Mit ihrem Jugendbuch „Für dich soll’s 1000 Tode regnen“ haben
Anna Pfeffer nicht nur uns von „Kathrineverdeen“ in diesem Jahr begeistert,
sondern einen regelrechten Triumphzug durch die Blogger- und Lesewelt gestartet.
Deswegen wird es Zeit für einen neuen Beitrag zu …? Richtig! 

Frech und witzig erzählen Anna Pfeffer darin die Geschichte von Teenager Emi,
die eine ungewöhnliche Marotte hat: Wer ihr blöd kommt, dem wünscht sie in
Gedanken einen skurrilen Tod an den Hals. Als der arrogante Eric auftaucht,
werden Emis Todesphantasien auf einen Schlag noch sehr viel kreativer… und ihr
Liebesleben höllisch kompliziert.

Die Urheberinnen dieser wunderbar verrückten Idee sind Ulrike
Mayrhofer und Carmen Schmit, zwei Freundinnen, die gemeinsam unter
verschiedenen Pseudonymen schreiben. Woher sie einige ihrer absurden Ideen
haben, wie das eigentlich mit dem Schreiben zu zweit klappt und einiges mehr,
das haben uns die beiden trotz viel Arbeit (gerade ist mit „17 – Das zweite Buch
der Erinnerung“ ein weiterer Band zu ihrer neuen Trilogie erschienen, der nächste Teil soll noch vor Weihnachten rauskommen) verraten.
Wundert Euch übrigens nicht, wenn ihr in den Antworten weder
den Namen Carmen noch Ulli lesen könnt… wenn’s ums Schreiben geht, machen die
beiden nämlich alles zusammen, auch Interviewfragen beantworten.
Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit
Copyright: Carmen Schmit und Ulrike Mayrhofer

Lex: Liebe Ulli,
liebe Carmen. In Eurem Buch „Für Dich soll’s tausend Tode regnen“ denkt sich
Emi für Leute, über die sie sich ärgert, skurrile Todesarten aus. Wie viele
Tode habt Ihr Euch gegenseitig gewünscht, während ihr das Buch geschrieben
habt? Zwei kreative Köpfe, eine Geschichte – da ist es bestimmt nicht immer
leicht, an einem Strang zu ziehen. Andererseits kennt Ihr Euch ja schon sehr
lange und sehr gut…

Anna Pfeffer: Das stimmt, wir kennen uns schon richtig lange. Inzwischen sind wir
seit 22 Jahren befreundet und auch beim Schreiben so ein eingespieltes Team,
dass wir uns gegenseitig keine Tode an den Hals wünschen. Allerdings können wir
uns gut vorstellen, dass es uns mal gemeinsam erwischt, wenn wir schon uralt
sind und mit zittriger Hand versuchen, eines unserer Bücher aus dem hohen
Bücherregal zu ziehen. Eine von uns wird auf der Leiter stehen, die andere
unten … und dann könnte das Schicksal seinen Lauf nehmen …  
Lex: Emi ist ein
typischer, meistens schlecht gelaunter, Teenager. Ich hatte beim Lesen lebhafte
Erinnerungen an meine eigene Jugend. Wie habt Ihr die Figur so realistisch zum
Leben erweckt? Stecken in Emi Eure eigenen Jugend-Ichs? Oder gibt es in Eurem
Freundes- und Verwandtenkreis Jugendliche, an denen Ihr sozusagen „Forschungen am
lebenden Objekt“ betreiben konntet?
Anna Pfeffer: Tatsächlich steckt ein kleines bisschen von
uns beiden in Emi. Wir hatten auch eine schwarze Phase in unserer Jugend
(allerdings haben wir uns da keine Todesarten ausgedacht, sondern einfach nur
schwarze Kleidung gekauft. Und ja … Emis erfrischend negative Denke ist uns
auch vertraut. Vor allem aber können wir uns noch gut erinnern, wie es sich
angefühlt hat, seinen Platz in der Welt zu suchen und glauben, es geht ganz
vielen jungen Menschen so. 

