"Secret Fire - Die Entflammten" von C.J. Daugherty und Carina Rozenfeld
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An „Secret Fire – Die Entflammten“ vom Autorinnenduo C.J.
Daugherty und Carina Rozenfeld hatte ich ehrlich gesagt keinerlei Erwartungen –
der Auftaktband dieser Dilogie wird zwar insgesamt unheimlich positiv
aufgenommen, aber bei Stimmungsbildern bin ich nach einigen Enttäuschungen vorsichtig
geworden. Was dem einen gefällt, muss dem anderen noch lange nicht gefallen.
Und Bewertungen (auch diese hier!) sind und bleiben subjektiv. In diesem Falle
kam erschwerend hinzu, dass eine mir verwandte Bücherseele ihren Hintern darauf
verwettet hat, dass mir dieses Buch garantiert nicht gefällt. Also hatte ich genau
genommen nicht nur keine Erwartungen, sondern Minus-Ewartungen, die sich dann
teils erfüllten, teils aber auch nicht. „Secret Fire – Die Entflammten“ hat mich auf
eine Achterbahnfahrt mitgenommen. Mir schwirrt immer noch der Kopf: Fand ich
das Buch unterm Strich gut oder schlecht? Irgendwie vermutlich beides, weshalb
ich nicht recht weiß, ob ich nun stolze Gewinnerin eines Hinterns bin oder nicht.

Bei der Inhaltsangabe bin ich mal zurückhaltend. Denn wenn
mir auch nur ein Wort zu viel herausrutscht, macht das Lesen weniger Spaß. Die
Leserschaft erfährt nämlich erst nach einer ganzen Weile, welches Geheimnis die
beiden Hauptfiguren Taylor und Sacha verbindet. Vielleicht soviel: Sacha kann
nicht sterben. Zumindest nicht vor seinem 18. Geburtstag – dann muss (!) er
sterben. So ist es vorherbestimmt seit seiner Geburt. Verständlich, dass Sacha,
der bald volljährig wird, keinen Pfifferling auf die eigene Zukunft setzt und
ihm Schulbildung herzlich egal ist. Weshalb er wenig begeistert ist, als ihm
einer seiner Lehrer eine englische Nachhilfe aufs Auge drückt – die
gleichaltrige Taylor Montclair. Unwillig lässt sich Sacha, der in Paris lebt, via
Internet auf den Kontakt ein, ist aber schnell recht angetan von seiner
hübschen Nachhilfelehrerin, zumal ihm Taylors Name seltsam vertraut erscheint. Konkreter möchte ich gar nicht werden. Es ist ein Fantasybuch, klar, also
wird es fantastisch und magisch und bestimmt kommen auch ein paar Bösewichter
ins Spiel. Liebe? Ja, irgendwie schon. Eine Dreiecksbeziehung? Nein! Und das
ist auch schon der erste große Pluspunkt, den das Buch bei mir gesammelt hat.

Denn nicht nur gibt es keine Dreiecksbeziehung, der
männliche Protagonist ist sogar ziemlich überzeugend. Keine grünen Augen, kein
unkontrollierter Beschützerinstinkt, nein, ein ganz normaler, etwas wilder Typ,
der nicht mehr viel Hoffnung hat und trotzdem noch am Leben hängt. Die Geschichte erleben wir
abwechselnd aus Taylors und Sachas Sicht (später gibt es eine dritte
Erzählstimme). Taylor bietet einen unterhaltsamen Kontrast zu Sacha – denn sie
ist brav, pflichtbewusst und Schule geht ihr über alles. Im Grunde aber ist sie
einfach ein nettes, englisches Mädchen … mit einem kleinen Geheimnis, von dem
sie selbst nichts ahnt. Beide
Charaktere haben mich sehr schnell für sich ein- und in die Geschichte
mitgenommen.

