"Gefährliche Empfehlungen" von Tom Hillenbrand, Krimi
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Als der Guide Gabin eine Einweihungsfeier gibt, muss Xavier Kieffer als Freund und Geliebter der Chefin natürlich mit von der Partie sein. Die Feier verspricht das Fest des Jahres zu werden – sogar Frankreichs Präsident ist eingeladen. Doch als der seine Eröffnungsrede halten will, fällt plötzlich der Strom aus – und ein paar teure Exemplare des Gabin aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs fehlen. Natürlich kann Xavier Kieffer der luxemburgische Koch dieses Rätsel nicht auf sich beruhen lassen und beginnt zu ermitteln. Doch schon bald stößt er auf Geheimnisse und weitreichende Verschwörungen, die sich als äußerst gefährlich erweisen…

Bereits zum fünften Mal ermittelt der Ex-Sterne-Koch aus Luxemburg und wie immer bereitet dem Leser das Über-die-Schulter-Schauen dabei viel Freude. Nach einer geheimnisvollen Frucht, Tunfisch-Komplotten, Weltmarkt-Verschwörungen und gepanschtem Olivenöl (Fälle 1-4) sind in „Gefährliche Empfehlungen“ nun Bücher aus dem Zweiten Weltkrieg der Ermittlungsgegenstand. Keine Frage, die Story ist wie immer hanebüchen und beim Schreiben hätte Tom Hillenbrand etwas mehr Sorgfalt walten lassen können – aber die vielen wunderbaren alten und neuen Figuren entschädigen für die ein oder andere Nachlässigkeit. Gerade das altebekannte Schema F, das immer als Folie für Kieffers Fälle verwendet wird, macht die Krimis so sympathisch und reizvoll: Man bekommt, was man mag und kennt – vom lieb gewonnenen Säufer-Finnen Vatanen, bis zum bewusstlos geschlagenen Kieffer ist immer alles dabei. Nur in Luxemburg wird dieses Mal eher wenig ermittelt – Schauplatz ist vor allem Paris, weswegen auch die Zeit im Deux Eglises wieder einmal viel zu kurz war. Leider verlagert sich der Schwerpunkt vom kulinarischen Ermittler oft etwas zu sehr zu Valerie Gabin und ihren Gastrokritikern oder zum Show- und Sternegeschäft a la Esteban. Etwas mehr Kieffer und etwas weniger Pomp wäre dem Lese-Erlebnis zuträglich.

Vor allem die Recherchen und Hintergrundinformationen werden vom Autor immer sorgfältig zusammengetragen und kunstvoll mit der Handlung verknüpft. Bei diesem sorgfältigen Vorgehen fragt man sich, wieso dann nicht alle traditionellen Gerichte und aller Küchenjargon auf die Erklärungsliste mit aufgenommen wurden. Hat man sich endlich an das Blättern gewöhnt, wird man dabei immer wieder enttäuscht. Hier wäre für den nächsten Fall ein ausführlicheres Register wünschenswert. 

Niemand hätte gedacht, dass ein Koch aus Luxemburg einmal zum Publikumsliebling werden würde – aber das Letztebuerger Huesenziwwi hat es uns allen angetan. Ich freue mich schon auf den nächsten Krimi, der hoffentlich wieder etwas luxemburgischer und etwas kulinarischer sein wird, obwohl der Auflug in die Historie und nach Frankreich natürlich durchaus seinen Reiz hatte.



Gefährliche Empfehlungen von Tom Hillenbrand
Reihe: Band 5
Taschenbuch: 320 Seiten 
Verlag: KiWi
Erscheinungsdatum: 12.01.2017
ISBN: 978-3-462-31598-1

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