"Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" von John Green, Jugendbuch
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Mit den eigenen Lieblingsautoren ist das immer so eine
Sache. Erst beeindrucken sie einen mit ihren großartigen Büchern, doch dann,
wenn man alle gelesen hat, heißt es warten. Bei John Green musste ich 5 lange
Jahre warten, bis er endlich eine neue Geschichte zu Papier gebracht hat. Vor
einigen Wochen war es dann endlich so weit. Der neue Roman „Schlaft gut, ihr
fiesen Gedanken“
wurde veröffentlicht und ich war hellauf begeistert. Es
dauerte dann auch nicht lange, bis die ersten begeisterten Kritiken zu lesen
waren, aber hin und wieder hörte man auch heraus, dass es nicht Greens bestes
Werk ist. Als ich es endlich in meinen Händen hielt, war die Freude groß und
ich begann, voller Euphorie zu lesen. Jedoch ebbte diese schneller ab, als ich
gehofft hatte.

John Green hat sich in seinem neuen Roman „Schlaft gut, ihr
fiesen Gedanken“
ein sehr interessantes Thema ausgesucht. Wer aufgrund des
Klappentextes zu diesem Buch gegriffen hat, könnte jedoch sehr enttäuscht
werden. Die Geschichte gleicht eher einer episodenhaften Charakterstudie eines
erkrankten Teenagers. John Green beschreibt den Alltag einer heranwachsenden
jungen Frau, die von Zwangsgedanken beherrscht wird. Er schildert auf
eindrucksvolle Weise, wie ihre zwischenmenschlichen Beziehungen aussehen und
mit welchen Problemen sie dabei zu kämpfen hat. Drumherum hat der Autor eine
Handlung aufgebaut, die schmucklos und ohne roten Faden nebenher läuft. Viele
Passagen wirken zusammenhangslos und zum Teil überflüssig, weil Green sich in
belanglosem Geplauder verliert. Er wirkt im gesamten Roman so unentschlossen,
was er seinen Lesern eigentlich mitteilen möchte.

Wo andere Autoren gekonnt abschweifen, um die unschönen
Details einer Erkrankung auszublenden und den Leser nicht zu überfordern,
bleibt John Green tapfer bei seiner literarischen Figur und schildert
schonungslos Azas Ängste und Sorgen, die ihre Gedankenwelt beherrschen. Diese
Gedanken sind sehr ausladend beschrieben und sie nehmen einen sehr großen Teil
der Geschichte ein – was absolut realistisch ist. Denn Menschen, die an einer
Angststörung leiden, werden permanent von diesen Gedanken beherrscht. Was Green
meiner Meinung nach nicht gelungen ist, ist, dass seine literarische Hauptfigur
entsprechend ihrer Erkrankung agiert. Ich könnte hierfür zahlreiche Details
aufführen, die für dieses beschriebene Krankheitsbild nicht passen, aber ich
möchte auch nicht zu viel verraten.

John Green hatte für mich immer einen unverkennbaren Stil. Mit poetischen Sätzen erschaffte er berauschende Geschichten und Charaktere,
denen ich mich nicht entziehen konnte. Nach den letzten Sätzen in seinen Werken betrauerte ich immer, alle literarischen Figuren zurücklassen zu müssen. Bei „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ war alles
anders. Zugegeben, das eine oder andere schöne Zitat habe ich gefunden, aber
das Gesamtpaket war alles andere als berauschend. Die von ihm beschriebenen
Charaktere sind mir sonst sofort ans Herz gewachsen. Zu Aza und auch zu allen
anderen Protagonisten fand ich keinen Zugang – alle waren für mich nicht
greifbar und ich konnte ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Und was das Schlimmste
war: ich konnte nicht mitfühlen. Besonders Aza war eine Person mit vielen
Fragezeichen, die mich oft mit ihrem Handeln verstimmt hat. Einzig Davis – ein Junge
für den Aza Gefühle entwickelt – hat mich interessiert und für sich
eingenommen.

Am Ende war ich froh, dass ich die Geschichte beendet hatte,
weil ich mich beim Lesen oft danach sehnte, das Buch für immer in den tiefen
Gründen meines Bücherregals verschwinden zu lassen.

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Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken von John Green
Originaltitel: Turtles All the Way Down
Übersetzung: Sophie Zeitz
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag
Erscheinungstermin: 10. November 2017
ISBN-13: 978-3446259034
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

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