"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green, Jugendbuch
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„Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt
einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die
kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses
Buch gelesen haben.“ Seite 36

Besser als mit diesem Zitat könnte ich mein Leseerlebnis
mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green nicht beschreiben.
Mein beruflicher Alltag besteht aus Grenzsituationen. Situationen,
bei denen es um Leben und Tod geht und doch stehe ich, trotz einiger
Erfahrungen, manchmal hilflos vor diesen Menschen und weiß nicht, wie ich mit
ihnen umgehen soll. Soll ich beschönigend oder soll ich schonungslos ehrlich
sein? Hazel, die Hauptprotagonistin dieses Buches war mir eine sehr große Hilfe
bei dieser Frage.

Hazel hat mit ihren 16 Jahren schon viel Leid erfahren.
Sie ist an Schilddrüsenkrebs, der sich über die Lunge als Metastasen
ausgebreitet hat, erkrankt. Ihr ständiger Begleiter ist eine Sauerstoffflasche,
die ihr das Atmen erleichtert. An diesen Begleiter hat sie sich gewöhnt, jedoch
an die Blicke anderer Menschen nicht. Auch ihr Umfeld hat sich seit der Diagnose
„Krebs“ sehr verändert. Viele Freunde, selbst ihre Familie, wirkten einfach nur
noch befremdlich und verkrampft auf sie, weil sie Angst hatten, etwas Falsches
zu sagen. Hazel möchte nicht bemitleidet werden und kann auch der
Selbsthilfegruppe, zu der sie ihre Mutter geschickt hat, nichts abgewinnen. Eines
Tages begegnet ihr Gus bei einem dieser verhassten Treffen und sie ist sofort
fasziniert, denn Gus geht sehr offensiv mit seiner Krankheit um. Mit ihm kann
sie offen über alle Dinge, die ihr wichtig sind, sprechen. Bücher, Musik und
über den Krebs.
Hazel verliebt sich Hals über Kopf in Gus. Jetzt hat sie
noch einen Begleiter: Zweifel, denn was für einen Sinn macht eine Liebe, bei
der zwangsläufig jemand sterben wird…
Jeder hat seine eigene Art und Weise, mit dem Verräter
Schicksal umzugehen. Die einen verfallen in tiefe Depressionen, andere wachsen
an ihm und wiederum andere machen sich Mut und Hoffnung, indem sie ihre Wohnung
mit hoffnungsvollen Sprüchen zupflastern. Doch Hazel pflegt einen anderen
Umgang mit ihrem Schicksal. Sie kämpft dagegen, eins mit der Krankheit zu
werden und will nicht nur als krebskranker Teenie gesehen werden.

„Manchmal war das das
Schlimmste am Krebs: die Sichtbarkeit der Krankheit, die einen von den anderen
absonderte. Wir waren unüberbrückbar anders…“ Seite 134

Hazel erzählt uns in diesem Buch viel über ihr Leben und
ihre Gefühlswelt. Manchmal sehr sarkastisch aber humorvoll, manchmal tragisch
aber sehr realistisch und erschreckend ehrlich. Sie nimmt kein Blatt vor den
Mund.
Eine große Stütze für Hazel ist ihr Lieblingsbuch „Ein
herrschaftliches Leiden“ von Peter Van Houten. Sie hat das Gefühl, von ihm verstanden
zu werden und sie unternimmt vieles, um ihn zu treffen, um Antworten auf die
offenen Fragen, die sein Buch hinterlässt, von ihm persönlich zu bekommen.
Es ist die Geschichte von einem Wunsch, der zum
Lebensziel wird und einer Liebe, die Kraft schenkt.
Wir begleiten Hazel und Gus durch Höhen und Tiefen, die sie
manchmal ans Ende ihrer Energie und ihrer Willensstärke bringen, erleben aber
auch wunderschöne und lustige Momente.
Indem John Green Hazel ihre Geschichte erzählen lässt, hat
er meiner Meinung nach alles richtig gemacht, denn ihr würde der Leser nicht
unterstellen, unsensibel mit ihrer Krankheit umzugehen. Auch die Handhabung  dieses Themas hat mich fasziniert, weil er seine
Leser nicht überfordert, obwohl er schonungslos ehrlich ist. Humor, Liebe und Trauer
sind gut dosiert und platziert.
Ich liebe die Dialoge in diesem Buch und ich könnte auf
Anhieb hundert Zitate aufführen. Seine Sätze brennen sich in die Netzhaut der
Leser.
John Greens sehr außergewöhnlicher Schreibstil ist für
mich eine große Überraschung. Er vermag mit einem Satz zu beschreiben, wofür
andere ganze Kapitel benötigen.
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green ist ein sehr
bewegendes und lebendiges Buch mit liebenswerten Protagonisten und einer
wundervollen Liebesgeschichte. Es steckt voller unvergesslicher Dialoge, es umspielt
dieses doch sehr traurige Thema mit einer riesigen Portion Sarkasmus und einer
Wortgewalt, die es mir unmöglich gemacht hat, dieses Buch nach dem Lesen aus
der Hand zu legen.



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Gebundene Ausgabe: 288 Seiten 
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2012 
ISBN: 978-3446240094

6 Replies to “[Rezension] „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green

  1. Diese Rezension ist sehr gefühlvoll und man sieht, wie sehr dich das Buch berührt hat. Auf jeden Fall möchte ich das Buch jetzt auch lesen, genau wie das erwähnte "Ein herrschaftliches Leiden".
    Vielen Dank für diese Rezension 🙂

  2. Ich bin durch eine Leserunde auf das Buch aufmerksam geworden und WOW ich bin so froh darüber es gelesen zu haben!!
    Im einen Moment zu Weinen und im anderen schon wieder zu Lachen ist ungewohnt, aber genau das ist John Greens Talent, das er in dieses Buch gesteckt hat!

    LG
    Weisselilie

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