Es ist Hochsommer in der schwedischen Kleinstadt und die
fünf Auserwählten erwarten das angekündigte Urteil des Hohen Rates. Jegliche
Anwendung von Magie ist den Mädchen strengstens untersagt, doch das Böse ist im
Begriff erneut zuzuschlagen. Die Bevölkerung von ganz Engelsfors zeigt sich von
einer mysteriösen Sekte betört, die hinter verschiedenen Mordanschlägen zu stecken
scheint. Fieberhaft versuchen Anna-Karin, Linnéa, Ida, Minoo und Vanessa die
Machtergreifung der Dämonen aufzuhalten, das Geheimnis der Bewegung zu lüften
und die Apokalypse zu verhindern.


Nach dem gelungenen Debut des schwedischen Autorenduos Sara Bergmark
Elfgren und Mats Strandberg, waren die Erwartungen an die Fortsetzung
entsprechend hoch. Das Niveau zu halten, ist den Autoren soweit durchaus
gelungen. Eine Steigerung allerdings ist nicht zu verzeichnen. Aber kommen wir
zuerst zu den positiven Merkmalen.

Die Protagonistinnen sind die große Stärke des Romans. Jedes
der fünf Mädchen des Hexenzirkels wurde von den Autoren äußerst liebevoll
entworfen und bietet viele Identifikationsmöglichkeiten. Jede der Junghexen hat
charakterliche Stärken und Schwächen. Aussehen, Hintergrund und Persönlichkeit
sind aufeinander abgestimmt und realistisch beschrieben. Dass darüber hinaus
auch außer-fantastische Sorgen der Teenager zur Sprache kommen und dadurch
viele Themen angeschnitten werden, die im Allgemeinen (zu) wenig Beachtung
finden, wie sexuelle Unsicherheit, Nebenwirkungen der Pille und Bisexualität,
ist besonders beifallswürdig. Da ein personaler Erzähler im Wechsel aus der
Sicht der einzelnen Mädchen erzählt, liest sich die Handlung flüssig und jede
individuelle Geschichte wirkt nachvollziehbar und illustrativ.

Das skandinavische Flair der fiktiven Kleinstadt stellt den
zweiten lobenswerten Punkt dar. Die bedrohliche Atmosphäre des ersten Bandes
wird aufgenommen und fesselt durch eine gelungene Mischung aus Melancholie und
vermeintlicher Idylle.

Leider fehlt der Funke, der die Fortsetzung zu einem
lodernden Leseerlebnis werden lässt. Der Name des Buches lautet zwar Feuer.
Doch zwischen den Buchseiten ist nicht kein Häufchen Glut zu entdecken, weder
inner- noch außerfiktional. Schriftstellerisch gibt es nichts zu bemängeln; für
einen spannenden Plot ist gesorgt, die Figuren entwickeln sich weiter, ein paar
offen gebliebene Fragen werden aufgeklärt. Exposition, Steigerung, Peripetie,
retardierendes Moment, Dénouement: es ist alles da, was zu einer dramatischen
Handlung dazugehört. Aber der Ablauf, die neuen Konflikte und das große Finale
sind nach exakt dem gleichen Muster seines Vorgängers gestaltet und bieten
wenig Neues. Die Antworten kommen spärlich und zu viele neue Fragen werden
aufgeworfen. Dabei wirkt der fantastische Handlungsstrang schleppend und
unglaubwürdig. Um Spoiler zu vermeiden, soll an dieser Stelle nicht detailliert
auf die Handlung eingegangen werden. Stattdessen soll das Problem kurz abstrakt
skizziert werden:

