Oft gibt es Momente in meinem alltäglichen Leben, die so
unvollkommen und bizarr sind, dass ich mich wirklich frage: Das ist nicht
wahr, oder? Erst gestern fuhr mir eine ältere Dame (sie war ca. 85 Jahre) mit
voller Absicht mit ihrem Einkaufswagen in die Hacken – ohne dass ich dieses
Unheil ahnen und ihr aus dem Weg springen konnte -, um sich Platz zu
verschaffen. Ich glaube fest daran, dass es Menschen gibt, bei denen sich diese
Momente häufen. Und wenn sich gerade diesen ungeliebten Momente und Begegnungen
vermehren, fangen wir an, uns darüber zu definieren, wie wir mit ihnen umgehen.
Bei Jenny Lawson ist es ähnlich… allerdings gibt es in
ihrem Leben so viele absurde Momente, dass sie ein ganzes Buch damit füllen
kann, bei dem der Leser sich manchmal wirklich fragt: Das ist nicht wahr,
oder?

Vor einiger Zeit gab es eine Kampagne, die eine
großzügige Warnung herausgebracht hat. Angeblich sei dieses Buch nicht ohne
immense Nebenwirkungen zu lesen. Vor allen kardial instabile Menschen und
Hochschwangere sollten dieser Lektüre auf keinen Fall ausgesetzt sein, weil die
akut auftretenden Lachkrämpfe ordentlich Schaden anrichten können. Auch
Vegetariern wurde davon abgeraten, weil es in diesem Buch immer wieder Passagen
gibt, mit denen sie nicht umgehen könnten. „Das ist nicht wahr, oder?“
wurde als politisch unkorrekt dargestellt, doch als ich mit dem Lesen dieses
Buches begann, erkannte ich sehr schnell, dass man keineswegs vor diesem Buch
warnen muss.

Jenny Lawson erzählt in ihrem Buch über alltägliche Dinge
aus ihrem Leben. Jedoch kann man das nicht unbedingt als normal bezeichnen,
denn wer hat schon einen Vater, der sein Kind – in diesem Fall Jenny –
Erziehungsmethoden durch eine selbsterlegte Handpuppe vermittelt? Aber Jenny
wäre nicht der (verrückte) Mensch, der sie heute ist, wenn sie ohne diesen
liebenswerten Umgang aufgewachsen wäre. Wahrscheinlich hätte sie auch nicht
diesen dreckigen Sarkasmus entwickelt, an dem sich nicht nur Leser dieses
Buches, sondern auch Leser ihres Blogs: http://thebloggess.com/, erfreuen
können. Natürlich überschreitet sie oft Grenzen des guten Geschmacks mit ihrem
respektlosen Humor. Aber gerade weil sie nur über ihr Leben und ihre Familie
schreibt, stört man sich als Leser nicht daran oder fühlt sich gar provoziert.
Es gibt auch nicht nur Szenen, in denen man von Lachkrämpfen geschüttelt zu
Boden geht. Nein Jenny Lawson erzählt auch von bewegenden und nicht so lustigen
Momenten aus ihrem Leben, die mich sehr berührt haben. Sie scheint eine Art
Magnet für sehr bizarre Dinge zu sein, und die besten hat sie in „Das ist nicht wahr, oder?“ niedergeschrieben.

„Ich habe für
dieses Buch die allerbesten Geschichten aus meinem Leben ausgewählt… um zu
feiern, was in unserem Dasein fremd und bizarr ist, und dafür zu danken. Weil
wir uns dadurch definieren, wie wir mit den unvollkommenen Momenten des Lebens
umgehen. Und weil es so viel Freude bringt, sich der schieren Absurdität des
Lebens zu stellen, statt schreiend vor ihr davonzulaufen.“
Seite 5

Jedoch gab es für mich in diesem Buch auch wenige
Kapitel, in denen Lawson sich immer wiederholt, die mich weniger begeistert
haben. Viele lustige Szenen wirkten dann sehr abgedroschen, nachdem sie immer
wieder hervorgekramt wurden.

„Das ist nicht wahr, oder?“ von Jenny Lawson ist
eine schonungslos ehrliche Lebensbeichte von jemand, der durch viele
ungewöhnliche Momente und Menschen geprägt wurde.

Wer sich auf Lawsons dreckigen und sarkastischen Ton
einlassen kann, wird viel Freude mit diesem Buch haben.
Warnungen bezüglich dieses Buches
sollten dringend ignoriert werden!

Das ist nicht wahr, oder? von Jenny Lawson

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten 
Verlag: Metrolit
Erscheinungsdatum: 16. Februar 2013 
ISBN: 978-3849300500

10 Replies to “[Rezension] „Das ist nicht wahr, oder?“ von Jenny Lawson

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