„Das Ende ist erst der Anfang“ von Chandler Baker , Jugendbuch
Copyright: Thienemann

„Das Ende ist erst der Anfang“ von der Amerikanerin Chandler Baker hat mir Netgalley kurz vor meinem Urlaub zur Verfügung gestellt. Die Geschichte klang für mich so schräg und abgefahren, dass ich sie unbedingt lesen wollte, aber überhaupt nicht einschätzen konnte. Angekündigt war sie als Coming-of-Age-Roman. Der Klappentext liest sich jedoch eher wie eine Dystopie.
Lake lebt in einer Welt, in der jeder an seinem 18 Geburtstag einen toten Menschen wieder auferstehen lassen darf. Wohlgemerkt: Jeder kann nur einen einzigen Menschen erwecken! In 23 Tagen wird Lake 18 und steht vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens: Wen soll sie erwählen? Ihren Freund Will oder ihre beste Freundin Penny, die beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind? Oder ihren Bruder, der Tetraplegiker ist und nach der Auferstehung wieder gesund wäre?

Gott spielen?

Das Buch war für mich eine echte (sehr positive) Überraschung. Auch, wenn ich mit etwas Kritik beginne: Die science-fiction-artige Idee mit der Wiederauferweckung wirkt durchgehend undurchdacht. Das politische/medizinische System als solches wird kaum näher beleuchtet und macht einen aus Zeit und Zusammenhang gefallenen Eindruck. Fast scheint es, als sei Lake die erste Person auf der ganzen Welt, die die Entscheidung zur Reanimation eines Menschen treffen muss. Warum steht ihr niemand bei? Sollte es in einer kritischen, demokratischen Gesellschaft sowieso nicht viel mehr ethische Debatten über diese medizinische Revolution geben? Warum nur eine einzige Erweckungsoption? Warum keine Ausnahmeregelungen? Ich hatte zu Beginn sehr viele Fragen, die aber allesamt unbeantwortet blieben. Um mich auf die Geschichte einlassen zu können, musste ich sie irgendwann ausblenden.

Schicksal, Freundschaft, Liebe

Vermutlich ging es der Autorin vor allem darum, bei jungen Lesern Gedanken zum Thema Tod, Behinderungen und Krankheiten anzustoßen und natürlich darum, eine emotionale Geschichte zu erzählen: Beides ist ihr wunderbar gelungen. Das Buch liest sich gefühlvoll, zart und einfach schön. Es ist ein Schicksals-, ein Freundschafts- und zum Teil ein Liebesroman. Einige Geheimnisse, die konstant für Spannung sorgen, sind ebenfalls eingewebt. Ich konnte meinen E-book-Reader kaum aus der Hand legen.

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Vom Ende und anfang und zarten gefühlen

Wie gesagt, ein dystopisches Setting sollte man nicht erwarten. Trotz der futuristischen Assoziation liest sich Lakes Geschichte vorwiegend sehr realistisch. Bis auf diese eine Ausnahme: Todespartys, auf denen Menschen getötet werden, um bei nächster Gelegenheit wieder erweckt zu werden. Ansonsten ist alles beim Alten: Schule, Hausaufgaben, das Café um die Ecke, Strandausflüge. Hier hat sich seit dem Sieg über den Tod nichts verändert.

So begleitet man Lake bei ihrer Suche nach einer Lösung, bei dem Versuch, ihre Gedanken und Emotionen zu ordnen, bei ihrem Zusammentreffen mit den Familien ihrer toten Freunde und ihrer Annäherung an Ringo, ein charismatischer Junge mit einem Feuermal im Gesicht. Vor allem aber bei ihren Schwierigkeiten im Umgang mit ihrem Bruder, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und niemanden an sich heran lässt.

Mitten ins Herz

Viele Szenen treffen genau ins Herz, trotzdem hat die Geschichte auch einen feinen, teilweise sarkastischen Humor. Eigentlich ist es eine vollkommen unmögliche Entscheidung, die Lake da treffen soll. Das ist dem Leser klar und irgendwie ahnt man auch, wie die Sache endet, weil es eben nur ein einziges sinnvolles Ende geben kann. Das macht allerdings gar nichts. Es bleiben genug Fragen, die neugierig machen und der federnde, lebendige Schreibstil lässt die Seiten nur so dahinfliegen.

Fazit: Eine gefühlvolle, ans Herz gehende, etwas romantische, aber nicht zu zuckrige, schwere Geschichte über den Umgang mit seelischen und körperlichen Verletzungen, Behinderungen, dem Schicksal und dem Tod. Mir hat das Buch sehr gefallen!

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Das Ende ist erst der Anfang von Chandler Baker
Originaltitel: This is not the End
Übersetzung: Gerda Bean
e-book: 400 Seiten
Verlag: Thienemann-Esslinger Verlag
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2018
ISBN: 978-3522202480
Altersempfehlung: 13 – 16 Jahre

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