Dass die Mädchen hinter dem Rücken eines eigentlich
mächtigen Verbündeten, der aber aufgrund seiner Hybris die Augen vor der
Wahrheit verschließt und stattdessen den einzigen Schlüssel zur Abwendung der
Apokalypse unter mittelalterlichen Methoden an den Pranger stellt, obwohl wir
uns im 21. Jahrhundert befinden, an verschiedenen Fronten kämpfen, ohne nahezu
irgendeine Hilfe, weil ihr einziger Beschützer aus welchen Gründen auch immer,
beschlossen hat, sich zu verdrücken, wirkt, nun ja, nicht unbedingt
glaubwürdig. Das wäre aber noch nicht einmal das Problem, wenn der Leser dabei
gut unterhalten würde. Leider ist die Haupthandlung rund um die Sekt „Positives
Engelsfors“ eher anstrengend als mitreißend; viele Ungerechtigkeiten drosseln
den Lesespaß; über die Hintergründe der übernatürlichen Erscheinungen erfährt
der Leser zu wenig.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Haupthandlung
stagniert. Für über 700 Seiten wird etwas zu wenig origineller Inhalt geboten. Es
gäbe kein Problem mit der Länge des Buches, wenn es auf jeder einzelnen Seite
das Alltagsleben der Protagonistinnen beschrieben hätte, das vor dem
Hintergrund der düsteren Atmosphäre überaus lesenswert ist. Aber durch die
wenigen Weiterentwicklungen der Haupthandlung des Vorgängers (und stattdessen
einer Konzentration auf ein weiteres temporäres Abenteuer rund um einen abermaligen
Versuch der Machtergreifung seitens der Dämonen), schreit dieser Band nach
Stagnation. Er steht dem ersten prinzipiell in nichts nach – die Atmosphäre ist
düster, die Charaktere glaubwürdig und der Plot dramatisch, aber all das liest
sich wie eine Wiederholung der Ersthandlung.
 

Welcher Leser freut sich nicht, wenn die Fortsetzung eines
großartigen Buches ganz in der Tradition des Vorgängers steht. In diesem Fall
ist die Anlehnung leider etwas über das Ziel hinausgeschossen. Wer von Zirkel
begeistert war, den wird auch Feuer nicht groß enttäuschen können.
Allerdings wird er auch keine unvorhersehbaren Wendungen oder mitreißende
Auflösungen präsentiert bekommen. Feuer ist Zirkel reloaded und
damit nicht schlecht, aber auch nicht phänomenal. Wer Lust auf einen
skandinavischen Jugendthriller mit Fantasy-Elementen hat, den wird dieser Band,
ebenso wie sein Vorgänger, gut unterhalten. Wer sich eine dicht verwobene
Trilogie mit einer hohen Entwicklungskurve erhofft, den könnte Feuer
etwas ernüchtern.

Tipp: Auch bei
dieses Fortsetzung empfiehlt es sich unbedingt vorher den ersten Band der Reihe
zu lesen, da trotz der in sich abgeschlossenen Handlung viele Anspielungen und
Hintergründe nur mit Vorkenntnissen nachvollziehbar sind.
Im
März 2014 soll der dritte Band der Trilogie mit dem Titel Schlüssel
herausgebracht werden. Obwohl die Bücher mit ihrem schön gestalteten Einbänden
ein Blickfang für jedes Regal sind, haben sie mit ihren durchschnittlich rund
700 Seiten viel Gewicht und gehen, jedenfalls im Falle von Feuer, nicht mehr
als Büchersendung durch. Wer sich also unsicher ist, ob die Reihe etwas für ihn
ist, kann sich die Bände leihen oder auf die Taschenbuchausgaben warten.
Natürlich gibt es jeden Band auch als Ebook-Ausgabe.
Außerdem
findet ihr hier: http://www.engelsfors-trilogie.de/charaktere/ alle Infos
rund um den zweiten Teil, wie zum Beispiel Bilder der Charaktere und viel mehr.

Engelfors- Trilogie 02 Feuer von Sara Bergmark Elfgren und Mats Strandberg

Gebundene Ausgabe: 727 Seiten 
Verlag: Dressler 
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2013 
ISBN: 978-3791528557

5 Replies to “[Rezension] „Feuer“ von Sara Bergmark Elfgren und Mats Strandberg

  1. welch schande, ich war noch gar kein leser bei dir ^^. jetzt aber. schöne seite und schöne rezi. hab feuer auf meiner wuli und zirkel auf meinem sub. bin gespannt.

    lg,

    sharonsbuecher.blogspot.com

    1. Na, dann jetzt aber! 😉 Da bin ich auch gespannt, wie es dir gefallen wird, vielleicht magst du nach dem Lesen ja ein kurzes Feedback geben. Aber du kannst natürlich auch warten bis alle drei draußen sind und dann in einem Schwupps lesen. 😀
      LG, Krink

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