"Tödliche Oliven" von Tom Hillenbrand, Krimi
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Zunächst die gute Nachricht: Tom Hillenbrands nunmehr vierter Fall für den Luxemburger Chef des Deux Eglises, „Tödliche Oliven“, ist besser geschrieben und stringenter strukturiert als der Vorgänger, „Letzte Ernte“. Die schlechte Nachricht: Weder an literarischer Qualität noch an Glaubwürdigkeit ist damit etwas gewonnen. Der unbedarfte Koch allein gegen weltweit agierende Verbrechersyndikate. Ein haarsträubender Unsinn. Wem das nicht das Lesevergnügen verleidet, dem sei der Krimi von Herzen gegönnt.

„Tödliche Oliven“ setzt erneut auf den Wiedererkennungseffekt und liefert alte Bekannte. Wieder kocht Kieffer bewährte Luxemburger Spezialitäten. Huesenziwwi. Wainzoossis. Biwwelamoud. Doch wer’s immer noch nicht nachgekocht hat, wird’s auch jetzt nicht mehr tun. Wieder köchelt die Beziehung zur Eigentümerin des legendären Pariser Restaurantführers Guide Gabin, Valerie, auf kleiner Flamme. So vergehen die Jahre, in diesem Fall wird die Geliebte vierzig. Koch Kieffer lädt sie zum Essen ein. Wirklich wahr! So ein origineller Einfall! Wieder kippt sich Pekka Vantanen im Deux Eglises leckere Rebsorten hinter die Binde und gibt Tipps über Frauen, die niemand hören will. Und wieder stolpert Kieffer in eine arge Geschichte. Vielmehr plumpst er in ein riesiges Olivenfass. Wittert Unrat und nimmt ein Pröbchen. 

Schuld an Kieffers Unbill ist Freund Allessandro Colao, Hersteller und Händler für gute Weine und wertvolles toskanisches Olivenöl. Der ist nämlich auf die schiefe Bahn geraten und verschwindet spurlos in Italien. Kieffer also hinterher und gewinnt neue Erkenntnisse. Denn Im Zuge der unfreiwilligen Ermittlungen begegnet er Professor Ulisse di Piedro in Bologna, Spezialist für Olivenöl. Ihn muss der preisgekrönte Luxemburger Koch befragen, weil es die heimische Küche mehr mit der guten Butter hat. 

Ulisse weiht Kieffer in die Geheimnisse der italienischen Haute Cuisine ein und klärt ihn bei einem guten Tropfen auf: Alle wollen italienisches Olivenöl, am besten aus der Toskana. Und weil die Bäumchen in der berühmten Region nur 300.000 Tonnen hergeben, die gierige Welt aber ein Vielfaches fordert, blüht der Betrug. Da wird aus anderen Ländern klammheimlich minderwertiges Öl eingeführt, gemischt, gepantscht, grün eingefärbt, in Flaschen gefüllt, mit hübschen Bildchen versehen, und schwupps, ist es olio extra vergine d‘oliva. In Wahrheit pipi di gatto, wie Ulisse urteilt, Katzenpisse. Am Etikettenschwindel lässt sich gut verdienen, Supermärkte sind keine Gourmet-Tempel und Mafiosi keine Ethiker. Daran ändert auch Kieffer nichts. Er aber kocht im rechten Moment den glibberigen Kachkéis. Und schwupps, hat ein Bösewicht ein anderes Label. 

Tom Hillenbrand nutzte als Quelle das Sachbuch von Thomas Mueller, „Extra Vergine: Die erhabene und skandalöse Welt des Olivenöls“. Was spannender ist, Fakten oder Fiktion, sei dahingestellt. Informativ ist der Krimi allemal. Warum aber Kieffer immerzu mit den mächtigsten Bossen der Lebensmittel-Schiebereien aneinandergeraten muss, ist eine Frage wert. Vielleicht sollte er seine Kreativität besser am Herd ausleben oder mit Valerie ein Sabbatjahr einlegen und Ulisse das Feld überlassen. Der rettet nämlich nicht nur das Kulinarische, sondern auch den Krimi.

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„Tödliche Oliven. Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffer ermittelt.“ von Tom Hillenbrand
Verlag: Kiepenheuer und Witsch / KiWi
Erscheinungsdatum: November 2014
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3-462-04695-3

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