"Café Morelli" von G.R.Gemin, Jugendbuch
Copyright: Carlsen

Essen ist Leben

Nachdem mich G.R.Gemin mit seinem Debüt „Milchmädchen“ restlos
begeistern hat, war die Freunde groß, als ich von seinem neuesten Werk „Café
Morelli“
erfuhr. In dieser Geschichte gibt es Wiedersehen mit der kleinen walisischen
Siedlung Bryn Mawr, in der auch schon Gemins letzte Handlung stattfand. Jedoch
spielt sich in dieser Handlung alles etwas zentraler in der Innenstadt ab. Die
High Street mit ihren Geschäften ist Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse in
diesem Buch. Insbesondere das Café Morelli, welches seine glorreichen Zeiten
längst hinter sich gelassen hat. Einst war dieser Ort ein
Treffpunkt für Menschen, die eine Vorliebe für die italienische Küche hatten.
Doch genau wie die anderen Geschäfte der High Street, verfällt auch dieses
Café, weil die Kunden wegbleiben. Nur ein paar verlorene Seelen verirren sich
noch hierher.

Der 14-jährige Joe ist der Enkel des italienischen
Betreibers, der sich schon länger mit der Entscheidung herumplagt, das Café zu
schließen. Joe kann das jedoch nicht einfach so hinnehmen. Schließlich ist
dieser Ort ein wichtiger Teil seiner Familiengeschichte.

Haben Erwachsene ihre Fantasie verloren? Geben sie manchmal
etwas zu früh auf, weil es aus ihrer Sicht einfach keinen Sinn mehr macht, an
etwas festzuhalten – egal, wie wertvoll es ist? Joe hingegen hat eine blühende
Fantasie und versucht mit vielen unkonventionellen Ideen, die nicht für jeden
nachvollziehbar und rational sind, das Geschäft zu retten. Joe muss auf seinem
Weg viele Niederlagen einstecken, gerade weil die Erwachsenen sehr lethargisch
agieren, weil ihnen die Ideen fehlen und sie längst aufgegeben haben.

Das Herzstück dieser Geschichte und ein wichtiger Teil ist
das italienische Essen. Nach vielen Jahren ist das Angebot im Café sehr
begrenzt und als Leser ahnt man, warum es nur selten Gäste beherbergt. Frischer
Wind und einen Hauch Dolce Vita weht erst mit der Ankunft einer weiteren
Protagonistin durch das Café und durch die umliegenden Gassen: Joes Cousine
Mimi reist nach einigen unvorhergesehenen Ereignissen aus Italien an, um zu
helfen und versetzt mit ihren großartigen Kochkünsten alle in Verzückung – auch
den Leser, denn oft waren die Beschreibungen sehr detailliert, sodass ich das
Gefühl hatte, dass die Buchseiten bestimmte Düfte und Aromen, wie von
italienischem Café oder speziellen Köstlichkeiten, verströmten und mir einen
enormen Appetit bescherten.

Das Buch „Café Morelli“ ist viel mehr als eine Geschichte
über ein altbackenes Café und der Kampf eines Teenagers für dessen Erhalt. Es
ist vielmehr eine stimmungsvolle und manchmal melancholische Geschichte über die
Suche nach den eigenen Wurzeln und einer Möglichkeit die eigene Familiengeschichte
zu bewahren, gespickt mit einigen geschichtlichen Ereignissen aus der
Vergangenheit von Bryn Mawr. Sehr gelungen fand ich auch, dass G.R.Gemin viele
verschiedene Kulturen in die Handlung mit eingebracht hat, die die literarische
Hauptfigur Joe mit einer erstaunlichen Offenheit auf wunderbare Weise
zusammenführt.

G.R.Gemin hat sich für seine neue Geschichte erneut
Charaktere ausgesucht, die ein Außenseiterdasein fristen, weil sie nicht immer
auf der Sonnenseite des Lebens stehen und trotzdem finden sie ihren Weg und
sind bereit etwas zu wagen, auch wenn es viele Hürden zu überwinden gibt. Als
Leser wird man sofort von diesen Protagonisten eingenommen und sympathisiert
mit ihnen.

Trotz des einfach gehaltenen Schreibstils bekommt man beim
Lesen nie das Gefühl, dass die Handlung zu leichtfüßig und ohne Tiefgang
gestaltet wurde. Oft gibt es Missstimmungen, die zwischen den Zeilen
mitschwingen. Diese werden vom Autor einfach benannt, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger
darauf zu reagieren. Viele Passagen sind mit gewichtigen Botschaften über
Freundschaft und Familie versehen, die zeitlos sind.

Geschichten, die das Leben schreibt, sind für mich die schönsten.
Schon in meiner Kindheit war ich völlig fasziniert von den Geschichten aus der
Vergangenheit meiner Oma. Irgendwie waren diese Erlebnisse auch ein Teil von
mir, denn ohne diese Geschehnisse würde es mich heute vielleicht nicht geben.
Genauso empfindet es die literarische Hauptfigur Joe, als er seinem Großvater
lauscht, der über die vielen manchmal auch dramatischen Ereignisse aus seiner
Vergangenheit berichtet. Insbesondere diese Schilderungen bereichern dieses
Buch und machen „Café Morelli“ zu etwas ganz besonderem.

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Café Morelli von G.R.Gemin
Übersetzung: Gabriele Haefs 
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten 
Verlag: Königskinder
Erscheinungstermin: 29. September 2017 
ISBN-13: 978-3551560438 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren

3 Replies to “[Rezension] „Café Morelli“ von G.R.Gemin

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