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Eigentlich gefällt mir die Idee zu „Acht perfekte Morde“ gut, auch wenn sie nicht ganz neu ist. Die ersten Kapitel las ich mit Spannung und Spaß. Dass sich recht früh ein bestimmter Verdacht aufdrängte, störte mich nicht. Es könnte ja immer auch alles ganz anders kommen. Aber dass Peter Swanson nach einem guten Drittel mehr oder weniger explizit auf die Auflösung hinweist, hat der Sache das Genick gebrochen.

Es beginnt mit einem Buchhändler namens Malcolm, der während eines Schneesturms von einer FBI Agentin aufgesucht wird. Diese meint einen möglichen Zusammenhang zwischen diversen Morden und einem Blogeintrag zu sehen, den Malcolm vor einigen Jahren verfasst hat. Titel: Acht perfekte Morde. Malcolm listet darin Bücher auf, in denen seiner Ansicht nach perfekte Verbrechen dargestellt werden. Kann es sein, dass jemand diese Liste nach und nach „abarbeitet“? 

Morden nach Plan

Meinem Eindruck nach geht Peter Swanson nicht ausgeklügelt genug vor. Wer schon Bücher von ihm kennt, weiß, dass er gerne Twists einbaut. Aber die Hintergründe sind dieses Mal zu früh offensichtlich und der Weg bis zur großen Enthüllung über viele Seiten hinweg nicht interessant genug, um zu fesseln.

Von Beginn an irritieren einige Ungereimtheiten. Hat das Lektorat geschlampt oder soll das so sein, fragt man sich? Buchhändler Malcolm stürzt sich viel zu eifrig zusammen mit FBI Agentin Gwen in die Ermittlungen. Sein Engagement wirkt übertrieben, die Redseligkeit der Agentin gegenüber einem Außenstehenden unglaubwürdig. Mit jedem Kapitel kommen neue Seltsamkeiten dazu. Ein Verdacht drängt sich auf. Und wird kurz darauf vom Autor bestätigt.

Natürlich enthüllt Swanson nicht die ganze Wahrheit. Aber für den Leser ist es nur ein kleiner Schritt, sie zu erraten. Auch wenn ich zugebe: Am Ende wird es etwas unübersichtlich. Hatte der Autor noch Hintergedanken? Aber da Swanson einen ähnlichen Kniff nicht zum ersten Mal anwendet und ich dummerweise gerade erst einen Krimi von ihm gelesen habe, in dem er ganz ähnlich trickst, gehe ich vom Naheliegenden aus: Es ist tatsächlich alles viel zu offensichtlich.

Buchinspirationen für Krimifans

Genossen habe ich die vielen Verweise auf Kriminalliteratur, die meisten aus der goldenen Ära des Genres. Umrahmt von der anfänglich winterlich-gemütlichen Kulisse, entspann sich eine schöne Atmosphäre.

Fazit: Eine ambitioniertes Vorhaben, das meinem Empfinden nach nicht ganz geglückt ist. Swanson will seine Leser*innen aufs Glatteis führen, gerät dabei aber selbst ins Schlingern. Die Auflösung lässt sich zu früh erraten. Wer Spaß daran hat, trotz Ahnungen Hinweise zu sammeln und einen Streifzug durch die Krimiwelt zu unternehmen, könnte sich mit „Acht perfekte Morde“ amüsieren. Aber Achtung: Enthalten sind leider auch jede Menge Spoiler zu den aufgeführten Büchern und Filmen.

 

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Acht perfekte Morde von Peter Swanson
Original: Eight Perfect Murders
Übersetzung: Fred Kinzel
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 18. Juli 2022
Broschiert: 352 Seiten
ISBN: 978-3734110207

2 Replies to “[Rezension] „Acht perfekte Morde“ von Peter Swanson

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