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Eigentlich können wir uns nicht beschweren. Da hatten wir mitten im Februar schon an die 20 Grad, Sonne satt und somit einen tollen Vorgeschmack auf den Frühling. Trotzdem ist der Blick auf die Wetter-App gerade irgendwie deprimierend. Regen, Regen, Regen. Und kein Ende in Sicht. Ich schlage vor, wir machen gemeinsam das Beste draus und schlagen bei herbstlich-halloweeniger Witterung ein neues Kapitel in Sachen Grusel, Grauen, Gänsehaut auf. Die beste Methode, um auch bei heftigsten Wolkenbrüchen trocken zu bleiben, ist für uns (Hör-)Bücherwürmer ja sowieso die Couch.

Come-Back der Gruselserie

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Vielleicht hat es der/die eine oder andere schon mitbekommen: Das Plattenlabel EUROPA bringt aktuell neue Folgen der Gruselserie heraus. Eine Hörspielreihe für Jugendliche ab 14 Jahren, die in den 1980er Jahren Kultstatus erreichte. Markenzeichen waren die neonfarbenen Cover, der Name H.G. Francis (eigentlich Hans Gerhard Franciskowsky, Buch- und Hörspielautor) sowie  Plots, die man irgendwo zwischen klassischem Horror und Trash verorten konnte.

Die Figuren waren häufig die üblichen Schlauberger, die sich beim ersten Anzeichen von Gefahr grundsätzlich erst einmal aufteilten, bevor es dann mit unumstößlicher Sicherheit einen nach dem anderen dahinraffte. Wahlweise warf man sich blind und taub für unheildrohende Vorzeichen quasi direkt vor die Füße der jeweiligen Monsterkreatur.

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Aber das gehörte eben einfach dazu und war letztlich auch egal. Denn schließlich wurden die Geschichten (von Frankenstein bis Killerratte) mit viel Charme, Professionalität und exzellenten Sprechern auf Kassette und Vinyl verewigt.

Daran will man jetzt wieder anknüpfen. Zwei Folgen sind Anfang März bereits zeitgleich erschienen: „Polterabend – Nacht des Entsetzens“ und „Yeti – Kreatur aus dem Himalaya“. Ein drittes Hörspiel wurde für Anfang Mai angekündigt, „Moskitos – Anflug der Killer-Insekten“.

Wir Kassettenkinder

Als Kassettenkind der 80er habe ich mir natürlich sofort die erste Folge, den entsetzlichen Polterabend, besorgt und fand das Ergebnis gar nicht schlecht, eine klassische Rachegeist-Story: Ein junges Paar feiert kurz vor der Hochzeit mit Freunden und Familie eine Party auf einem abgelegenen Anwesen, als plötzlich ein mordlustiges Gespenst die Gäste attackiert und die Stimmung in Angst umschlägt. Bald gibt es einen Toten. Und wen trifft es wohl? Klar, denjenigen, der sich als erstes von der Gruppe entfernt.

Stimmen unstimmig stimmig

Die Geschichte wird relativ konventionell heruntererzählt, was allerdings zum Konzept gehört. Ganz eindeutig könnten die Dialoge aber noch ein bisschen mehr Pep vertragen. Oder etwas selbstironischen Humor, wie damals zu Zeiten von Horst Frank und Brigitte Kollecker (z.B. „Das Duell mit dem Vampir“). Gelangweilt habe ich mich zwar nicht, habe aber doch die Chemie zwischen den Sprechern vermisst.

Wobei es ein netter Bonus ist, die Reihe mit etlichen Hörspielgrößen zu starten. Vielleicht achtet man bei den nächsten Folgen nur besser darauf, das Stimm-Alter, dem gedachten Alter der Personen anzugleichen. Dass Heidi Schaffrath (geb. 1946), die Sprecherin der jungen Braut Gudrun, genauso gesetzt klingt, wie ihre Hörspiel-Mama Regina Lemnitz (geb. 1946) ist schon etwas merkwürdig. Aber geschenkt. Dafür ist der Nostalgiefaktor wirklich gelungen, der Ton hervorragend und die Sprecherleistung (u.a. Judy Winter und Andreas Fröhlich) ansonsten routiniert.

Alles in allem darf man gespannt sein, ob sich die Fans von früher mit der Retro-Masche auch 2019 hinter dem Ofen hervorlocken lassen und sich jüngeres Publikum, mit völlig anderen Seh- und Hörgewohnheiten ebenfalls für die vergleichsweise ruhig erzählten Geschichten begeistern lässt. Die ersten Reaktionen fallen recht unterschiedlich aus. Ich selbst bin für weitere Abenteuer absolut zu haben, hoffe aber noch auf eine kleine Steigerung.

Und vor allem darauf, dass Produktions-Urgestein Heikedine Körting und André Minninger (Autor) nach Geist, Yeti und Moskitos noch die guten alten Vampire, Zombies und Werwölfe nachliefern. Dafür darf es dann auch im Frühling oder Sommer gerne wieder ausgiebig regnen und gewittern.

 

WERBUNG
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001/Polterabend-Nacht des Entsetzens
Gruselserie
Format: Audio CD
Veröffentlicht: 1. März 2019
Label: Europa (Sony Music)
ASIN: B07KZHL95H

3 Replies to “[Hörspielrezension] „Polterabend – Nacht des Entsetzens“ EUROPA Gruselserie

  1. Liebe Lex,

    wieso überrascht mich eigentlich nicht, das du ein Fan dieser Reihe bist 😉
    Mein Mann war ganz aus dem Häuschen, als er gelesen hat, das die Reihe neu aufgenommen wird. Wir haben sogar noch einen Koffer mit alten Kassetten aus den 1980ern hier stehen. Den ersten Teil fand er zwar nicht so prall, sagt er, aber er bleibt definitiv erstmal dran.
    Ich bin gespannt, ob die Reihe auch die jüngeren Generationen erreicht und auf lange Sicht bestehen kann und wird. Wäre ja schön 🙂

    Liebe Grüße Ina

  2. Hey Ina,

    ich habe die alten Folgen auch alle und höre sie immer noch gerne. Deinen Mann kann ich gut verstehen – da geht definitiv noch was. Inzwischen habe ich den Yeti aus dem Himalaya gehört und stelle eine leichte Steigerung fest, aber seufz hach… so gut wie damals zu Zeiten von Horst Frank und co sind sie leider nicht. Trotzdem fand ich beide Teile ganz unterhaltsam und hab mich echt gefreut, dass die Idee wieder aufgegriffen wird. Mal sehen, wie es weiter geht mit der Serie. Ich drücke deinem Mann und mir die Daumen, dass sie noch besser wird.

    Liebe Grüße und schönes Wochenende dir,
    Alex

  3. Ich finde es wunderbar, dass Andre Minninger sich traut, in die großen Fußstapfen von H.G.Francis zu treten. Immerhin wird er dabei ja von Heikedine Körting unterstützt. Ich mag zwar andere Trashgruselserien, wie die ‚Widerlichen Zeiten‘ lieber, aber gebe dem neuen Europa-Projekt gerne eine Chance.

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