Die Ideen der Autorinnen mögen das Genre nicht
revolutionieren, sind aber trotzdem gewinnend. Obwohl mir einige Ansätze verdammt
bekannt vorkamen, präsentiert sich „Secret Fire – Die Entflammten“ – zumindest anfangs – als eigenwillige,
neue Variante. So haben die beiden Protagonisten lange Zeit nur virtuellen
Kontakt. Gab’s das schon? Ich glaube nicht. Dieser kleine Kniff hatte den Effekt,
dass sich die Handlung schön langsam entwickelt; haargenau mein Fall. Es liegt
dieser Hauch von Geheimnis und Rätselhaftigkeit in der Luft, bei dem noch alles
möglich scheint. Und da ich wirklich keine Ahnung hatte, in welche Richtung es
geht, gab es einige hübsche Überraschungen.

Allerdings auch einige nicht so schöne. Und die möchte ich
nicht verschweigen.
Grundsätzlich
gar nicht anfreunden kann ich mich mit komplett unlogischem Verhalten von Buchfiguren.
„Secret Fire – Die Entflammten“ hält in dieser Beziehung eine ganze Menge Unsinn parat. Mal ein
kleines, zugespitztes Beispiel: Da ist unsere Heldin in größter Gefahr und weiß
nicht einmal wieso. Dann taucht jemand auf, der ihr das erklären und helfen will,
doch dieser jemand verabschiedet sich kurz darauf mit den Worten: ‚Komm doch
einfach nächsten Samstag in mein Büro, dann besprechen wir das.’
Das sind so Momente, in denen ich
von meiner Umgebung gefragt werde, warum ich während des Lesens so seltsam stöhne.
Leider habe ich bei diesem Buch so einige Male gestöhnt.

Unstimmig und seltsam fand ich die Zeichnung der
Nebenfiguren. Rein zufällig haben Taylor und Sacha beide eine jüngere
Schwester, beide sind 13 Jahre alt, beide kommen im Buch kaum vor. Des Weiteren
haben die Protagonisten Mütter, die vor allem durch Abwesenheit und
Gleichgültigkeit glänzen. Und schließlich gibt es da noch eine uralte, geheime
Gesellschaft mit unzähligen Mitgliedern, die sich jedoch irgendwo im Buch
versteckt halten, jedenfalls lernen wir nur vier von ihnen kennen.


Mein größter Kritikpunkt aber: Der Fantasyanteil des Plots
kam in der zweiten Hälfte (dahin war all die schöne Rätselhaftigkeit) mit der
Holzhammermethode daher. In aller Kürze und in wenigen Sätzen werden Mysterien
erklärt, die eigentlich über die normale Vorstellungskraft hinausgehen. So gab
es im letzten Drittel etliche unfreiwillig komische Dialoge zu lesen, mit dem
Ergebnis, dass sich vieles, was zuvor so angenehm anders war, gegen Ende ins
Stereotype verkehrte. Zu
einfach, zu schlicht, zu übertrieben, zu oft da gewesen und vielleicht deshalb
gar nicht erst der Mühe wert, genau erklärt zu werden? Schade.

Tatsächlich ist die Sache also nicht ganz einfach: „Secret Fire – Die Entflammten“ hat vor allem zu Beginn viele besondere Momente. Es punktet mit sympathischen
Protagonisten, einer zarten Liebesgeschichte und guten Einfällen. Das Buch liest
sich flüssig und man liest es gerne. Zu meinen Lieblingsstellen gehören einige
Szenen in Paris samt einer angenehm ausgewogenen Darstellung der Stadt, die sonst
oft nur verklärt-nostalgisch durch die Buchwelt geistert.
Jammerschade,
dass viele Szenen so schauderhaft unlogisch sind und das Fantasyfundament leidenschaftslos
zusammengestutzt ist. Das hat diese nette Geschichte in meinen Augen die
Überzeugungskraft gekostet.

Fazit: Ich wünsche Sacha und Taylor alles Gute und
verabschiede mich hiermit von ihnen. Die beiden bekommen ihre Probleme sicher auch
ohne mich in den Griff!

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Secret Fire – Die Entflammten von C.J. Daugherty und Carina Rozenfeld
Originaltitel: The Secret Fire
Übersetzer: Peter Klöss, Jutta Wurm
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten 
Verlag: Oetinger
Erscheinungsdatum: 22. August 2016 
ISBN: 978-3789133398 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

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