"Eine Woche voller Montage" von Jessica Brody, Jugendbuch
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Es gibt Tage, an denen wirklich alles schief geht. Erst
neulich bin ich mit dem linken Bein aufgestanden und mein Tag geriet in die schiefe
Bahn. Alles, aber auch alles, was ich in die Finger bekam, ging kaputt oder funktionierte
nicht, ständig stieß ich mir den Kopf und kam zu spät zur Arbeit, weil
plötzlich 40 Kühe mein Auto blockierten. Danach wünschte ich mir, dass dieser
Tag einfach nur ganz schnell vorbeigeht, um ihn für immer aus meinem Gedächtnis
zu löschen. Und am liebsten hätte ich mich für den Rest des Tages bei allen abgemeldet
und wäre einfach für die restlichen Stunden im Bett mit einem guten Buch
geblieben. Die passende Lektüre habe ich genau an diesem schrecklichen Tag zur
Hand gehabt: „Eine Woche voller Montage“ von Jessica Brody. Denn die
literarische Hauptfigur Ellie durchlebt in dieser Geschichte einen schrecklich
verkorksten Montag, der ein dramatisches Ende nimmt: Ihr Freund Tristan macht
mit ihr Schluss.

Wenn man so einen ähnlich schrecklichen Tag wie Ellie erlebt
hat, kann man sehr gut verstehen, warum sie sich nach dieser Katastrophe
wünscht, den Tag noch einmal von Neuem zu beginnen. Die Zeit zurückdrehen, um
alles richtig zu machen. Manche Wünsche gehen in Erfüllung und so erlebt Ellie
ihren größten Albtraum jeden Tag aufs Neue.


Meiner Meinung passieren viele Dinge nicht ohne einen Grund
und ich würde fast behaupten, dass es sogar manchmal gut ist, denn oft geht man
gestärkter aus diesen Ereignissen hervor, als einem bewusst ist. Ellie braucht
etwas länger, um gewisse Dinge für sich klarer zu sehen und genau das macht
diese Geschichte äußerst interessant. 
Die literarische Hauptfigur wirkt anfangs
wie ein sehr oberflächlicher Teenager und ist, während sie uns von dem
schrecklichsten Tag ihres bisherigen Lebens erzählt, vor allem auf sich selbst
bezogen. Sie durchlebt viele Phasen, die man absolut nachvollziehen kann und
hadert mit ihrem Schicksal, quält sich mit Gedanken wie: Hätte ich dieses nicht
getan, wäre jenes nicht passiert. Dabei – als müsste sie die gesamte Last der Welt auf ihren Schultern tragen – bemerkt sie nicht, welche Dinge
um sie herum geschehen. Doch mit jedem neu erlebten Montag fallen ihr mehrere Details
und Ereignisse auf, die ihr vorher entgangen sind. Diese Momente habe ich sehr
genießen können, weil sie mir gezeigt haben, wer die Person Ellie wirklich ist
und worauf es im Leben ankommt.

Zu Beginn der Geschichte hatte ich ein wenig Schwierigkeiten
mit dieser Geschichte, denn Brody ließ ihrer Protagonistin viel Raum, um
über ihren entsetzlichen Tag zu berichten. Jede noch so belanglose Situation
wurde sehr bildhaft, aufs dramatische erzählt und ausgeschmückt. Aus diesem
Grunde fand ich lange keinen Draht zu Ellie, weil sie oberflächlich, ich-bezogen und manchmal etwas aufgesetzt wirkte. Was sich im Laufe der Handlung
jedoch durch viele interessante, tiefsinnige und humorvolle Ereignisse änderte. 
Die Person Ellie wird an jedem Tag mit Dingen konfrontiert, denen sie vorher keine
Beachtung geschenkt hat und für Themen sensibilisiert, die sie vieles klarer
sehen lassen. All diese Begebenheiten führen Ellie in ihrer eigenen Entwicklung
voran und lassen sie erkennen, wer sie selbst eigentlich ist. Auf dem von Brody
beschrieben Weg zum eigenen Ich habe ich Ellie fortan gerne begleitet. Und
nachdem ich „Eine Woche voller Montage“ beendet hatte, passte für mich einfach alles
zusammen.

„Eine Woche voller Montage“ von Jessica Brody ist eine
charmante und humorvolle Geschichte, die ihren Lesern viele schöne Lesestunden
bereitet und sie für die wirklich wichtigen Dinge im Leben sensibilisiert.

Eine Woche voller Montage von Jessica Brody 
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten 
Verlag: Magellan 
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016 
ISBN: 978-3734850226 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 16 Jahre

4 Replies to “[Rezension] „Eine Woche voller Montage“ von Jessica Brody

  1. Hallöchen =)

    Eine Idee a la "Täglich grüßt das Murmeltier" ist ja nicht wirklich neu, aber ich mag solche Geschichten grundsätzlich sehr gerne.
    Ich weiß bloß grad nicht, ob ich wirklich die Geduld habe, mir jede auch noch so belanglose Situation des Tages schildern zu lassen. Das klingt anstrengend =).

    LG
    Anja

  2. Ich finde eine Idee muss nicht neu sein, um zu überzeugen oder zu unterhalten. Man muss halt etwas daraus machen.

    Ja, den ersten Tag fand ich auch etwas anstrengend. Die darauffolgenden Tage sind allerdings anders gestaltet und nicht so ausführlich und langatmig.

    LG
    Katrin

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