„Für Dich soll’s tausend Tode regnen“
Copyright: cbj

Lex: Emi besitzt ein
schwarzes Buch, in dem sie seltsame Todesarten sammelt. Hattet Ihr in
Vorbereitung auf Eure Geschichte auch ein solches Buch, in dem Ihr verrückte
Tode aus der Presse oder dem Internet zusammengetragen habt? Oder sind Euch die
„Tode“ spontan beim Schreiben eingefallen.

Anna Pfeffer: Wir haben uns sehr viele Tode im Buch spontan
ausgedacht, weil sie gerade zur Situation gepasst haben. Allerdings haben wir
auch skurrile Todesarten recherchiert und sind dabei z.B. auf die Japanerin gestoßen,
die Selbstmord begangen hat, indem sie einfach so viel Klopapier gegessen hat,
bis sie daran erstickt ist. Das klingt so verrückt, dass man es im ersten
Moment für erfunden hält – und genau solche Tode haben es dann auch in unser
Buch geschafft. 

Lex: Wie funktioniert
das eigentlich bei Euch? Ihr wohnt viele Kilometer weit voneinander entfernt – die
eine in Hamburg, die andere in Wien. Ist es da nicht schwer, gemeinsam ein
Buchprojekt zu stemmen? Wie tauscht ihr Euch aus? Täglich? Über Mails? Skype?
Whatsapp? Oder trefft Ihr Euch regelmäßig?

Anna Pfeffer: In letzter Zeit haben wir uns durch unsere
Lesungen zwar häufiger gesehen, doch die uneingeschränkte Kontaktform Nummer 1
ist und bleibt Skype. Wir skypen beinahe täglich und haben das Programm sogar in
unserer ersten Danksagung erwähnt. Ohne Skype und Schokolade ginge nämlich gar nichts! Abgesehen davon schicken
wir uns jede Woche unzählige E-Mails, in denen wir uns kurz abstimmen oder
unsere Texte zum Korrekturlesen versenden. Ein Hoch auf die Technik! 

Lex: Seid Ihr Euch in
Eurer Arbeitsweise denn sehr ähnlich? Habt ihr feste Zeiten zu denen Ihr
arbeitet und ein festes Pensum? Und seid Ihr sehr diszipliniert?

Anna Pfeffer: Nein, wir sind eigentlich unterschiedliche
Typen, aber genau das empfinden wir auch als Stärke. Ein festes Pensum gibt es dennoch.
Wir teilen uns die Kapitel untereinander auf und vereinbaren, bis wann wir sie
dem anderen schicken. Da wir mit Deadlines arbeiten geht es auch nicht ohne
Disziplin – wobei das Feedback unserer Leser uns ungemein hilft, uns zu
motivieren! 

Lex: Kommt es vor,
dass eine von Euch mal gar nicht weiterkommt mit einem Kapitel? Und holt Ihr
Euch dann gegenseitig aus Schaffensflauten heraus? Oder gab es so etwas wie
eine Schreibblockade bei Euch bisher gar nicht? Ihr seid ja sehr fleißige
Schreiberlinge…

Anna Pfeffer: Richtige Schreibblockaden in dem Sinn, dass
gar nichts mehr ging, hatten wir noch nicht. Aber natürlich kann man schon mal
bei einer Szene feststecken. Oft reicht es dann, über die Sequenz zu sprechen,
um dahinterzukommen, wo es hakt.

Noch eine Sache zum Thema Blockaden: Wenn man schreiben
möchte, aber nicht kann, dann hilft es, den inneren Lektor auszuschalten. Soll
heißen: einfach runterschreiben, ohne darüber nachzudenken, ob das jetzt gut
genug ist. Denn alles, was mal da steht, kann überarbeitet werden. Eine weiße
Seite hingegen nicht. 

Lex: Warum schreibt
Ihr eigentlich unter Pseudonym? Anna Pfeffer ist ja nicht das einzige; unter dem
Namen Rose Snow veröffentlicht Ihr zum Beispiel die „Acht Sinne“-Reihe. Und –
wenn wir schon beim Thema sind – warum habt Ihr Euch für wechselnde Namen
entschieden? Wie kommen diese zustande?

