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Stephen Kings Romane begleiten mich seit meiner Jugendzeit und haben mich in den letzten Jahren mal mehr, mal weniger stark begeistert, meistens aber gut unterhalten. Wie zuletzt „Der Outsider“. Sein neuestes Buch, „Das Institut“, gehört für mich nicht zu seinen besten, hat aber seine Momente.

Stephen King widmet sich wieder einigen Lieblingsthemen. Es geht um Telepathie, Telekinese. Im weiteren Sinne auch um die Gabe, die Zukunft vorherzusagen. Um eine verbrecherische Geheimorganisation, Politik und Verschwörungen.

Alltag im Institut

Zunächst holt King ein wenig aus. Wir folgen dem ehemaligen Polizisten Tim Jamieson auf 70 Seiten bei seiner Reise quer durchs Land bis ins kleine Örtchen DuPray, wo er sich um eine Anstellung als Nachtwächter bewirbt. Was dieser Nachtwächter bzw. „Nachtklopfer“ (wie King ihn nennt) mit der Haupthandlung zu tun hat, wird erst später klar. Sicher ist nur, dass sein Weg auf irgendeine Weise den des hochintelligenten, zwölfjährigen Luke kreuzen wird, der entführt und nach Maine (!) verschleppt wird, in eine Einrichtung, die kurz „das Institut“ genannt wird und in der paranormal begabte Kinder, für politische Zwecke ausgebeutet und gequält werden.

Sicherheitseinrichtung mit Sicherheitsmängeln

Den Anfang empfand ich als gelungen – ja, selbst die einleitenden Nachtklopfer-Kapitel. King schreibt angenehm, mit leichter Feder. Da man noch keine genau Idee hat, was hinter allem steckt, spielt man im Kopf verschiedene Ideen durch und wartet natürlich auch auf Lukes im Klappentext angekündigte Flucht.

Man lernt die Kinder kennen, leidet mit ihnen. Ihr Alltag wird detailliert beschrieben. Die Dinge, die sie ertragen müssen, erinnern teilweise an Foltermethoden, die man sich gut in US-Gefängnissen für Terrorverdächtige vorstellen könnte. Das ist aufwühlend, dazwischen lässt King über lange Strecken Ruhe aufkommen. Dieser Effekt liegt vielleicht auch an einem gewissen altmodischen Flair der Geschichte. Denn dem Leben im Institut haftet etwas Anachronistisches an. Moderne Technik spielt weitestgehend keine Rolle. Genauso gut hätte „Das Institut“ in den 1960/70er Jahren spielen können. Oder noch früher.

Mit der Spannung ist es ein ewiges Auf und Ab. Gewisse Längen kann man bis zur Mitte noch gut verzeihen, auch wenn die Geheimnisse des Instituts den Leser*innen lange vor der offiziellen Auflösung bekannt sein dürften und die vielgepriesene Flucht nach mehreren hundert Seiten auf enttäuschend fantasielose Weise eingeleitet wird. Simpler geht es kaum. Ist King da wirklich nichts Besseres eingefallen? Wer auf ein raffiniertes Ausbruchsszenario hofft, sollte seine Erwartungen herunterschrauben.

Pulver verschossen

Immerhin verdichtet sich die Handlung jetzt noch einmal stark und lässt zeitweise sogar an ein aufregendes Abenteuer im Tom-Sawyer-Stil denken. Das kurz darauf leider abrupt endet – mit der Eröffnung des großen Show-Downs. Es ist wirklich schade. Aber im letzten Drittel zerfiel die Geschichte für mich komplett. Erst eine Ballerei, die an Trivialität kaum zu überbieten ist, danach ewiges Gerede. Ganz schlimm: Der Auftritt des Oberschurken, der lang und breit seine Motive erörtert. Völlig unnötig! Völlig unglaubwürdig! Von mehreren Logikfehlern ganz zu schweigen. (Daten auf einem USB-Stick kann man übrigens recht einfach kopieren, lieber Herr King!)

Die Figuren sind, wie so oft bei King, arg schweiß-weiß. Fast durch die Bank wird die böse Institutsseite durch üble Klischee-Schergen, Typ „Nazi“, repräsentiert, die wiederholt mit Mengele und Co verglichen werden (ein Gedanke, der den Leser*innen sicher auch selbst gekommen wäre!). Auch Tim und die Kids glänzen nicht gerade durch Vielschichtigkeit. Aber sie sind sympathisch, so dass man durchaus mit ihnen mitfiebert.

Die vielen Seitenhiebe auf Trump (von einigen Leser*innen kritisiert) störten mich nicht allzusehr. Da sie keinen direkten Bezug zur Handlung haben, hätte man sie aber auch begrenzen können.

„Trump und seine Spießgesellen haben alles gestrichen. Die haben von Kultur nicht mehr Ahnung als ein Esel von Algebra.“

Fazit: Die Geschichte ist nicht schlecht. Sie liest sich angenehm, wie üblich. Eine Mischung aus Jugendabenteuer, Horror und politischem Roman, die vielversprechend beginnt, aber zunehmend abflacht. King war für mich schon immer in den ersten Hälften seiner Bücher am besten. So auch hier. Trotz Action gibt es gegen Ende kaum noch Spannung, keine Kreativität, keine Überraschungen, dafür viele Längen und Klischees. Alles in allem ein Schmöker mit Schwächen.

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„Das Institut“ von Stephen King
Originaltitel: The Institute
Übersetzer: Bernhard Kleinschmidt
E-Book: 768 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 9. September 2019
ISBN: 978-3453272378

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