"Lieder eines Sommers" von Cath Crowley, Jugendbuch
Copyright: Carlsen

Der Sommer ist für mich die schönste Zeit im ganzen Jahr. Er
verleiht meinem Leben eine gewisse Leichtigkeit, die ich den Rest des Jahres
über sehr vermisse. Ich liebe die Farben und die Klänge, die er mit sich
bringt. Die reifen Früchte, das rauschende Meer und die langen Abende im
Garten. Wenn man dann noch eine passende Lektüre gefunden hat, die dieses
spezielle Gefühl beschreiben kann und so den Sommer noch ein Stück weit schöner
macht, ist der Sommer perfekt. Mit „Lieder eines Sommers“ von Cath Crowley habe
ich genau so eine Lektüre gefunden. 

„Die meisten Menschen ahnen nicht, dass man auf Reisen
sowohl innerlich als auch äußerlich von Geistern begleitet wird. Mum ist in
meinem Kopf, aber sie ist auch im Wasser und in den Felsen und im Gras.“
Seite
43
Die Geschichte beginnt mit einer Reise.Wie in jedem Sommer
fährt Charlie zu ihrem Großvater aufs Land, um ihre Ferien dort zu verbringen. Bevor
sie den kleinen Ort erreicht, erinnert sie sich an viele vergangene Sommer, in
denen sie vergeblich versucht hat dort Freundschaften zu schließen. Nur in
wenigen Momenten erlaubte sie sich, Rose und deren zwei Freunde, die wie Pech
und Schwefel sind, von einem Baum im Garten ihres Großvaters aus zu beobachten.
Jedoch hat sie es nie geschafft, über ihren eigenen Schatten zu springen und sich
ihnen anzuschließen. Für sie war es einfacher sich mit ihrer Gitarre zu
verkriechen, um neue Songs zu schreiben. Völlig in Gedanken versunken ahnt
Charlie nicht, dass dieser Sommer viele Veränderungen und Überraschungen für
sie bereithält.

Wie schwierig Freundschaften sein können, hat fast jeder
Mensch mindestens einmal erfahren. Auch Charlie und Rose, die beiden
Hauptprotagonisten dieser Geschichte, haben schon einige Erfahrungen auf sehr
unterschiedliche und manchmal sehr schmerzliche Weise gesammelt. In „Lieder eines Sommers“ lassen sie dem Leser ein Stück weit daran teilhaben. 

Auch wenn sich diese Geschichte größtenteils mit dem Thema
Freundschaft beschäftigt, nehmen auch weitere eindringliche Inhalte etwas Raum
ein: Der Verlust von einem geliebten Menschen und welche Veränderungen er mit
sich bringt und wie wichtig es ist sich Erinnerungen zu schaffen. Und das Leben
selbst trotz mancher Widrigkeiten als eine Herausforderung zu sehen, und es
einfach zu leben und in vollen Zügen zu genießen.

Wir Leser begleiten Charlie und Rose durch einen alles
verändernden Sommer und lernen diese beiden so verschiedenen Menschen, durch
ihre eigenen Sichtweisen kennen. Aber dieses geschieht nicht auf eine
oberflächliche Art, weil beide Mädchen uns Lesende tief in ihre Seelen blicken
lassen und jedes noch so kleine Geheimnis mit uns teilen.                                                         Charlie
nimmt die Welt um sich herum auf eine ganz besondere Weise wahr – durch ihr
Gehör. Alles hat für sie einen besonderen Klang. Jeder Mensch, jeder Ort und
selbst jeder neue Sonnenaufgang.

Charlie ist ein sehr in sich gekehrter und zurückhaltender
Typ. Ganz im Gegensatz zu Rose, denn die empfindet man erst einmal als
rebellisch und aufbrausend. Bis man diesen Charakter durchschaut hat, dauert es
eine unterhaltsame Weile. Aber dann erkennt man, welche tiefe Sehnsucht in ihr
schlummert und wie hilflos sie sich oft fühlt. Als diese zwei Mädchen dann im
Laufe der Geschichte versuchen einander zu benutzen, um ihr Leben ein wenig
besser zu machen und aneinander zu wachsen, entsteht eine ganz besondere
Freundschaft. 

„Es kommt mir vor, als würden wir einander suchen. Ich suche
sie, weil ich mich wieder ganz fühlen möchte, und sie sucht mich, weil sie mir
zeigen möchte, wie ich hätte sein sollen.“
Seite 44

Beiden Protagonistinnen konnte man, durch ihren bewegenden
Erzählstil, auf eine sehr intensive Weise begegnen. Ich war dankbar für jede
Minute, in der sie mich an ihrer Betrachtungsweise und ihrem Leben teilhaben
ließen. Charlie und auch Rose waren für mich persönlich eine besondere Bereicherung
für dieses Buch.


Selten habe ich erlebt, dass eine Geschichte mit einer etwas
ernsteren Grundstimmung auf so charmante und leichte Weise erzählt wurde. „Lieder eines Sommers“ von Cath Crowley wirkt durch einen sehr bildgewaltigen,
komplexen und sensiblen Schreibstil so lebendig, dass ich jeden Ton zusammen
mit Charlie hören und jeden Sonnenstrahl mit Rose selbst erspüren konnte. Es
war als würde Cath Crowley jede Zeile mit ihrer eigenen Poesie zum Leben
erwecken und mit besonderen Tönen verzieren. Ich habe diese Geschichte bewusst
sehr langsam und manche Passage mehrfach gelesen, um jeden noch so kleinen
Moment eingehend auszukosten.

Lieder eines Sommers von Cath Crowley

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten 

Verlag: Carlsen 

Erscheinungsdatum: 22. Juli 2014 

ISBN: 978-3551582805

2 Replies to “[Rezension] „Lieder eines Sommers“ von Cath Crowley

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