Anna Pfeffer: Oh, also unsere Pseudonyme haben auch wieder
eigene Geschichten. Unsere Selfpublishing-Bücher mit dem Schwerpunkt Fantasy
veröffentlichen wir unter dem Namen Rose
Snow
, da bei einem Autorenworkshop zwei Teilnehmer unabhängig voneinander
meinten, wir würden sie an Schneeweißchen und Rosenrot erinnern.
Und für unsere Verlagsbabys im Kinder- und Jugendbuchbereich
haben wir das Pseudonym Anna Pfeffer
gewählt. Es soll einerseits transportieren, dass wir deutschsprachige
Autorinnen sind und gefällt uns auf der anderen Seite sehr gut, weil „Pfeffer“
auch zu dem rotzig-frechen Ton unserer Geschichten passt. 

Lex: Ihr schreibt Jugendbücher
und Fantasy-Romane, gefühl- und häufig humorvoll. Sind dies die Genres, die Ihr
auch selbst am liebsten lest? Welche Bücher oder Buchreihen gehören privat zu
Euren liebsten?

Anna Pfeffer: Wir lesen privat ganz viel querbeet und es
gibt eigentlich kein Genre, mit dem wir gar nicht können. Grundsätzlich
vertreten wir die Ansicht, dass es für jede Lebenslage das richtige Buch gibt –
oder die richtige Abteilung in der Lieblingsbuchhandlung.

Auf alle Fälle lieben wir „Die unendliche Geschichte“, „Das Schicksal ist ein
mieser Verräter“ und „Harry Potter“ (das letzte Buch zu lesen, war wie
Nachhause kommen!). Lex: Könntet Ihr Euch vorstellen, auch mal ein ganz
anderes Genre auszuprobieren? Wie wäre es mit einem Thriller?

Anna Pfeffer: Im Moment nicht. Wir fühlen uns im Kinder- und
Jugendbuch bzw. in unserer Fantasy-Ecke so wohl, da wollen wir nicht weg.
Außerdem lieben wir es, unsere Leser zum Lachen oder Seufzen zu bringen – und
wären damit wahrscheinlich keine besonders guten Thrillerautorinnen.

Lex: Und eine letzte Frage, die bestimmt viele
Eurer LeserInnen interessiert: Die Acht-Sinne-Reihe wird immer noch
fortgesetzt. Ihr habt anscheinend noch viele Ideen für dieses
Gemeinschaftsprojekt und auch für ein paar andere. Wird es künftig trotzdem mal
einen Roman von Carmen Schmit oder Ulrike Mayrhofer alleine geben?

Anna Pfeffer: Da wir persönlich die Erfahrung gemacht haben,
dass unsere Bücher durch unser gemeinsames Schaffen und unsere
unterschiedlichen Blickwinkel auf die Geschichte immer gewinnen, ist das nicht
geplant. Außerdem macht es uns einfach zu viel Spaß eine Buchidee gemeinsam zu
entwickeln und wachsen zu sehen.

Wir von „Kathrineverdeen“ freuen uns sehr, dass Anna Pfeffer alias Rose Snow alias Ulli und Carmen mitten im Weihnachtstrubel die Zeit gefunden haben, uns diese interessanten und amüsanten Einblicke zu gewähren.
Wer mehr über Anna Pfeffer wissen möchte, sollte die Autorinnen auf ihrer Facebookseite besuchen.

 

4 Replies to “[Interview] Nachgefragt bei Anna Pfeffer

  1. Solltest du…. es eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Emi hat mich auf wunderbare Ideen gebracht. 😉 Das Buch macht ansonsten einfach gute Laune. Eines meiner absoluten Highlights in diesem Jahr.
    Liebste Grüße

  2. Das Interview ist wirklich klasse! Ich habe die Beiden dieses Jahr in Frankfurt auf der Buchmesse getroffen und habe sie so kennengelernt, wie sie auf die Interviewfragen geantwortet haben – authentisch 🙂 Natürlich habe ich im Anschluss auch "Für dich solls tausend Tode regnen" gelesen und kann das Buch echt empfehlen! Danke für diesen tollen Post 🙂

    Liebe Grüße, Kay

  3. Ach, wie schön, dass es dir gefallen hat, Kay. Ich hatte im Vorfeld ein paar Mal Kontakt mit den beiden… leider nur per Mail. Aber sie sind unheimlich nett und bodenständig und wirken, wie du schon sagst, total authentisch.
    Liebe Grüße
    Alex

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