Textpassagen aus den Simon
Snow Büchern und die von Cath geschriebene Fanfiction, in der sie ihre
Fantasien auslebt. Ich persönlich konnte diesen Texten nichts abgewinnen. Vielmehr
wollte ich über Caths reales Leben erfahren. Um ihre Leidenschaft für den
Magier nachvollziehen zu können, hätte mir die Lektüre „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ von Rainbow Rowell womöglich etwas auf die
Sprünge geholfen. Beide Bücher scheinen genau wie Cath und Wren eine besondere
Verbindung zu haben.

Rainbow Rowell scheint mit „Fangirl“ die Leserschaft zu
spalten. Die einen überschlagen sich mit Lob, die anderen mit negativen
Kritiken. Ich sitze buchstäblich zwischen den Stühlen, denn einerseits habe ich
sehr gerne viele interessante und eindringliche Stunden mit der außergewöhnlichen und
so menschlichen literarische Figur Cath und einer erfrischenden Liebes- und Lebensgeschichte
verbracht. Andererseits haben einige Längen und die Textpassagen zum Thema
Simon Snow aus dieser Geschichte meine Geduld etwas strapaziert. 


Fangirl von Rainbow Rowell
Originaltitel: Fangirl
Übersetzung: Brigitte Jakobeit
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten 
Verlag: Carl Hanser Verlag 
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2017 
ISBN: 978-3446257009 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 16 Jahre

4 Replies to “[Rezension] „Fangirl“ von Rainbow Rowell

  1. Hey =)

    mir waren die Längen überhaupt nicht bewusst =). Ich habe allerdings "Aufsteig und Fall des außerordentlichen Simon Snow" auch schon vor "Fangirl" gelesen. Ich kannte also die Charaktere und Handlung aus Simon Snows Welt schon sehr gut. Das war auf jeden Fall ein Vorteil.

    LG
    Anja

  2. Bonjour Katrin! 🙂
    Um dieses Buch gab es ja wirklich einen unglaublichen Hype. Deine Rezension liest sich da etwas weniger begeistert, aber sehr informativ. Für mich ist es kein must-read… ein bisschen Neugier bleibt aber.
    Liebe Grüße. Nach drei Wochen Urlaub muss ich gleich mal stöbern, welche Bücher du sonst noch vorgestellt hast.

  3. @Anja
    Die Längen hatten nicht nur mit Simon Snow zu tun. Ich denke es ist einfach Geschmacksache.

    @Gisela
    Dann berichte unbedingt, wie es dir gefallen hat.

    @Lex
    Da bist du wieder! Wie schön 🙂 Waren es wirklich 3 Wochen? Wie habe ich das nur ausgehalten?
    Du solltest auf jeden Fall "Eleanor & Park" lesen. Da kannst du nichts falsch machen.

    Viele liebe Grüße

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