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Um „Firekeeper’s Daughter“ gab es in den USA einen echten Hype. Seit fast 30 Wochen belegt der Jugendthriller, der im Milieu der Native Americans angesiedelt ist, Spitzenplätze in der Bestsellerliste der New York Times. Die Produktionsfirma der Obamas hat sich die Rechte für eine Netflixserie gesichert. Außerdem wurde das Buch vom Time Magazine in die Liste der 100 besten Jugendbücher aller Zeiten aufgenommen. Ein Riesending also. Oder?

Wenn ein Buch – vor allem aus den USA – so dermaßen durch die Decke geht, bin ich inzwischen misstrauisch. Zu viele literarische Events gab es schon, bei denen der Rummel am Ende größer war, als mein eigenes, subjektives Qualitätsverständnis.

Firekeeper’s Daughter – Geschnipsel im Vorspann

„Firekeeper’s Daughter“ erzählt von der 18-jährigen Daunis Fontaine, halb weiß, halb Native American, die sich weder in ihrer Heimatstadt noch im nahen Ojibwe-Reservat zugehörig fühlt. Sie träumt von einem Medizin-Studium, muss nach dem Tod ihres Onkels und einer Erkrankung der Großmutter, aber erstmal ihre Mutter unterstützen. Als der neu zugezogene Jamie Mitglied im Eishockeyteam ihres Halbbruders Levi wird, beginnt Daunis für ihn Gefühle zu entwickeln. Doch dann gibt es einen schrecklichen Vorfall. Daunis wird Zeugin eines Mordes. Plötzlich findet sich Daunis in polizeilichen Ermittlungen rund um einen Crystal Meth Ring wieder und soll für das FBI undercover Nachforschungen anstellen.

Gleich vorab: Nein, ich bin nicht überzeugt. „Firekeeper’s Daughter“ ist nicht schlecht. Aber auch nicht brilliant. Das Besondere ist das Setting. Die Thrillerelemente sind leicht zu durchschauen und auch nicht wirklich neu.

Der Neue – cool und gutaussehend

Kennt man den Klappentext nicht, fällt es zunächst schwer, eine Richtung auszumachen. Ist es ein feministischer Roman? Ein Bildungsroman? Eine Tragödie? Liebesgeschichte? Verschiedene Handlungselemente werden in den ersten Kapiteln gestreut. Daunis beschreibt (etwas zusammenhanglos) ihre Familie mütterlicher- und väterlichseits, erzählt von ihrem Leben in zwei Welten, einem Gefühl des innerlichen Gespaltenseins und deutet Drogenmissbrauch und Gewalt innerhalb des Reservats an. Zudem entspinnt sich eine Romanze zwischen Daunis und dem zugezogenen Jamie, der äußerlich vor allem aus Sehnen und Muskeln zu bestehen scheint und damit erstmal recht klischeehaft daherkommt, was mir nicht ganz zu dem Anspruch der Geschichte zu passen schien.

Tempo unausgewogen

Das Tempo ist niedrig, unausgewogen. Auf die Thrillerspur biegt die Autorin erst nach gut einem Drittel der Geschichte ab. Nun sammeln sich nach und nach verschiedene Mosaiksteinchen zu einem Ganzen. Personen, die zuvor relativ unübersichtlich erwähnt wurden, erhalten ihren festen Platz innerhalb der Handlung, Schauplätze laufen zu einer stringenten Story zusammen.

Allerdings auch zu einer wenig innovativen: Ich hatte ständig den Gedanken, dass der gesamte Ablauf mit seinen vielen, kleinen Geschichten und gelegentlichen Cliffhangern kalkuliert nach Serie schreit. Drogen, Vergewaltigung, Liebe, Mord, Gier. Daraus lässt sich die perfekte Dramaserie basteln.

Visuelles Potenzial ist schon allein durch kulturelle und geografische Aspekte vorhanden. Und auch die Message kommt nicht zu kurz: Die Problematik der Zerstörung von indigenem Lebensraum wird thematisiert und – ganz zentral – die verheerende Wirkung von Crystal Meth.

Netflix freut sich

Das alles ist – wie gesagt – keineswegs uninteressant. Was mich persönlich daran hinderte, in die Geschichte einzutauchen, war der Erzählstil der Autorin. Ich empfand ihn als trocken, gerade anfangs nicht fokussiert genug, manchmal redundant. Daunis als Ich-Erzählerin hatte für mich nicht die Fähigkeit, mich fesselnd durch die Handlung zu führen. Ich habe sie nicht als authentisch wahrgenommen, konnte keine Ecken und Kanten ausmachen und zu ihr keine Verbindung aufbauen. Und auch zu keiner anderen Figur.

Trotzdem bin ich ziemlich sicher, dass die Netflix-Umsetzung mit einem guten Regisseur und talentierten Darstellern spannend wird. Es ist alles da, was eine erfolgreiche Serie braucht. Das Buch hingegen hätte in meinen Augen eine bessere Bearbeitung, mehr Ausdruck und eine Straffung gebraucht.

Da ich das Hörbuch hatte, noch ein Wort zur Sprecherin: Solide Leistung, angenehm zu hören.

 

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Firekeeper’s Daughter von Angeline Boulley
Übersetzung: Claudia Max
Sprecherin: Jodie Ahlborn
Verlag: Der Hörverlag
Spieldauer: 16:02 Stunden
Erschienen: 21 März 2022
Format Hörbuch ab 14 Jahren

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